1. Blaulicht

Hangrutsche, Überflutungen und Stromausfälle in Trassem und Umgebung

Unwetter : Schlammflut verstärkt Bedenken gegen Baugebiet in Trassem (Update)

Die Schäden durch Starkregen und Hagel in Trassem könnten die anstehende Entscheidung für ein Baugebiet beeinflussen. Das Unwetter führte zu einem Großeinsatz der Feuerwehr.

Erst regnet es heftig, dann hagelt es kräftig. Das Unwetter in der Nacht zum Montag erwischt Trassem in vollem Umfang. Hagelkörner verstopfen Fallrohre an Dachrinnen, Kanäle fließen über, und Schlammfluten setzen sich an Hanglagen in Bewegung.

Hauptstraße unter Schlamm Zu großen Problemen führt das zum einen in der Ortsdurchfahrt (Saarburger Straße/Einmündung Kehrbacher Straße). „Die Straße war ein See“, sagt Anwohner Jochen Hein. Er beobachtet, wie sich eine braune Welle vom Fußweg, der den Halstenberg hinabführt, auf die Fahrbahn ergießt. Er hat Glück. Sein Haus und die Nachbargebäude bleiben verschont, auch weil sie die Kellerschächte verbarrikadiert haben. Die braune Lawine und Holzhackschnitzel vom Hang strömen in den Garten. Hein lobt die Feuerwehr: „Die Wehrleute haben erstklassig agiert. Mit einem Radlader vom THW haben sie den Schlamm noch in der Nacht abtransportiert.“

Überflutete Keller am Hang Weniger Glück haben Anwohner der Straße Unterm Halstenberg auf der andere Seite des Hangs. Sechs Häuser sind dort laut Jens Weiher, dem stellvertretenden Wehrführer der Trassemer Wehr, besonders betroffen. Unmengen von Schlamm und Geröll überfluten Balkone, Garagen und Keller. Zwischentüren werden im Kellergeschoss aus der Verankerung gerissen. Der Radlader ist auch dort im Einsatz, um die Schlammmassen von der Straße zu beseitigen. Teilweise sind die Geröllmassen bis zu 20 Zentimeter hoch. Feuerwehr und THW pumpen Keller und Wohnungen leer. Garagen und Einfahrten werden per Schaufel von den Schlammassen befreit. Die Nachbarschaftshilfe greift: Viele Menschen packen in dieser Notlage mit an.

Mehr als 100 Helfer Die nächtlichen Aufräumarbeiten gestalten sich aufgrund des anhaltenden Regens teilweise schwierig. 100 Wehrleute aus Trassem, Saarburg, Saarburg-Beurig und Freudenburg sind im Einsatz. Gearbeitet wird von 22.30 Uhr bis 2 Uhr nachts. Um 9 Uhr am nächsten Morgen rücken die ersten Wehrleute wieder an. Einzelne Anwohner in Trassem stehen in der Nacht des Unwetters unter Schock und werden vom Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes aus Saarburg betreut.

Politische Diskussion Am Tag danach sind von Betroffenen erste Forderungen zu hören. Eine Anwohnerin, deren Keller zwar freigeräumt, jedoch noch komplett verschmutzt daliegt, und deren geliebter Garten verwüstet ist, kämpft mit den Tränen. Sie sagt: „Ich will nicht, dass das neue Baugebiet direkt oben auf den Hang kommt.“ Sie befürchtet dadurch eine Verschlechterung der Situation. Mit Bangen habe sie die Diskussion um das Gebiet Halstenberg im Rat verfolgt. „Zwei Mal hatten wir in der Vergangenheit schon Probleme mit Schlamm.“ Andere Trassemer weisen darauf hin, dass auch in der Saarburger Straße vor Jahrzehnten bereits der Schlamm runtergekommen sei.

Für Ortsbürgermeister Roland Konter, der in der Nacht mitangepackt hat und auch am Montag wieder zur Stelle ist, ist die Forderung der Anwohnerin nicht neu. Er sagt: „Genau wegen dieser Bedenken haben wir nach einer Alternative Ausschau gehalten.“ Diese wäre eine Ergänzung des Baugebiets Perdenbacher Gewann, das Richtung Saarburg liegt. Er persönliche favorisiere die Alternative. Zur Frage, wie die Mehrheit des Rats das sieht, will er nichts sagen.

Just am Mittwoch wird sich der Ortsgemeinderat in seiner Sitzung ab 20 Uhr mit einer Gegenüberstellung der beiden Baugebiete mit um die 40 Bauplätzen beschäftigen. Auf Wunsch hatte die Verbandsgemeindeverwaltung die beiden Areale in 17 Punkten wie Grunderwerb, Topographie, Belichtung und Baurecht verglichen. Der Bauausschuss, der sich für Perdenbacher Gewann ausgesprochen hat, wollte dann noch eine Einschätzung der Abflusssituation am Halstenberg.

Unwetterfolgen in Trassem Foto: Marion Maier
Unwetterfolgen in Trassem Foto: Marion Maier
Wasser-, Schlamm- und Geröllmassen überfluten nach Starkregen Straßen und Keller in Trassem. Foto: Wilfried Hoffmann
Auch schweres Gerät kommt bei der Beseitigung der Unwetterfolgen zum Einsatz. Foto: Wilfried Hoffmann
Ein Hangrutsch in Trassem bei Saarburg hat einen Großeinsatz der Feuerwehr- und Rettungskräfte ausgelöst. Foto: Wilfried Hoffmann

Das sagen Fachleute Das damit beauftragte Büro Hömme, das für die Verbandsgemeinde Saarburg ein Hochwasserschutzkonzept erstellt, kommt zu dem Schluss: „Wir empfehlen die Prüfung von alternativen Standorten ...“ Ein weiterer Fachmann sieht den Halstenberg kritisch: der Trierer Geograf Richard Ladwein. Er hat ein auf geomorphologischen Daten beruhendes Verfahren zur Erkennung von Hangrutschen und ähnlichen Gefahren erfunden. Nachdem er sich die Situation vor Ort angeschaut hat, sagt er, die Formen am Oberhang würden auf Schlammabgänge und Erdrutsche hinweisen. Er rät, die Oberhänge auf diese Gefahren hin zu analysieren.