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Mit Herzblut, Charme und ohne Parteibuch: CDU-Basis wählt parteilose Hiltrud Zock zur Kandidatin für Oberbürgermeisterwahl

Mit Herzblut, Charme und ohne Parteibuch: CDU-Basis wählt parteilose Hiltrud Zock zur Kandidatin für Oberbürgermeisterwahl

Knapp 92 Prozent der Stimmen hat die Trierer Unternehmerin Hiltrud Zock beim CDU-Kreisparteitag am Freitagabend geholt. „Ja, ich kann Verwaltung“, hatte sie zuvor mit Charme und Herzblut in einer halbstündigen Rede für sich geworben.

Aufgeregt "wie Hund” sei sie. Und tatsächlich wirkt Hiltrud Zock bei den Grußworten der Parteivorderen zum Beginn des Kreisparteitags der CDU etwas angespannt auf ihrem Sitzplatz in der ersten Reihe, neben ihrem Mann Ulrich. Eine geeignete Kandidatin für die Trierer Oberbürgermeisterwahl zu finden, sei nicht leicht gewesen, stellt der Parteivorsitzende Bernhard Kaster die Parteilose vor. "Wir haben uns die Frage gestellt: Wollen wir mit, aus und für die CDU einen Vorschlag machen, mit dem wir uns zu 150 Prozent so richtig wohlfühlen, oder wollen wir allen Trierer Bürgern ein Angebot machen, mit einer Persönlichkeit, die für unsere Werte steht und die Chance hat, 50 Prozent plus X der Stimmen zu erhalten. Wir haben uns für die zweite Alternative entschieden - denn es geht um die Stadt, nicht in erste Linie um die Partei", sagt Kaster.

Als Zock dann am Rednerpult steht, ist von der Anspannung nichts mehr zu spüren: Die 51-Jährige strahlt, mit dem ihr eigenen überbordenden Charme und viel Leidenschaft empfiehlt sich die Parteilose den Christdemokraten als Kandidatin für die Trie?rer Oberbürgermeisterwahl. Ihr Hauptthema dabei: Menschen für Projekte begeistern. "Viele fragen mich: Warum willst du Oberbürgermeisterin werden, das ist doch bloß Mangelverwaltung? Aber das stimmt nicht, auch ohne Geld kann man Dinge umsetzen, indem man andere begeistert für gemeinsame Ziele." Als Beleg führt Zock etliche Beispiele an aus der professionellen Arbeit ihrer PR-Agentur - etwa die Organisation der zurückliegenden Elefanten-Parade - und aus ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Stadt, etwa in der Kulturstiftung.

"Viele fragen mich auch: Kannst du überhaupt Verwaltung?", sagt die Unternehmerin, durchaus selbstkritisch. Und führt wieder ein Beispiel aus ihrer PR-Karriere an: "2004 kam der damalige Oberbürgermeister Helmut Schröer zu mir und sagte: ,Frau Zock, die Stadt wird 2020 Jahre alt, ich will feiern, aber ich habe kein Geld'." Sie habe sich der Aufgabe angenommen und ein Tanzfest auf der Römerbrücke geplant. "Herr Schröer hat mich dann auf acht Ämter, die beteiligt werden mussten, losgelassen. Es gab viele Bedenken, dass wir es nicht schaffen würden, aber als die Begeisterung geweckt war, haben alle mit Leidenschaft an einem Strang gezogen, und wir haben es geschafft!" Genauso wolle sie die Arbeit auch in der Trierer Stadtverwaltung angehen: "Dort arbeiten sehr viele, sehr, sehr kompetente Leute. Ich will es schaffen, ihnen die richtigen Gestaltungsräume zu geben, so dass sie ihr Bestes für diese Stadt freisetzen können!"

Bei den politischen Themen - kommunale Finanzen, Verkehrsinfrastruktur und Wirtschaftspolitik - sind Zocks Ausführungen knapper: Die Stadt müsse investorenfreundlicher werden, der Bahnhof dürfe nicht vom IC-Streckennetz abgekoppelt werden, und die Möglichkeiten für Existenzgründer müssten verbessert werden. "Ich will mit Herzblut für ein liebenswertes, lebenswertes Trier für alle Generationen antreten - dafür will ich kämpfen", schließt Hiltrud Zock ihre rund halbstündige Rede.

Die Basis hat sie damit erreicht: Die 123 CDUler klatschen nicht nur minutenlang rhythmisch, sondern erheben sich auch geschlossen von ihren Sitzen. Nachfragen gibt es nicht, Ex-CDU-Oberbürgermeister Helmut Schröer hält eine kurze, euphorische Empfehlungsrede.
Die Basis folgt: 113 der 123 Stimmberechtigten votieren für Zock, nur fünf stimmen mit Nein, fünf weitere enthalten sich.
Gestärkt durch dieses 92-Prozent-Votum der CDU kann die Trierer Unternehmerin nun auch offiziell in den Wahlkampf ziehen.
Bei der anschließenden Neuwahl des Kreisvorstandes wurde Bernhard Kaster mit gut 90 Prozent der Stimmen wiedergewählt.