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Unwetter
Überschwemmungen nach schweren Unwettern in der Region (Fotos)

FOTO: TV / Winfried Simon
Konz/Saarburg/Trier. Schwere Unwetter haben in der Nacht zum Freitag für Überschwemmungen vor allem in der Eifel und im Landkreis Trier-Saarburg gesorgt. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm waren wegen der Unwetter mehrere Raubtiere aus einem Zoo vermisst worden. Sie wurden wieder gefunden, ein Bär wurde erschossen. In der Eifel sprang ein Zug aus den Gleisen. Am Wochenende entspannte sich die Situation. Von Christiane Wolff, Clemens Beckmann, Fritz-Peter Linden und Miguel Castro
Christiane Wolff

Update Sonntag, 11 Uhr: Die Pegelstände sinken weiter, die Lage hat sich beruhigt. Die Bahnlinie zwischen Kyllburg und Bitburg ist allerdings noch immer gesperrt. Mehr Informationen zur aktuellen Entwicklung finden Sie in diesem Artikel.

Die Aufräumarbeiten am Wilsbergtunnel sind in vollem Gang, während der ICE noch im Tunnel steht. Rechts am Bahngleis sind die Reste eines Renault Kangoo zu erkennen, der mit dem Geröll den Abhang hinunterrollte und aussieht, als sei er in einer Presse gelandet.
Die Aufräumarbeiten am Wilsbergtunnel sind in vollem Gang, während der ICE noch im Tunnel steht. Rechts am Bahngleis sind die Reste eines Renault Kangoo zu erkennen, der mit dem Geröll den Abhang hinunterrollte und aussieht, als sei er in einer Presse gelandet. FOTO: Klaus Kimmling / klaus Kimmling

Update Samstag, 17 Uhr: Weiterhin gehen die Pegelstände zurück. Die Kreise Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm haben ihre Einsatzleitungen aufgelöst. Am Stausee Biersdorf laufen Aufräumarbeiten. Auch der bei Kyllburg entgleiste Zug soll geborgen werden.

Unwetter in Tawern und Könen FOTO: Florian Blaes

Update Samstag, 11:30 Uhr: Nach den Unwettern am Freitag und Hochwasser entspannt sich die Situation, die Pegelstände gehen zurück.

Die Aufräumarbeiten am Wilsbergtunnel sind in vollem Gang, während der ICE noch im Tunnel steht. Rechts am Bahngleis sind die Reste eines Renault Kangoo zu erkennen, der mit dem Geröll den Abhang hinunter kullerte und aussieht, als wäre er in edioner Presse gelandet.
Die Aufräumarbeiten am Wilsbergtunnel sind in vollem Gang, während der ICE noch im Tunnel steht. Rechts am Bahngleis sind die Reste eines Renault Kangoo zu erkennen, der mit dem Geröll den Abhang hinunter kullerte und aussieht, als wäre er in edioner Presse gelandet. FOTO: Klaus Kimmling / klaus Kimmling

Update Freitag, 13.19 Uhr: Der TV erfährt: Alle Tiere sind eingefangen, Löwen und Tiger hatten entgegen anders lautenden Meldungen nicht ­(!) das Zoogelände verlassen. Sie wurden mit Hilfe einer Drohne gefunden.

FOTO: dpa / Thorsten Pallien

Update 12.53 Uhr: Offenbar sind in Lünebach weitere Tiere ausgebrochen. Die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm bestätigt, dass zwei Löwen, zwei Tiger und ein Jaguar ebenfalls ins Freie gelangt seien. Nach den Tieren werde gesucht. [Später stellte sich heraus, dass sich alle Tiere ständig auf dem Zoogelände befanden, siehe oben.]

FOTO: Florian Blaes

Update 12.48 Uhr: Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat den Katastrophenfall ausgerufen. In einer Pressekonferenz am Nachmittag werden sich die Feuerwehr und Landrat Joachim Streit zur aktuellen Lage äußern. Hunderte Feuerwehrleute sind in Folge der starken Regenfälle seit Donnerstagabend im Eifelkreis Bitburg-Prüm im Einsatz. In allen Verbandgemeinden (VG) bis auf Speicher sind laut Angaben der Kreisverwaltung schwere Schäden verursacht worden: Bäche und Flüsse sind über die Ufer getreten, Keller vollgelaufen und es gab Erdrutsche. Allein in der VG Südeifel sind die Feuerwehrleute laut Joachim Hönel,

Pressesprecher der Feuerwehr VG Südeifel, bislang zu mehr als 100 Einsätzen ausgerückt. (nhl)

Update 12.24 Uhr: Katastrophal scheint die Lage aktuell im Eifel-Zoo Lünebach. Dort ist die gesamte Anlage überschwemmt, etliche Tiere sind offenbar aus ihren Gehegen ausgebrochen. [Diese Information erwies sich später als nicht zutreffend, die Tiere befanden sich auf dem Zoogelände] Zoochefin Isabelle Wallpott kann noch keine genauen Angaben machen, Jörg Schon von der Polizei Prüm bestätigt aber gegenüber dem TV, dass ein freilaufender Bär von einem Jäger erlegt worden sei. Der Zoo, sagt der Oberkommissar, „ist im Moment unser großer Einsatz“. Die Bürger sind aufgerufen, sich von dem Gelände fern zu halten, da niemand wisse, wie genau die Lage sei.

Eifelkreis Bitburg-Prüm: Zwischen 3 und 6 Uhr hat am Freitagmorgen in der Eifel ein schweres Unwetter gewütet. „Mit Starkregen und extremen Gewittern quer durch den Eifelkreis Bitburg-Prüm“, heißt es aus der Polizeiinspektion Bitburg. Die Folge: überflutete Straßen, voll gelaufene Keller, Stromausfälle und entwurzelte Bäume. Besonders schlimm ist die Lage immer noch in Lünebach, wo die Prüm über die Ufer getreten ist. Unter anderem wurde das gesamte Gelände des dortigen Eifelzoos überschwemmt. Im Anschluss war der Verbleib mehrerer Raubtiere unklar. Zoochefin Isabelle Wallpott konnte zunächs keine genauen Angaben machen. Jörg Schon von der Polizei Prüm bestätigte gegenüber dem Volksfreund, dass ein freilaufender Bär von einem Jäger erlegt worden sei. „Der Zoo“, sagte der Oberkommissar, „ist im Moment unser großer Einsatz“. Die Bürger waren aufgerufen, sich von dem Gelände fern zu halten, da niemand wisse, wo genau sich die wilden Tiere aufhalten. Nach Angaben der Kreisverwaltung in Bitburg wurde nach zwei Löwen, zwei Tigern und einem Jaguar gesucht. Beim Einsatz einer Drohne über dem Gebiet wurden die Tiere entdeckt. Sie befinden sich auf dem Gelände des Zoos.

Offenbar sind in einigen Orten auch Leute in ihren Häusern eingeschlossen und müssen gerettet werden. Feuerwehren und Mitarbeiter der Straßenmeistereien seien mit Hochdruck dabei, den Menschen zu helfen und die Schäden zu beseitigen , so die Polizei.

Die A 60 zwischen den Anschlussstellen Prüm und Bleialf ist überflutet und teilweise gesperrt. (fpl/cb)

Bitburg-Erdorf/Kyllburg: Wegen des starken Regens hat sich in der Nacht eine Schlammlawine auf die Bahngleise zwischen Kyllburg und Bitburg-Ehrang ergossen. Ein Zug entgleiste. Verletzt wurde niemand. Der Personenzug war aus Gerolstein Richtung Trier auf der Eifelstrecke unterwegs. Zwischen Kyllburg und Bitburg-Erdorf, am Ausgang des Wilsecker Tunnels, sprang der Zug um 5.17 Uhr mit einer Achse aus den Gleisen. Grund war Schlamm, der vom Starkregen auf das Gleisbett geschwemmt worden war, wie die Bahn auf Nachfrage von volksfreund.de mitteilt. In dem Zug befanden sich keine Passagiere. Der Triebfahrzeugführer blieb unverletzt.

Der Streckenabschnitt zwischen Kyllburg und Erdorf ist weiterhin gesperrt. Die Bahn setzt zwischen den beiden Haltestellen Busse ein, um die Passagiere zu befördern. Wie lange die Strecke gesperrt bleibe, stehe noch nicht fest. Die Räumarbeiten laufen noch. Anschließend müsse ein Kran den Zug wieder zurück auf die Schienen heben. Das anhaltend schlechte Wetter und der durch den Regen aufgeweichte Boden würden diese Arbeiten erschweren und verzögern, erklärt Bahnsprecher Torsten Bischof. (woc)

Verbandsgemeinde Südeifel: In der Verbandsgemeinde Südeifel mit ihren mehr als 60 Gemeinden sind zahlreiche Orte von dem Unwetter betroffen. Es wurden neun Einsatzabschnitte gebildet. 60 hilfesuchenden Bürger haben sich bei der Feuerwehr gemeldet. Nach Angaben der Einsatzleitung waren beziehungsweise sind 43 Gebäude von Wasserschäden und zehn Orte von Stromausfällen betroffen. 19 Feuerwehren und das DRK sind im Einsatz. (cb)

Landkreis-Trier-Saarburg: Am heftigsten getroffen hat es im Landkreis Trier-Saarburg die Verbandsgemeinde Konz: Bis zu 65 Liter Regen pro Stunde und Quadratmeter führten zu Überschwemmungen. Vor allem in Tawern und in Konz-Könen mussten die Hilfskräfte etliche Keller leerpumpen und Straßen freiräumen. Vom Zeltplatz in Könen an der Saar evakuierte die Feuerwehr zehn Camper, verletzt wurde niemand. In Konz ist offenbar ein Blitz in ein Haus eingeschlagen und hat die Elektrik lahmgelegt.

Bei Köllig hat der Regen einen kleineren Hangrutsch ausgelöst. Zurzeit prüfen und sichert die Feuerwehr den Uferbereich der Sauer, deren Pegel steigt.

Im Gewerbegebiet Konzerbrück steht eine Autowerksatt unter Wasser.

In Könen hat der Regen eine Schreinerei überschwemmt.

Die alte B51 zwischen Ortsausgang Könen und der K 112 (Abfahrt nach Tawern) ist mittlerweile für den Straßenverkehr gesperrt worden. Die Fahrbahn wurde durch den Starkregen teilweise mit Schlamm oder Wasser überschwemmt und die Bepflanzung wurde in einigen Fällen unterspült, wie Michael Naunheim, Pressesprecher der Verbandsgemeinde Konz, mitteilt. Die Fahrbahn könne aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahren werden. Wie lange die Aufräumarbeiten – und damit de Sperrung – dauern, sei noch unklar.

Rund 50 Einsätze hat es in Zemmer gegeben. Keller sind vollgelaufen, Abläufe waren verstopft oder Straßen überflutet. Ein ähnliches Bild in den Ralinger Ortsteilen Edingen und Godendorf. Von dort meldet Jürgen Cordie, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Trier-Land, 20 Einsätze. auch dort gibt es Probleme mit Wasser in Gebäuden und auch dort sind es vor allem die Bäche, die in kurzer Zeit stark angeschwollen sind.

Um die vielen Einsätze zu koordinieren, hat der Landkreis Trier-Saarburg seine technische Einsatzleitung im Gerätehaus der Feuerwehr Konz eingerichtet. Feuerwehrinspektor Christoph Winckler hat die Einsatzleitung übernommen und die Alarmstufe 4 ausgerufen. Auch Landrat Günther Schartz ist vor Ort.

In Konz-Könen und in Tawern habe das Wasser in der Nacht teilweise kniehoch in den Straßen gestanden. „Zurzeit haben wir etwa 300 Hilfskräfte im Einsatz von Feuerwehren, technischem Hilfswerk und den Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises“, sagt Daniel Luy, Pressesprecher der Verbandsgemeinde Ruwer, der in der Nacht die Pressearbeit für die technische Einsatzleitung des Landkreises übernommen hat. 2000 Sandsäcke sind bereits im Einsatz, 2000 weitere werden als Reserve gefüllt.

Dass im Rahmen des Unwetters Menschen verletzt wurden, ist nicht bekannt.

Das Unwetter mit Starkregen zog in der Nacht vom Saarland kommend über die Verbandsgemeinden Konz, Saarburg, Schweich und Trier-Land sowie über die Stadt Trier. Überall habe es Feuerwehreinsätze wegen überschwemmter Straßen und vollgelaufener Keller gegeben. Im gesamten Landkreis habe es rund 150 Feuerwehreinsätze gegeben, 100 davon alleine in der Verbandsgemeinde Konz.

In Saarburg steht der gesamte Bahnhof etwa einen Meter hoch unter Wasser, teilt Pressesprecher Daniel Luy mit.

Ausführlicher Bericht: Voll gelaufene Keller, überflutete Straßen und evakuierte Camper

Trier.Gegen 4 Uhr musste am Pacelliufer die Fahrspur Richtung Konz gesperrt werden, weil sie vom Regen überflutet war. In der Stadt habe es sonst nur drei bis vier weitere, kleinere Einsätze gegeben, etwa wegen verstopfter Kanäle, die freigeräumt werden mussten, teilt die Trierer Feuerwehr mit. (woc)

Mittelmosel: Auch an der Mittelmosel hat es in der Nacht zu Freitag ausgiebig und teils sehr stark geregnet. Dazu machte sich ein Gewitter breit. Im Bereich Zeltingen-Rachtig waren einige Straßen nach Angaben der Polizei mit Schlamm bedeckt. Mitarbeiter der Straßenmeisterei waren im Dauereinsatz. Auch mehrere Keller liefen voll – unter anderem in Rachtig und in Kommen. Hier waren die Feuerwehren gefordert. Nach Angaben der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues stand das Telefon in der Nacht nicht still. (cb)

Wittlich: Rund um Wittlich sind bei dem Unwetter in der Nacht mehrere Bäume umgefallen: auf der K 36 zwischen Hetzerath und Naurath, auf der L 50 zwischen Arenrath und Bruch und bei Landscheid-Burg. Die B 49 zwischen Bausendorf und Kinderbeuern war nach Angaben der Polizei kurzzeitig wegen Überflutung gesperrt. Die Straßenmeistereien waren an allen Brennpunkten im Einsatz. Nach Angaben der Feuerwehr sind in Dorf und Neuerburg auch Keller voll gelaufen. (cb)

Vulkaneifelkreis: In der Nacht auf Freitag ist der Kreis Vulkaneifel im Gegensatz zum Nachbarkreis Bitburg-Prüm glimpflich davon gekommen. Aber am Vormittag setzte starker Regen ein, was dazu führte, dass die Lieser und Nebenflüsse wie den Sarmersbach binnen kurzer Zeit wieder über die Ufer traten. Betroffen von den Überschwemmungen war erneut die Gemeinde Nerdlen. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk kämpften mit Pumpen und Sandsäcken dagegen. (sts)

Nürburgring: Auch über dem Nürburgring gab’s in der Nacht ein schweres Gewitter mit Starkregen. Dort startet am heutigen Freitag das dreitägige Musikfestival Rock am Ring. Viele Camper sind allerdings bereits am Donnerstag angereist. Die Veranstalter warnten in der Nacht über ihre Facebook-Seite vor dem aufziehenden Unwetter. Später wurden die Festivalbesucher per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, ihre Zelte möglichst zu verlassen und während des Gewitters in ihren Autos auszuharren. Über Verletzte ist bislang nichts bekannt.

Bereits 2015 und 2016 hatten schwere Gewitter das Festival getroffen. 2015 wurden in einer Sturmnacht acht Mitarbeiter und mehr als 20 Fans durch Blitzeinschläge verletzt. 2016 kam es noch schlimmer: Mehr als 80 Menschen mussten nach Blitzeinschlägen ärztlich behandelt werden. (woc)