| 17:50 Uhr

Unwetter
Nach der Katastrophe: Wie die Menschen mit der Ausnahmesituation umgehen (Fotos)

FOTO: TV / Rudolf HOESER
Dudeldorf/Kyllburg. Anpacken und Absichern des absturzgefährdeten Hangs in Kyllburg. Aufatmen und aufräumen im Eifeldorf Dudeldorf. Oder doch nicht? Die Menschen vor Ort spiegeln derzeit ganz unterschiedliche Gefühle wider. Von Florian Blaes, Mandy Radics und Rudolf Höser

Eine Bewohnerin der Ordorferstraße in Dudeldorf, die schwer vom Unwetter betroffen ist, beschreibt es so:

Unwetterschäden: Dudeldorf am Tag danach FOTO: TV / Florian Blaes

„Am Samstag überquerte uns eine Flutwelle mit voller Macht und vernichtete alles, was sich ihr in den Weg stellte. Unsere Autos sind nur noch Schrott wert. Das Erdgeschoss gleicht einem Pool aus Schlamm und brauner Brühe. Alle Möbel konnten wir rausschmeißen, die Zimmer sind leer. Kaum hatten wir am Sonntag die Aufräumarbeiten abgeschlossen, kam auch schon die nächste Hiobsbotschaft am Montag: Der Bach wird wieder überlaufen! Aber wir wollen kein Wasser mehr im Haus. Also wenigstens ein Eindringen des Wassers mit Sandsäcken verhindern. Und dann kam er auch schon, der Bach, die Sturzflut. Stundenlang liefen die Wassermassen an unserem Haus vorbei. Keine Zeit, die schon kaputten Autos höher zu bringen. Wieder wurden sie von den Fluten verschoben. Der Bürgersteig ist als solcher nicht mehr zu erkennen. Tiefe Krater vor der Haustüre. Um 23 Uhr gingen wir ins Bett, erschöpft! Das Wasser floss immer noch am Haus vorbei. Um 4 Uhr ein Blick nach draußen, es war trocken, kein Wasser mehr, Gott sei Dank.

Am frühen Dienstagmorgen begannen dann wieder die Aufräumarbeiten. Mit Wasserschläuchen wurde die braune Masse weggespült, das Haus leer gepumpt. Die Nerven seien laut der Bewohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, am Ende. Der Bach liege zwar wieder in seinem Bett, doch nur ein starker Regenschauer, und es gehe wieder von vorne los. „Es muss unbedingt jetzt was geschehen!! Wir sind am Ende“, sagt die Frau aus Dudeldorf.

Gleiche Problematik, anderer Ort: Kyllburg

Sein Haus steht nur ein Dutzend Meter von der Abbruchkante entfernt, die der reißende Korlesbach am Samstagabend in Kyllburg hinterlassen hat. Dahinter geht es steil bergab ins Tal. Der 84-jährige Erich Steffens bleibt dennoch gelassen.

„Was sollen wir machen. Wir verlassen uns auf das, was die Fachleute sagen“, meint Steffens in ruhigem Tonfall. Nachts in ein Kyllburger Hotel ausquartiert, kann er tagsüber mit seiner Frau Marlies in das Haus zurück. Das ist nicht unmittelbar gefährdet, so richtig wohl fühlen sich die beiden Senioren aber dann doch nicht.

Es wird länger dauern, bis hier wieder normaler Alltag einkehrt. Wenn, wie geplant, tausende Tonnen Lava und Gestein in das Loch verfüllt werden, bedeutet das auch, dass wochenlang zahlreiche Laster das Material anliefern. „Ein Bagger mit einem langen Ausleger wird die Steinmassen in den Abgrund einbringen. Mit den schweren Geräten müssen wir aus sicherer Entfernung agieren“, beschreibt Josef Hilden von der Verbandsgemeinde Bitburger Land das Vorgehen. Mit der Maßnahme soll das absturzgefährdete Kanalbauwerk gesichert werden.

VG-Bürgermeister Josef Junk ist auch an diesem Vormittag wieder vor Ort in Kyllburg. „Wir bleiben dabei, was die Fachleute vom Landesamt für Geologie am Sonntag und die Wasserspezialisten der SGD Nord gestern empfohlen haben. Das Loch wird aufgefüllt. Und wir versuchen, das Bauwerk zu stabilisieren. Das sind erste Notfallmaßnahmen. Danach müssen wir mit fachlicher Unterstützung und finanzieller Hilfe eine Lösung erreichen, die dauerhaft trägt“, so Junk. Ein Anwohner hatten ihn auf das Verfahren angesprochen, dass er für nicht zielführend hält.

Arbeiten nach Hangsturz in Kyllburg FOTO: TV / Rudolf HOESER

Der Bürgermeister hat sich neben der Problematik in Kyllburg auch um viele andere Betroffene zu kümmern. „Ich habe gestern schlimme Eindrücke bekommen. Für diese Menschen ist das äußert deprimierend, insbesondere für diejenigen, die in wenigen Tagen mehrfach betroffen sind“, so Junk. Die Verbandsgemeinde sei nahezu flächendeckend beeinträchtigt.

Junk lobt die Einsatzkräfte für ihren unermüdlichen Einsatz und stellt sich auch hinter die Mitarbeiter seiner Verwaltung: „Die leisten derzeit enorm viel, besten Dank dafür.“ Gleichzeitig wehrt er sich gegen Kritik, er habe im Zusammenhang mit der Problematik Stausee falsch gehandelt. „Wir werden die Anlieger aufklären, wie das Regelwerk des Stausees funktioniert. Mit der Maßnahme, das Wasser kontrolliert abzulassen, haben wir einen größeren Schaden verhindert“, sagt Junk.