1. Blaulicht

Maximilian von Kunow aus Oberemmel und Nik Peter Weis aus Leiwen stellen zusammen mit drei Rabbinern koscheren Wein her

Maximilian von Kunow aus Oberemmel und Nik Peter Weis aus Leiwen stellen zusammen mit drei Rabbinern koscheren Wein her

Der erste koschere Wein im Verband deutscher Prädikatsweingüter wird in den Gütern von Hövel in Konz-Oberemmel und St.-Urbanshof in Leiwen produziert. Rabbiner bereiten ihn nach Anleitung der Winzer zu. Reben des Friedens nennt sich das Projekt.

Konz-Oberemmel/Leiwen. Drei Rabbiner aus Luxemburg und Frankreich sind derzeit auf dem Weingut von Hövel in Oberemmel zu Gast. Die bärtigen Männer keltern - wie in den Tagen zuvor auf dem St.-Urbanshof in Leiwen - nach Anleitung der Hausherren koscheren Wein.
Koscher (siehe Extra) wird der Wein dadurch, dass allein die jüdischen Gelehrten ihn nach den jüdischen Regeln zubereiten, niemand sonst darf dabei sein. Sie reinigen die Geräte zunächst speziell, versiegeln die Tanks anschließend und sprechen ein Gebet. Bei der Produktion dürfen zudem nur ausgesuchte Zusatzstoffe verwendet werden.
Reben des Friedens (auf hebräisch: Geffen ha shalom) nennt sich das Projekt der beiden Winzer Maximilian von Kunow und Nik Peter Weis. Beiden ist die jüdische Kultur wichtig, und sie wollen die deutsch-israelische Freundschaft stärken. Von Kunow sagt: "Derzeit wird viel über Konflikte gesprochen, aber es ist wichtig, auch das Positive zu sehen und Partnerschaften zu leben." Der Oberemmeler erinnert daran, dass es in Leiwen und Oberemmel bis zum Zweiten Weltkrieg jüdische Gemeinden gab und jüdisches Leben zum Alltag gehörte. So soll es wieder sein. Nik Weis meint: "Mich haben jüdische Freunde ermuntert, koscheren Wein zu machen. Ich interessiere mich aber auch sehr für die jüdische Kultur."
Doch gibt es eben auch einen Markt für koscheren Wein. Von Kunow: "Viele unserer Weinhändler sind jüdisch und halten viel von den Weinen von Saar und Mosel." Immer mehr Leute hätten nach koscherem Riesling gefragt. Nik Weis verweist auf die vielen jüdischen Gemeinden in Amerika, wo auch er Geschäfte macht. Er ist sich sicher: Bislang gibt es noch kein VDP-Weingut, das koscher produziert.
Mit angestoßen haben das Projekt Benz Botmann, ehemaliger Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde in Trier, und Mark Indig, Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft in Trier. Der Kontakt mit den Winzern kam über die Twin Wineries zustande, eine Initiative von Winzern und Weinliebhabern zur Förderung des Deutsch-Israelischen Dialogs.
Die Nachfrage nach koscherem Wein steigt, sagt Rabbiner Mendel Edelman aus Luxemburg. Er ist selbst Önologe und mit seinen Kollegen viel in Frankreich unterwegs, um koscheren Wein zu produzieren. "Wenn ein Winzer mich darum bittet, dann komme ich. Allerdings würde ich mir wünschen, wir wären mehr Rabbiner, die dies tun können."Extra

Das hebräische Wort koscher bedeutet geeignet. Als koscher bezeichnet man Lebensmittel, die nach den jüdischen Speisegesetzen, erlaubt/geeignet sind. Beispielsweise können laut diesen Gesetzen von den Säugetieren nur Paarhufer und Wiederkäuer, also Kühe, Ziegen und Schafe, gegessen werden. Schweine, Pferde, Kamele, Hasen sind verboten. Mehr zu jüdischen Traditionen im Internet unter www.de.chabad.org/ mai