1. Blaulicht

Ein Friedhofsdieb mit Vorliebe für Messing

Diebstähle auf dem Friedhof Oberkail : Ein Friedhofsdieb mit Vorliebe für Messing

Mehrere Weihwasser-Sprenger sind vom Friedhof in Oberkail weggekommen. Bemerkenswert: Das ist nicht das erste Mal. Und: Der Dieb ist offenbar wählerisch.

Der Oberkailer Friedhof liegt am Ortsausgang Richtung Gransdorf. Etwas abseits also vom Dorf. Große Bäume spenden den Besuchern hier Schatten und einen Blickschutz. Von der Straße ist nicht einsehbar, was hinter dem Mäuerchen und dem Blattwerk vor sich geht. Nur die Marienstatue, untem am Weg, hat die Ruhestätte im Blick.

Diese Abgeschiedenheit hat nun wohl zwischen dem 7. und dem 11. Juni ein Dieb ausgenutzt. Mindestens sechs Weihwassersprenger zum Segnen von Gräbern sind in dieser Zeit laut Polizei weggekommen. „Möglich“, sagt der Kyllburger Bezirkspolizist Jörg Knauf, „dass noch weitere gestohlen wurden, auch in anderen Orten.“

Dass es dafür bislang noch keine Anhaltspunkte gebe, habe nichts zu heißen. Denn einerseits könne es sein, dass manchem Besucher erst jetzt auffalle, dass etwas fehle. Und andererseits würde in solchen Fällen nur selten Anzeige erstattet.

Dabei sind Aspergille, so der Fachbegriff für die liturgischen Sprengel, nicht gerade günstig. Eine Internetrecherche ergibt Preise zwischen 10 und 60 Euro. Und die verschwundenen Geräte sind von der teureren Sorte.

Die billigen Einsegner nämlich, kleine Plastikbürstchen, Zweige oder Metallstäbe hat der Täter liegenlassen. Es fehlen nur Aspergille aus Messing. „Für das Metall scheint er eine besondere Vorliebe zu haben“, sagt Knauf, der den Wert pro Stück auf 30 bis 40 Euro schätzt.

 Der Oberkailer Friedhof liegt etwas außerhalb des Ortes.  Foto: Christian Altmayer
Der Oberkailer Friedhof liegt etwas außerhalb des Ortes. Foto: Christian Altmayer Foto: TV/Christian Altmayer

Ob bei einem Verkauf so viel mit gebrauchter Ware zu erzielen ist? Unwahrscheinlich. Auch durch Einschmelzen sind wohl keine hohen Gewinne zu erzielen. Es sei denn, der Täter betreibt den Diebstahl im großen Stil und hat auch andernorts zugeschlagen. 

Der Unbekannte könnte, so Knauf, etwa Schrottsammler- oder händler sein. Ebenso gut aber auch ein Kind, das die Sprengel als Spielzeug benutzt. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt der Bezirksbeamte.

Insgesamt ist wohl ein Schaden von mehreren Hundert Euro entstanden. Und das nicht zum ersten Mal. Vor Jahren bereits sei es zu Diebstählen auf dem Oberkailer Friedhof gekommen, sagt Knauf. Damals wurden diverse Bronzegegenstände entwendet, der Täter allerdings nie gefasst.

Seit diesen Vorkommnisse aber hat Ortsbürgermeisterin Petra Fischer die Gräber und die Kesselchen, Sprenger und Leuchten im Blick. Weswegen der Dorfchefin auch die neuerlichen Diebstähle auffielen.

„Solche Taten kommen leider immer wieder vor“, sagt Knauf. Beispiele für Plünderungen auf Ruhestätten gibt es tatsächlich quer durch die Region, von Herforst bis Hermeskeil, von Mehren bis Traben-Trarbach. Ein spektakulärer Fall war etwa der Diebstahl zweierer bronzener Gedenktafeln vom Bitburger Ehrenfriedhof Kolmeshöh 2017. Und ein Jahr darauf eine Serie von Delikten auf dem Gottesacker in Walsdorf-Zilsdorf, wo eine Gruppe Unbekannter Utensilien von 81 Gräbern entwendeten.

Die Spuren zu den Tätern verliefen allerdings im Sande. Wie so oft, meint Knauf. Denn Friedhöfe seien schwierige Tatorte. Meist lägen sie außerhalb der Dörfer und Städte. Und somit auch außerhalb der wachsamen Augen der Nachbarn. Zeugen fänden sich daher nur selten.

Der Ermittler hofft dennoch auf die Mithilfe der Bürger, um den Messingdieb zu stellen.

Hinweise an die Polizeiinspektion Bitburg unter Telefon 06561/96850.