1. Blaulicht

Polizei-Kontrollen: Illegales Auto-Tuning in Trier bei 170 Fahrzeugen

Keine Chance für Poser : 170 Verstöße bei Auto-Tuning-Kontrollen - Polizei Trier ertappt illegale Schrauber

Die Polizeiinspektion hat bei Kontrollen in der Tuner- und Poser-Szene 170 illegale Schrauber erwischt. Jüngst führten solche Veränderungen bei acht Autos zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Wie die Polizei der Szene begegnet und was sie künftig plant:

Mit dem nahenden Frühling nimmt die Polizei nach eigener Aussage auch in der regionalen Tuning-Szene eine größere Aktivität wahr, insbesondere an den einschlägigen Szenetreffpunkten. So stellten Einsatzkräfte der Polizeiinspektion (PI) Schweich bei Verkehrskontrollen am Osterwochenende bereits zwei Autos aufgrund unzulässiger Veränderungen an Motorsteuerung sowie Abgasanlage sicher.

Kontrollen mit neuem Einsatzkonzept

Polizeibeamtinnen und -beamte der PI Trier stellten im täglichen Dienst schon 2020 einen größeren Szenezulauf fest. Ebenso stieg die Anzahl der hiermit verbundenen Beschwerden von Bürgern, so dass die Polizei Handlungsbedarf bei den Themen Tuning und Posing erkannt habe. Mitte des vergangenen Jahres entwickelten die Kontrollkräfte der PI Trier eine neue, themenspezifische Einsatzkonzeption und begannen mit der Umsetzung.

Nach mehreren zielgerichteten Kontrollen ziehen die Beamtinnen und Beamten ein aus ihrer Sicht erfolgreiches Zwischenfazit. Über 170 Beanstandungen bei Kontrollen sogenannter Autoposer und -tuner seien im vergangenen Jahr festgestellt worden: „Hierbei zeigte sich die Mehrzahl der betroffenen Fahrzeugführer einsichtig, nur einige Unbelehrbare fielen aufgrund illegaler Veränderungen an ihren Fahrzeugen wiederholt auf.“

Besonders erfreut ist die Polizei über positive Rückmeldungen von Bürgern, die einen merklichen Rückgang von Lärmbelästigungen und überlauten sowie unnötigen Fahrzeugbewegungen als unmittelbare Folge der polizeilichen Intervention attestiert hätten. So hätten sich viele betroffene Bürger persönlich bei der Polizeiinspektion gemeldet oder sich anerkennend auf sozialen Netzwerken zu den Maßnahmen geäußert.

Jüngste Beanstandungen

Zuletzt stellten Beamte am Freitagabend, 9. April, bei Kontrollen an verschiedenen Orten im Stadtgebiet eine Vielzahl von Verstößen fest. So kontrollierten die Polizistinnen und Polizisten im Zeitraum von 16 bis 24 Uhr insgesamt 15 Menschen und 37 Fahrzeuge. Bei acht Fahrzeugen führten diverse Veränderungen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Sowohl gegen die Fahrer als auch gegen die Halter wurden entsprechende Bußgeldverfahren eingeleitet. Im Rahmen zweier Kontrollen wurden aufgrund kleinerer Mängel entsprechende Mängelberichte ausgestellt.

Ein Fahrzeughalter fiel bereits im Juni vergangenen Jahres im Rahmen einer Kontrolle auf, in dessen Folge die Betriebserlaubnis des Autos erlosch. Zwischenzeitlich sei der Wagen vermutlich entsprechend umgerüstet worden, um die Betriebserlaubnis wiederzuerlangen. Bei der neuerlichen Kontrolle seien die damals bemängelten Umbauten allerdings erneut festgestellt worden.

Zudem konnten die Einsatzkräfte insgesamt sieben Fahrer feststellen, die während der Fahrt verbotswidrig ihr Mobiltelefon benutzten. Ebenso war ein Fahrer nicht angegurtet, zwei weitere Fahrzeugführer missachteten das Rotlicht einer Lichtzeichenanlage.

Des Weiteren führte die Polizei diverse Bürgergespräche und wies sechs kleinere Gruppen auf die Einhaltung der derzeit geltenden Corona-Verordnung hin.

Differenzierung beim Umgang mit der Szene

Im Fokus der schwerpunktmäßigen Kontrollen stehen nach Angaben der Poliei insbesondere hoch motorisierte sowie optisch und technisch veränderte Fahrzeuge der Autoposer- und Tunerszene.

Bei Tunern handelt es sich laut Definition der Polizei um Fahrzeugbesitzer, die ihre Autos unter technischen sowie optischen Aspekten verändern. Poser fielen mehr durch ihre teils riskanten Fahrmanöver auf. So würden diese häufig ihre Fahrzeuge durch übertriebenes Beschleunigen, Burnouts und Driften zur Schau stellen und ihre Kräfte im Rahmen illegaler Kraftfahrzeugrennen messen. Während Fahrzeuge im gesetzlich zulässigen Rahmen durchaus durch Tuning verändert werden dürfen, verbietet die Straßenverkehrsordnung solche übertriebenen und gefährlichen Fahrmanöver.

Nicht nur der Szene, sondern auch der Polizei ist eine Differenzierung nach eigenen Angaben wichtig: „Nicht bei jedem Tuner handelt es sich um einen Poser, nicht bei jedem Poser um einen Raser. Die PI Trier legt bei ihren Kontrollen besonders Wert darauf, nicht alle Fahrzeugliebhaber über einen Kamm zu scheren.“ Es gebe keine Vorverurteilung aufgrund eines auffälligen Fahrzeugs.

Das Hauptaugenmerk der Kontrollen liege auf der technischen Sicherheit und der hiermit verbundenen Verkehrssicherheit: „Das Ziel der Polizei ist es nicht, die Tuningszene zu kriminalisieren oder aus der Stadt zu verdrängen, sondern die Modifikationen innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen zu ermöglichen und zuzulassen.“

Informieren vor Sanktionieren

In Gesprächen mit den Fahrzeugbesitzern habe die Polizei festgestellt, dass diese ihre Fahrzeuge teilweise bereits modifiziert gekauft hätten oder sich über das Erlöschen der Betriebserlaubnis aufgrund der selbst vorgenommenen Veränderungen nicht im Klaren gewesen seien.

Die Polizei Trier appelliert an die Szenemitglieder, sich vor optischen und/oder technischen Veränderungen über deren Zulässigkeit und die rechtlichen Erfordernisse zu informieren, da sich Fahrverhalten und Verkehrssicherheit verändern können. Um unliebsame Überraschungen bei einer Kontrolle zu vermeiden, bieten die Kontrollkräfte aufklärende Gespräch vor der Umrüstung an oder empfehlen, Rat bei einer technischen Prüfstelle für den Verkehr zu suchen.

Die Polizei weist zudem auf die Kampagne „Tune it! Safe!" in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hin, deren Informations- und Aufklärungsangebot bereits viele Unklarheiten beseitigen kann. Infos dazu unter www.tune-it-safe.de

Weitere Kontrollen geplant

Auch für die kommenden Monate kündigt die PI Trier neben täglichen Kontrollen durch den regulären Streifendienst weitere schwerpunktmäßige und zielgerichtete Kontrollen an, um insbesondere gegen verkehrsgefährdendes Fahrverhalten vorzugehen. Die Folgen möglicher Verstöße können von teils erhöhten Bußgeldern und Strafverfahren bis hin zur Einziehung des Fahrzeugs und des Führerscheins reichen. Bei solchen Feststellungen arbeitet die Polizei eng mit den Zulassungsbehörden und Führerscheinstellen zusammen, um in Fällen wiederholter Verstöße effektive und nachhaltige Maßnahmen gegen die verantwortlichen Fahrer einleiten zu können.