Ein Schlag gegen das Drogenmilieu an der Sauer

Kostenpflichtiger Inhalt: Razzia in Echternacherbrück : Schlag gegen Drogenmilieu an der Sauer - Polizei kontrolliert Kneipe an der Sauer und wird fündig

Bei einer Razzia in Echternacherbrück hat die Polizei Freitagnacht einen Dealer gefasst. Die großangelegte Aktion sollte ein Zeichen setzen: Denn seit Jahren gibt es an der luxemburgischen Grenze eine recht umtriebige Drogenszene.

Gegen 2 Uhr in der Früh öffnet sich die Tür. Doch es sind keine Gäste, die da Freitagnacht in die Kneipe kommen, sondern 50 Beamte der Polizei, der Kreisverwaltung und der Verbandsgemeinde. Organisiert wurde dieser unangekündigte Besuch von der Inspektion Bitburg, die das Lokal seit Monaten im Visier ihrer Ermittlungen hat. Denn die Gaststätte an der Brücke nach Echternach wird nachts offenbar zum Treffpunkt der deutschen und luxemburgischen Drogenszene.

Das bestätigt sich auch bei der Razzia am Wochenende. Vier der 37 kontrollierten Personen hat die Polizei mit Cannabis erwischt, einer hatte Kokain dabei und im Portemonnaie: jede Menge Bares. Die Erklärung, die der mutmaßliche Dealer den Behörden dafür lieferte: Er vertraue den Banken nicht. Wahrscheinlicher ist es aber, dass er die Scheine von Konsumenten bekommen hat. Die Polizei hat das Geld deshalb eingezogen. Den Mann erwartet eine Anzeige wegen Drogenhandels.

Was sonst noch war: Zwei Männer hatten illegale Waffen dabei, und zwar einen Schlagring und ein verbotenes Messer. Auch gegen diese beiden wurde ein Verfahren eingeleitet. Post von der Justiz werden ebenfalls zwei Autofahrer erhalten, die zufällig in die Kontrolle gerieten. Einer war betrunken unterwegs, der andere hatte auch zu tief ins Glas geschaut. Die Beamten fingen ihn noch auf dem Parkplatz ab, bevor er den Motor starten konnte.

Die Kontrolle nahmen die Gäste der Kneipe offenbar weitestgehend anstandslos hin. Es kam laut Dienststellenleiter Christian Hamm nicht zu Handgreiflichkeiten. Verletzt wurde niemand und auch die Einrichtung des Lokals blieb unversehrt. Das war in der Vergangenheit nicht immer so gewesen.

Foto: TV/Christian Altmayer

Ende Juli kam es im Lokal nach Angaben von Hamm zu einem Streit, den die Polizei schlichten sollte. Dabei wurden auch Beamte angespuckt. Wenn Streifen, meist wegen Ruhestörungen, nach Echternacherbrück ausrückten, kam es dort häufiger „zu aggressivem Verhalten“, sagt der Polizeichef. Die Kneipengäste solidarisierten sich gegen die Einsatzkräfte. Freitagnacht verlief aber alles ruhig, wohl auch wegen der Personalstärke bei der Kontrolle, wie Hamm vermutet. Diese sei auch dringend erforderlich gewesen, um die Lage im Griff zu behalten.

Foto: TV/Christian Altmayer

Warum auch die Kreisverwaltung und die Verbandsgemeinde Südeifel mit dabei waren? Es gab offenbar auch Zweifel, ob sich die Besitzer an den Jugendschutz, das Ausländerecht, das Konzessionsrecht und die Brandschutzbestimmungen halten. Ob die Kontrolle diesbezüglich etwas ergeben hat, ließ sich am Wochenende nicht herausfinden.

Insgesamt verbucht der Bitburger Polizeichef die Razzia als Erfolg: „Wir konnten am Wochenende ein Zeichen setzen.“ Man wolle „niemanden drangsalieren“, sagt Hamm: Aber solche Aktionen seien erforderlich. Einerseits, um den Dealern zu zeigen, „dass wir uns nicht auf der Nase herumtanzen lassen und solche Zustände nicht dulden.“ Und andererseits, weil solche Aktionen der Bevölkerung ein Gefühl von Sicherheit geben.

Denn einige Bürger fürchten, dass das Drogenproblem in der Grenzregion außer Kontrolle gerät – das wurde auch im Herbst 2018 bei einem Infoabend in Bollendorf klar. Seit Monaten schon hat die Inspektion die Szene an der Sauer deshalb im Fokus (der TV berichtete).

Immer wieder ziehen Streifen zwischen Echternach und Bollendorf berauschte Autofahrer aus dem Verkehr. Die Anzahl der erfassten Drogendelikte im Jahr 2018 war doppelt so hoch wie 2017. Allein in Echternacherbrück wurden in den vergangenen beiden Jahren fast 50 Strafverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet.

Die Zahlen belegen aber nicht nur, dass es ein Problem gibt. Sondern auch, dass die Polizei dieses erkannt hat und das Dunkelfeld Stück für Stück auflichtet. „Wir zeigen Präsenz und das spüren die Menschen an der Sauer schon“, ist sich Hamm sicher.

Gegen 3.30 Uhr war der Spuk vorbei. Auch die Ortsdurchfahrt wurde nach der Razzia wieder freigegeben. Das Dorf war während der Aktion abgeriegelt. Das könnte sich in Zukunft wiederholen. Die Kontrolle soll nämlich nach Ansicht von Hamm kein Strohfeuer bleiben. Das Milieu kann sich auf mehr Polizeipräsenz einstellen: „Wir werden die Sache mit Nachdruck weiterverfolgen, damit nicht einmal die Gefahr besteht, dass an der Sauer ein rechtsfreier Raum entsteht.“

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