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Schneechaos
Es fährt kein Bus nach Manderscheid

 Hunsrück, Mosel, Eifel und Hochwald: Am Donnerstagmorgen hat der Schneefall den Straßenverkehr in der Region an vielen Stellen völlig lahmgelegt.  Foto: siko
Hunsrück, Mosel, Eifel und Hochwald: Am Donnerstagmorgen hat der Schneefall den Straßenverkehr in der Region an vielen Stellen völlig lahmgelegt. Foto: siko FOTO: siko
Manderscheid/Neumagen-Dhron. Schneefall im Winter ist nicht ungewöhnlich. Das Schneetreiben in Eifel, Hunsrück, Hochwald und an der Mosel hat den Landkreis Bernkastel-Wittlich am Donnerstagmorgen dennoch in großen Teilen lahmgelegt. Von Christian Moeris

Nichts ging mehr: Zur Zeit des Berufsverkehrs rieselten am Donnerstagmorgen massig weiße Flocken vom Himmel. Die Räumkolonnen der Straßenmeistereien kommen an vielen Stellen nicht mehr hinterher.

Busverkehr Insbesondere für die Schul- und Linienbusse aber auch Lastwagen ist auf den verschneiten Straßen im Landkreis kein Vorwärtskommen mehr möglich. „Bei uns sind überhaupt gar keine Schulbusse gefahren wie auf der ganzen Moselschiene“, sagt Mario Cossé, Schulleiter der Friedrich-Spee-Realschule plus in Neumagen-Dhron. „Von Schweich, von Bernkastel- Kues und auch aus dem Hochwald wie Thalfang sind keine Busse gekommen. Deshalb haben es gestern nur 40 von 400 Schülern zur Schule geschafft.“ An manchen Schulen fiel der Unterricht deshalb komplett aus.

„Soweit uns bekannt, wurde der Busverkehr insbesondere in den Höhenlagen beeinträchtigt. So konnte die Realschule plus in Manderscheid offenbar gänzlich nicht angefahren werden“, sagt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich.

Besonders betroffen von den widrigen Verkehrsverhältnissen war auch die Integrierte  Gesamtschule Morbach. Kein Bus konnte die Schule gestern in den frühen Morgenstunden anfahren. Der Unterricht fiel  komplett aus, für die wenigen anwesenden  Schüler wurde eine Notbetreuung eingerichtet. Gleiches Bild an der IGS Salmtal: Die Schule mit 700 Schülern blieb am Donnerstag komplett geschlossen, weil es kein Bus zur Schule geschafft hat. Nicht viel besser sah es an der Erbeskopf-Realschule plus in Thalfang aus. Etwa drei Viertel der 200 Schüler fehlten gestern Morgen, weil die meisten Busse die Schule nicht anfuhren.  Es fand Unterricht statt, allerdings in abgespeckter Form.

Am Gymnasium Traben-Trarbach fand ganz normaler Unterricht statt. Lediglich ein Bus, der von Blankenrath im Hunsrück kommt und über Zell die Schule in Traben-Trarbach anfährt, fiel aus.

Ähnlich war die  Situation am Nikolaus von Kues-Gymnasium Bernkastel-Kues. Vom Hunsrück kommende Schüler fehlten größtenteils, ebenso einige Lehrer, die wegen liegengebliebener  LKW nicht durchkamen. Die meisten Schüler waren pünktlich oder leicht verspätet da.

An den Wittlicher Schulen konnten sich auch viele Schüler über einen schulfreien Tag freuen, weil die Busse nicht fuhren. An der Kurfürst-Balduin-Realschule plus und dem Cusanus-Gymnasium wurden die wenigen Schüler, die zum Unterricht erschienen, in Notgruppen betreut. „Wenn es in den nächsten Tagen auch nur annähernd so aussieht“, sagt Bernhold Simon, Rektor der Grundschule Binsfeld, „kann man von den Busfahrern auch nicht verlangen, dass sie fahren und die Kinder und sich selbst solch einer Gefahr aussetzen.“

Unternehmen Doch wie konnte es zu den flächendeckenden Ausfällen im Busverkehr kommen? Der TV hat bei einem Verkehrsunternehmen nachgefragt. „Wir hatten heute Morgen einen Komplettausfall“, sagt Wolfgang Krins, Disponent der Verkehrsbetriebsgesellschaft Moselbahn, die sich um den Busverkehr an der Mosel kümmert. „Wir kamen teilweise gar nicht von unseren Betriebsgeländen. Wir kamen teils nicht vom Hof und auf den Straßen sind wir nur noch gerutscht. Die Streudienste waren komplett überfordert.“ Der TV konfrontierte Ralf Schmitz, Leiter der Masterstraßenmeisterei Wittlich mit der Kritik der Verkehrsbetriebe.

Straßenmeisterei „Wir wurden selbst etwas überrascht“, sagt Schmitz. Der Wetterdienst habe diese Menge Schnee nicht vorhergesagt. „Drei bis vier Zentimeter schon aber keine zehn bis 15 Zentimeter, die wir heute Morgen hatten.“ Deshalb hätten die Räumarbeiten doppelt so viel Zeit in Anspruch genommen. Dazu seien am Morgen zwei Fahrzeuge der Flotte von 24 Fahrzeugen mit Stützpunkten in Wittlich, Bernkastel und Manderscheid ausgefallen. „Aber bei diesem starken Niederschlag dauert das räumen doppelt so lange. In Manderscheid mussten wir die 320 Kilometer Strecke mit acht Fahrzeugen zwei Mal räumen, sind also 640 Kilometer gefahren. Das war schon sportlich.“ Doch trotz des starken Schneefalls meint Schmitz: „Die Hauptrouten waren frei. Autos und Lastwagen sind durchgekommen. Warum die Schulbusse nicht fahren konnten, erschließt sich mir nicht. Lag es vielleicht an der Ausstattung und Bereifung der Busse?“ Am Winterdienst, meint Schmitz, habe es bestimmt nicht gelegen.

Unfälle Hier und da knallte es auf der rutschigen Schneedecke: Eine 21-jährige Autofahrerin ist am Donnerstagmorgen bei einem Verkehrsunfall auf der L 141 zwischen Hetzerath und Schweich verletzt worden. Die Fahrerin hatte laut Polizei auf schneebedeckter Fahrbahn die Kontrolle über ihren Wagen verloren und sich überschlagen.

Auf der A 1 zwischen der Anschlussstelle Manderscheid und der Raststätte Eifel-West kam ein Sattelzug am Vormittag von der Fahrbahn ab, erklärt die Polizeiautobahnstation Schweich. Der Brummi rutschte über die verschneite Standspur und kippte in die Leitplanke. Der Fahrer blieb unverletzt. Die Autobahn musste für 30 Minuten voll gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden.

Auf der B 327 zwischen Thalfang und Morbach im Hunsrück soll gar kein Durchkommen mehr gewesen sein. Dort standen Lastwagen quer und blockierten die Straße. Auch auf der A 60 zwischen Wittlich und Bitburg soll es am Donnerstagmorgen zu Verkehrsbeeinträchtigungen gekommen sein. Autofahrer berichteten über temporäre Staus, die sich jedoch schon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst haben sollen.