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Karnevalsumzüge in der Eifel: Kopfnüsse, Biss in den Bauch, Prügel

Kostenpflichtiger Inhalt: Kopfnüsse, Biss in den Bauch, Prügel : Viele Polizeieinsätze beim Schönecker Karnevalszug - Weniger betrunkene Minderjährige in Mettendorf

Beim Karnevalsumzug in Schönecken gab es zahlreiche Polizeieinsätze. Unter anderem wurde ein 19-Jähriger krankenhausreif geschlagen. In Mettendorf ging die Zahl der alkoholisierten Minderjährigen im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurück.

(red/sn) Das Wetter hatte es gut gemeint mit den Schönecker und Mettendorfer Jecken, nachdem Stumtief Sabine abgezogen war. Gute Voraussetzungen also für die ersten Umzüge in der Eifel. Wie die Polizeiinspektion (PI) Bitburg meldet, kam es zu keinerlei Störung während des Umzugs am Sonntag in Mettendorf. Erst mit zunehmendem Alkoholpegel gab es auch dort vereinzelt Vorfälle, die durch sofortiges Einschreiten der Polizei unterbunden werden konnten.

Nur ein Vorfall trübte das ansonsten positive Gesamtbild: Ein 19-Jähriger behinderte des Transport eines medizinischen Notfalls, indem er auf das Trittbrett eines abfahrenden Rettungswagens sprang und die Tür öffnete. Die Polizei erteilte ihm einen Platzverweis, den er aber missachtete. Als die Polizei ihn aus der Feiermeile hinausbegleiten wollte, leistete der junge Mann Widerstand und beleidigte die Beamten. Er und ein Freund, der ihn unterstützen wollte, wurden in Gewahrsam genommen und ihren Familien überstellt.

In Schönecken musste die Polizei am Samstag mehrfach eingreifen. Dort hatten die Beamten schon zu Beginn einem 17-Jährigen einen mit Schnapsfläschen aufmunitionierten Gürtel während der Jugendschutzkontrollen abgenommen. Gegen 18.30 Uhr gab es auf dem Parkplatz der Seniorenresidenz eine Schlägerei. Dabei fiel ein 36-Jähriger nach einem Hieb ins Gesicht zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf. Der Rettungsdienst versorgte ihn, der Schläger lief unerkannt in Richtung Dingdorf davon. Die Polizei sucht in diesem Zusammenhang Zeugen.

Gegen 19.15 Uhr wurde eine Streife von einem betrunkenen 16-jährigen angesprochen. Er sei grundlos in der Sparkassenfiliale von einem ebenfalls betrunkenen 19-Jährigen geschlagen worden. Der 19-jährige sah das anders und gab an, es sei genau umgekehrt gewesen. Warum der Heimweg den 16-jährigen in die Sparkassenfiliale geführt hat und ob möglicherweise der zu hohe Alkoholkonsum der wahre Grund für die Auseinandersetzung war, muss noch ermittelt werden. Sichtbar verletzt war keiner.

Gegen 19.30 Uhr stieß ein 26-Jähriger mit mehr als zwei Promille bei der After-Zug-Party einem 33-Jährigen die Brille von der Nase. Als dieser sich darüber beschwerte, versetzte ihm der 26-Jährige eine Kopfnuss. Obwohl er sowohl vom Sicherheitsdienst als auch von der Polizei dazu ermahnt wurde, sich zu benehmen, hatte er sich weiterhin nicht im Griff. Die Polizei nahm ihn daraufhin in Gewahrsam. Gegen 20 Uhr wurde der Fußstreife eine Schlägerei in der Teichstraße gemeldet. Vermutlich angesichts der nahenden Polizei suchte der Störenfried jedoch das Weite. Der 19-Jährige ist den Beamten bereits bekannt und wird sich zu verantworten haben.

Während der ganze Ort in Feierlaune war, versuchte zwischen 16 und 20 Uhr jemand, in ein Haus in der Lindenstraße einzubrechen. Der Täter montierte den Türgriff ab und versuchte die Tür einzutreten, es gelang ihm aber nicht, ins Haus zu kommen.

Je später der Abend, desto ungewöhnlicher die Fälle: Ein 26-Jähriger, der dem Sicherheitsdienst bereits aufgefallen war, weil er ständig an der Damentoilette Kontakte knüpfen wollte, biss einen 22-Jährigen in den Bauch, weil dieser ihn aufforderte, seine Schwester in Ruhe zu lassen. Die Polizei nahm den 26-Jährigen zur Ausnüchterung mit. Gegen Mitternacht wurde eine 18-Jährige in eine Schlägerei mit drei jungen Männern verwickelt. Während sich die Frau zunächst als Opfer präsentierte, verdichteten sich die Hinweise darauf, dass sie und ihr 25-jähriger Verlobter nicht unerheblich daran mitwirkten, einen 19-Jährigen krankenhausreif zu schlagen. Beim vierten Beteiligten, einem ebenfalls 19-Jährigen, fand die Polizei bei einer Durchsuchung am Folgetag zahlreiche Mobiltelefone. Zwei dieser Telefone wollte der junge Mann in Schönecken „gefunden“ haben.

Einer Streife der Bundespolizei fiel am Prümer Sonnenberg ein 21-Jähriger auf, der den Heimweg aus Schönecken mit dem Auto angetreten hatte, obwohl er absolut fahruntüchtig war. Ihm wurde eine Blutprobe entnommen – und der Führerschein.

Nach mehr als zwölf Stunden Feierlaune brach gegen 2.50 Uhr eine 21-Jährige zusammen und hatte einen Filmriss. Vorsorglich wurde sie vom Rettungsdienst ins Krankenhaus Prüm gebracht und untersucht. Hinweise auf K.-O.-Tropfen ergaben sich jedoch nicht.

Trotz all der Vorfälle in Schönecken spricht die Polizei von einer gelungenen Veranstaltung, „bei der die Freude am Karneval klar im Vordergrund stand“, heißt es in einer Pressemitteilung. Auf TV-Nachfrage sagt Georg Bührmann, Prümer PI-Chef, dass man die Vorfälle jetzt im einzelnen betrachten werde. Außerdem will die Polizei Rücksprache mit dem Veranstalter und dem DRK halten. Zum jetzigen Zeitpunkt halte er es für zu früh, um über Konsequenzen nachzudenken. „Wir werden uns nach Karneval alle Vorgänge ansehen und abschließend bewerten.“

Jürgen Riemann, stellvertretender Dienststellenleiter der PI Bitburg, führt das friedliche Verhalten der Jecken in Mettendorf unter anderem auf die hohe Polizeipräsenz zurück. Hatte der Rettungsdienst im vergangenen Jahr noch 34 alkoholisierte Minderjährige in Mettendorf behandelt, lag die Zahl in diesem Jahr im niedrigen einstelligen Bereich. Das im Vorfeld entwickelte Sicherheitskonzept von DRK, Freiwilliger Feuerwehr Mettendorf, der VG Südeifel, der Jugendschutzbeauftragten des Eifelkreises und der PI Bitburg habe den Praxistest bestanden, so das Fazit der PI Bitburg. „Wir werden auch an Weiberdonnerstag durch die Stadt Bitburg gehen und bei den kommenden Zügen präsent sein“, kündigt Riemann an.

Im Anschluss an den Manderscheider Umzug (Verbandsgemeinde Wittlich-Land) kam es am Sonntag gegen 18.25 Uhr ebenfalls zu einem Vorfall. Dort wurde eine 23-jährige Frau auf einer Fastnachtsveranstaltung von einer in die Menge geworfenen Bierflasche am Kopf verletzt. Ersten Ermittlungen nach hatten zuvor zwei Personen ein äußerst fragwürdiges Trinkspiel durchgeführt, bei welchem man leere Bierflaschen gegeneinanderschlägt bis diese zerbersten. Die Beteiligten haben sich dann der Flaschen durch einen Wurf in die Besucher entledigt. Die Verletzte erlitt hierbei eine Platzwunde und musste zwecks weiterer Versorgung in ein Krankenhaus verbracht werden. Gegen die beiden Teilnehmer des Trinkspiels wird nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Beide hatten zuvor erheblich dem Alkohol zugesprochen.