Mutmaßliche Polizeigewalt Prüm - Zeugin belastet Polizisten schwer

Kostenpflichtiger Inhalt: Ermittlungen laufen : Gewalt bei Festnahme in Prüm: Zeugin belastet Polizisten schwer

Was mit einer Routine-Grenzkontrolle beginnt, endet mit einem Auffahrunfall und Ermittlungen wegen Polizeigewalt. Eine Anwohnerin schildert die aus ihrer Sicht „schockierenden“ Szenen.

Kontrollen wie in der Nacht von Sonntag auf Montag sind auf der Autobahn bei Prüm Alltag. Die A 60 ist eine der Haupt-Einfallsrouten von Holland über Belgien nach Deutschland. Somit gehören Schmuggler, die aus den Niederlanden dort legal erhältliches Cannabis über diese Strecke nach Deutschland bringen, zum Alltag. Zu Drogenfunden an der Grenze kommt es immer wieder. Insofern war der Einsatz, der nach Mitternacht im Zentrum von Prüm mit einem Unfall und einem mutmaßlichen Fall von Polizeigewalt endete, zunächst ein Routineeinsatz.

Doch dann eskaliert die Sache. Die Polizei verfolgt einen BMW mit drei jungen Franzosen, die geringe Mengen Betäubungsmittel bei sich haben, quer durch die Eifel. Sie waren vor der Kontrolle geflüchtet. In Prüm kommt es zum Zusammenstoß, bei dem zwei Polizisten leicht verletzt werden, und zur Festnahme.

Eine Frau, die von sich behauptet, die Aktion am Hahnplatz, dem zentralen Platz der Eifelstadt, beobachtet zu haben, schildert ihre Eindrücke: „Ich bin durch die Sirenen wach geworden. Dann habe ich gesehen, wie zwei Polizisten den Fahrer aus dem Auto gezogen und zusammengeschlagen haben.“  Die Bundespolizisten hätten auf ihn eingeprügelt, obwohl dieser vor Schmerzen geschrien habe. „Später ist ein Polizist weggegangen, und dann hat der mit der gelben Weste einfach weiter getreten und geschlagen.“ Ein anderer Polizist habe dabei zugesehen.

Mutmaßlicher Fall von Polizeigewalt in Prüm

Waffen hätten die Polizisten nicht genutzt. Die anderen beiden Festgenommenen hätten die Beamten auf dem Boden liegen gelassen. „Als die Prümer Polizei kam, haben sie aufgehört zu schlagen“, sagt die mutmaßliche Augenzeugin. Irgendwann sei ein Krankenwagen gekommen wegen des verletzten Fahrers. „Der konnte nicht mehr aufstehen“, sagt die Frau. Auf die Frage hin, was sie fühle, erklärt die Frau: „Ich bin schockiert. Ich dachte, so etwas gibt es nur in Amerika, aber nicht in Deutschland.“ Die Schreie von dem Mann höre sie immer noch.

Der Fall, den die mutmaßliche Augenzeugin beschreibt, ist Gegenstand von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Trier. Diese ist wegen eines Videos eines anonymen Augenzeugen darauf aufmerksam geworden. Auf die Frage, ob er das Video für authentisch halte, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt in Trier, Peter Fritzen: „Es gibt keine anderen Erkenntnisse bisher.“ Der Film reiche für einen Anfangsverdacht und ziehe somit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach sich. Dazu sei sie verpflichtet. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Mittwoch gegen einen Bundespolizisten wegen Körperverletzung im Amt.

Laut Fritzen erlitt der Festgenommene Prellungen und eine Platzwunde am Kopf. Er sei im Krankenhaus untersucht und später wieder entlassen worden. 2Ob und in welchem Umfang die Verletzungen auf die Schläge und Tritte des Beamten zurückzuführen sind, ist allerdings noch Gegenstand der Ermittlungen“, sagt Fritzen.

Zunächst werde das Video kriminaltechnisch aufbereitet, damit mehr Details zu sehen seien, erklärt er. Eine von der Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung erwähnte „Widerstandsleistung“ des Fahrers ist  in dem Video zum Beispiel auf den ersten Blick nicht zu sehen. Neben der kriminaltechnischen Auswertung des Videos suchen die Ermittler auch Zeugen, welche die Vorgänge am Hahnplatz beschreiben können. Und letztlich müssen die beteiligten Bundespolizisten noch vernommen werden. Am Mittwoch war dazu laut Fritzen noch keine Zeit. Die Bundespolizei, die Dienstherrin des Beamten, gegen den ermittelt wird, äußert sich auf TV-Anfrage nicht zur Sache. Christian Altenhofen, Pressesprecher bei der Bundespolizeidirektion in Koblenz, verweist auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft. Die Bundespolizei habe das Video umgehend an diese weitergeleitet. Der Beamte, gegen den ermittelt wird, bleibt laut Altenhofen im Dienst – zumindest vorerst. Das liegt an einer Regel, die immer greift, wenn Beamte einer Straftat bezichtigt werden: „Das Disziplinarverfahren folgt dem Strafverfahren“, sagt Altenhofen. „Es bedarf einer genauen Prüfung.“ Erst wenn sich der Anfangsverdacht in solchen Fällen erhärte, kämen disziplinarische Schritte wie eine vorläufige Suspendierung infrage.

Die Meinungen der Menschen, die das Video von der Festnahme betrachtet haben, sind sehr differenziert. Ein Rechtsanwalt sagt zum Beispiel im Gespräch mit dem TV: „Das ist schockierend.“ Es erinnere ihn an Szenen von Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern in den USA.

Auf Facebook gehen die Stimmen ebenfalls weit auseinander. Einige verurteilten schnell den Polizisten, andere zweifeln an der Echtheit des Videos, und dritte äußern Verständnis für den Beamten. Ein Nutzer verweist zum Beispiel auf den Adrenalinschub nach einer Verfolgungsjagd und den körperlich-geistigen Ausnahmezustand: „Dass der Polizist sicherlich überreagiert hat, ist unumstritten! Warum es dazu kam, das wissen wir hier nicht!“

Auf dem Prümer Hahnplatz endete am Sonntag die Verfolgungsjagd. Foto: TV/Frank Auffenberg

Eine andere Nutzerin schreibt: „Wer Straftaten verfolgt, darf selber keine begehen und hierbei handelt es sich ganz klar um Polizeigewalt.“ Eine weitere Frau meint: „Wenn man sich das Video häufiger anschaut, zweifelt man daran, dass es wirklich Polizisten sind.“

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