Falschmeldung zu Hundeköderfund mit Rasierklingen in Trier zieht Kreise

Fakt oder Fake? : Falschmeldung zu Hundeköderfund mit Rasierklingen in Trier zieht Kreise

Der angebliche Fund einer präparierten Wurst voller Rasierklingen in Trier hat am Freitag Verwirrung ausgelöst. Nach Recherchen von volksfreund.de stellte sich der Sachverhalt völlig anders dar als von anderen Medien zeitweise verbreitet.

Der echte Giftköder Seit dem von der Polizei offiziell vermeldeten Fund eines Giftköders am Trierer Moselstadion am Dienstag herrscht unter Hundehaltern große Besorgnis. Ein Zeuge hatte dort im öffentlichen Raum eine halbe Frikadelle entdeckt, die mit dem Gift Schneckenkorn präpariert war. „Es gibt dazu bisher noch keine greifbaren Ermittlungsergebnisse“, sagte Polizei-Pressesprecher Karl-Peter Jochem am Freitag auf Anfrage. Am Mittwoch sei eine weitere halbe Frikadelle mit Gift aufgetaucht, etwa 40 Meter weiter Richtung Zurmaiener Straße. Laut Polizei dürfte es sich um ein abgetrenntes Teil des Vortags-Funds handeln.

Der angebliche Rasierklingenköder Am Donnerstagabend verschickte eine regionale Presseagentur eine Nachricht zu einem angeblichen weiteren Fund: „Schon wieder hat ein Unbekannter einen Giftköder ausgelegt“. Ein Mann sei am Mittwoch mit seinem Rottweiler-Welpen an der Mosel in Trier-Pfalzel auf ein Stück Leberwurst gestoßen. Der Halter habe das Tier zur Seite gezogen und festgestellt, dass die Wurst „voll mit Rasierklingen“ gewesen sei. Die von dem Mann alarmierte Polizei habe den Köder sichergestellt und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Agentur garnierte die spektakuläre Meldung mit dem passenden Bild einer Leberwurst, in der vier Rasierklingen steckten. Der Bildnachweis lautete „Foto: Polizei“.

Auf Anfrage von volksfreund.de räumte die Agentur ein, das Foto zeige nicht den aktuellen Fund, sondern es handele sich um ein Symbolfoto aus dem Archiv der Polizei. Für die Nutzer der Facebook-Seite der Agentur war das nicht zu erkennen – Dutzende kommentierten bestürzt den vermeintlichen neuen Köderfund. Auch ein Radiosender verbreitete die Nachricht mit dem plakativen Foto auf seiner Internet-Seite.

Die Recherche Unserer Redaktion hörte wie in solchen Fällen üblich selbst bei der Polizei in Schweich und Trier nach, die die Nachricht vom neuerlichen Fund nicht bestätigen konnte. Pressesprecher Jochem teilte schließlich mit: „Es gab keinen solchen Einsatz, keine Anzeige, und es wurde auch nichts sichergestellt.“ Der angebliche Finder des Hundeköders war trotz einer Handynummer nicht erreichbar.

Damit konfrontiert, setzte sich die Agentur nach eigener Aussage selbst nochmals mit dem vermeintlichen Kronzeugen in Verbindung. Der Hundehalter soll dann kleinlaut eingeräumt haben, die Polizei gar nicht verständigt zu haben. Weil er betrunken gewesen sei, habe er wohl etwas durcheinandergebracht. In Wirklichkeit habe er die mit Rasierklingen präparierte Wurst zwar tatsächlich gefunden, aber in einen Mülleimer geworfen und keineswegs die Polizei alarmiert.

Die Agentur veröffentlichte eine entsprechende Korrektur. Zudem sei der Hundebesitzer „nicht mehr gewillt, weitere Schritte einzuleiten, da er sich an verschiedene Details nicht mehr erinnern“ könne.

Ob es den Rasierklingen-Fund selbst überhaupt gegeben hat, kann also nicht mehr überprüft beziehungsweise bewiesen werden.

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