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Schwere Überflutungen nach Starkregen in der Region Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Updates : Schwere Überflutungen in der Region Trier: Bilanz der Nacht zum Dienstag

Durch den enormen Dauerregen der Nacht zum Dienstag und der vergangenen Tage haben viele Bäche und Flüsse das Wasser nicht mehr aufnehmen können, und es kam zu schweren Überflutungen. Allein im Landkreis Trier-Saarburg und in der Stadt Trier waren mehr als 550 Einsatzkräfte beteiligt. Die Bahnstrecke Obermosel wurde gesperrt, die Ortsdurchfahrt Hetzerath und viele Straßen an der Mittelmosel wurden als unpassierbar gemeldet.

Die Feuerwehr Bernkastel-Kues meldet zahlreiche Anrufe bei der Rettungsleitstelle Trier wegen Hochwasser an der Mittelmosel. Der erste Einsatz-Schwerpunkt war Veldenz. Dann rückten die Einsatzkräfte in die Ortslage Neumagen-Dhron aus. Dort drohte die Drohn durch starken Anstieg des Baches zahlreiche Keller zu überfluten. Die Hochwasserschutzmauer in Lieser wurde erweitert.

Gegen 8.20 Uhr meldete die Feuerwehr Bernkastel-Kues: „Aktuell sind wir noch mit den Einsätzen beschäftigt. Es sind sehr viele Straßen gesperrt, da die Wassermengen auf die Straßen laufen. Die Mosel wird in den nächsten Stunden ihren Höchstpunkt Bereich Bernkastel erreichen.“

Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerwehren waren in Trier im Großeinsatz. Foto: Florian Blaes

Folgende Straßen sind ganz oder teilweise gesperrt: Nicolausufer Kues, Straße zwischen Lieser und Kesten, zwischen Kloster Machern und Ürzig, B 53 zwischen Kröv Schwimmbad und Kinheim sowie zwischen Kinheimer Brücke und Kloster Machern, Straße zwischen Graach und Zeltingen.

Hetzerath Am frühen Dienstagmorgen gegen 0 Uhr meldeten mehrere Verkehrsteilnehmer und Anwohner in Hetzerath (Kreis Bernkastel-Wittlich), dass die Durchfahrtsstraße in Hetzerath aufgrund starken Regens nicht mehr befahrbar sei. Grund hierfür war nach Auskunft der Feuerwehr, dass ein Bachlauf die Wassermassen nicht mehr abführen konnte, so dass diese in die Ortslage Hetzerath liefen und die Ortsdurchfahrtsstraße für den Verkehr gesperrt werden musste. Um 5.13 Uhr meldete die Polizei Wittlich, die Feuerwehr sei weiterhin mit der Reinigung der Fahrbahn beschäftigt. Eine Aktualisierung dieser Meldung erfolge, sobald die Straße wieder befahrbar sei.

In Trier-Zewen und anderen Orten wurden Parkplätze, Straßen, Keller und Wohnungen überflutet. Foto: Florian Blaes

In Trier und im Kreis Trier-Saarburg ging ab 22 Uhr an mehr und mehr Orten der Einsatz los. Allein in Trier ware mehr als 100 Einsatzkräfte beteiligt. Im Verlauf der Nacht wurde zur Koordinierung und Unterstützung der Leitstelle Trier und der Feuerwehreinsatzzentralen (FEZ) die technische Einsatzleitung (TEL) alarmiert. Diese baute ihren Stützpunkt am Feuerwehrgerätehaus in Konz auf.

Es gab drei Schwerpunkte während der Unwetter in Aach, Konz-Oberemmel und in der Stadt Trier. Darüber hinaus mussten in allen Verbandsgemeinden des Landkreises Trier-Saarburg viele Feuerwehren ausrücken, um Keller leer zu pumpen und überflutete Straßen zu sichern. Im Laufe des frühen Morgens ließ der Regen nach, und die Einsatzintensität wurde geringer.

Aach Den 1100-Einwohner-Ort in der Verbandsgemeinde (VG) Trier-Land hat es mitunter am schlimmsten betroffen. Hier war am späten Abend kein rein- und rauskommen mehr möglich. Der Aacherbach und der Klinkbach sind über ihre Ufer getreten und wie ein reißender Strom durch den Ort geflossen. Hierbei wurden viele Häuser, Keller und Garagen überschwemmt. Besonders betroffen waren die Trierer Straße, Brunnenstraße und Beßlicherstraße. Durch den großen Druck der Wassermassen wurden parkende Autos verschoben.

Die betroffenen Menschen brachten ihr Hab und Gut in Sicherheit, so gut es ging. Die Feuerwehr brachte im Eiltempo Hunderte Sandsäcke bei und befüllte diese. Dazu bezutzte sie auch den Sand des örtlichen Spielplatzes. Mit Brettern versuchte man Herr der Lage zu werden, doch das Wasser war stärker und bahnte sich seinen Weg durch die Ortslage.

Auch in Konz-Oberemmel richtete das Hochwasser nach dem Starkregen große Schäden an. Foto: Florian Blaes

In einem großen Kräfteaufgebot versuchten die Feuerwehren alles Mögliche, um die Wohnungen zu schützen. Im Akkord wurden Häuser und Keller leer gepumpt. Die Schäden sind groß, immerhin wurde niemand verletzt.

Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis waren in der Nacht zum Dienstag im Einsatz, unter anderem in Konz-Oberemmel. Foto: Florian Blaes

Trier Ähnliches Bild in Trier-Zewen. Dort ist der Zewener Bach über die Ufer getreten und hat die Kordelerstraße und Kirchenstraße überflutet. Auch in Zewen wurden zahlreiche Häuser mit Sandsäcken geschützt und Barrieren gebaut. Zeitgleich kam es in der Krahnenstraße zu einem enormen Wassereinbruch auf einem großen Parkplatz und in den umliegenden Häusern. Die Wassermassen konnten durch die Kanalisation nicht mehr aufgenommen werden und drückten sich so nach oben.

Binnen Sekunden stand ein Parkplatz mit vielen geparkten Autos Zentimeterhoch unter Wasser. Zudem lief das Wasser in die Keller vieler Häuser. Mit mehreren Pumpen und langen Leitungen wurde das Wasser über das Krahnenufer in die Mosel geleitet

und abgepumpt. Hierzu musste die Uferstraße für den Verkehr komplett gesperrt werden.

Während der Abpumparbeiten wurden die Autos aus dem Wasser nach und nach abgeschleppt. Mit Hilfe der Polizei konnten einige Fahrzeughalter ausfindig gemacht werden. Es dauerte Stunden, bis das gesamte Wasser abgepumpt war. Viele Löschzüge der Stadt Trier waren zeitgleich im gesamten Stadtgebiet mit Pumparbeiten an vollgelaufenen Kellern beschäftigt.

Um 8.19 Uhr am Dienstagmorgen hat die Stadt Trier eine Zusammenfassung der Ereignisse aus der Nacht an die Medien verschickt. Wir dokumentieren den Wortlaut der Mitteilung: „Der starke Regen am Montag hat im Verlauf der Nacht zum Dienstag für insgesamt 22 Einsätze der Trierer Feuerwehren im Stadtgebiet gesorgt. Die Wassermassen ließen einige Keller volllaufen. In Zewen und in Biewer drückten sich kleinere Bäche über die Ufer. Der größte Einsatz beschäftigte die Wehren mehrere Stunden in der Krahnenstraße. Auf dem dortigen Parkplatz am Ende der Straße direkt hinter dem Moseldamm stand das Wasser, das aus der Kanalisation hochdrückte. Mehrere Autos drohten ,wegzuschwimmen’. Zehn Autos mussten zur Sicherheit abgeschleppt werden. Um das Wasser direkt in die Mosel zurückzupumpen, verlegte die Feuerwehr Schlauchleitungen über die Moseluferstraße, die deshalb mehrere Stunden lang voll gesperrt werden musste. Gegen 5 Uhr - rechtzeitig vor Einsetzen des Berufsverkehrs konnte die Sperrung - aufgehoben werden. Im Einsatz waren insgesamt rund 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Löschzüge Zewen, Olewig, Kürenz, Euren, Stadtmitte und Biewer.“

Konz-Oberemmel Im Konzer Stadtteil Oberemmel kam es in der Nacht ebenfalls zu einem Großeinsatz der Feuerwehr, der bis morgens um 5.30 Uhr andauerte. Dort trat der „Oberste Weiher“ über die Ufer und überschwemmte das Weingut von Max von Kunow und ein angrenzendes Mehrfamilienhaus. Die Feuerwehr hat sieben im Gebäude vom Wasser eingeschlossene Bewohner durch ein Fenster gerettet. Die Wohnung der Familie Gogreve wurde komplett überschwemmt und am Folgetag ausgeräumt. Unerschütterlich optimistisch sagte Vater Moritz Gogreve: „Alles total egal, Hauptsache wird sind da lebend wieder rausgekommen!“

 Der Keller wurde ebenfalls überschwemmt. Besonderheit war hier, dass im Keller Öltanks mit einem Tankinhalt von 10 000 Litern gelagert sind. Trotz des schwierigen Einsatzes wurde nach Angaben der Rettungskräfte das Wasser nicht mit Öl kontaminiert. Der Gefahrstoffzug des Katastrophenschutzes Trier-Saarburg war dennoch vor Ort für den Fall einer Verschmutzung. Mit vielen Tauchpumpen wurde das Wasser aus den Räumen gepumpt. Winzer von Kunow war der Feuerwehr unendlich dankbar, dass sie seinen Wein gerettet hatte.

Die Bahnstrecke Obermosel (zwischen Trier und Perl) musste bis auf Weiteres gesperrt werden, da dass Gleisbett bei Temmels unterspült wurde. Die Feuerwehr informierte hier den Notfallmanager der Deutschen Bahn. Die Pegelstände der Bäche und Flüsse sind deutlich angestiegen. Es ist mit weiteren Überschwemmungen zu rechnen.

Außer in Oberemmel gab es auch Einsätze in Tawern, in Temmels und im Konzer Wohngebiet Berendsborn.

Saarburg/Konz Im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Saarburg sind zurzeit zwei Straßen wegen Hochwasser gesperrt: die K 133 (Wiltinger Kupp) zwischen Konz und Wiltingen sowie die K 129 zwischen Saarburg-Krutweiler und Kastel-Staadt. PI-Leiter Harald Lahr bittet die Autofahrer darum, sich an die Sperrungen zu halten. Es komme leider immer wieder dazu, dass sich die Menschen selbst in Gefahr brächten, weil sie die Schilder ignorierten. Die größten Unwetter- und Hochwasser-Einsätze im Bereich der PI Saarburg habe es in Konz-Oberemmel, wo ein Weiher übergelaufen ist, sowie in Saarburg am City-Parkplatz gegeben, wo die Saar übers Ufer getreten ist. Auch in Tawern sei die Polizei wegen des Unwetters im Einsatz gewesen.

Am Kimmlerhof vor Lampaden in der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell trat die Ruwer deutlich über die Ufer, erreichte jedoch nicht die Straße.

Hermeskeil Laut dem Wehrleiter der Verbandsgemeinde Hermeskeil, Daniel Bredel, gab es am Montagabend einen Einsatz im Hermeskeiler Gewerbegebiet Dörrenbach. Dort sei ein Kanaldurchlass verstopft gewesen. Die Feuerwehr habe Wasser abgepumpt, um zu verhindern, dass es in die Räume eines Supermarkts eindringt. Ansonsten seien die Wehren zwar in Bereitschaft gewesen, hätten aber nirgends eingreifen müssen.

Die Technischen Einsatzleitung des Brand- und Katastrophenschutzes im Landkreis Trier-Saarburg teilte um 4.40 Uhr unter anderem mit: „Betroffen von den Einsätzen sind die Verbandsgemeinden Konz, Saarburg-Kell, Trier-Land, Schweich und Hermeskeil. Diese arbeiten die Einsätze eigenständig ab. Der Katastrophenschutz des Landkreises unterstützt die Verbandsgemeinden und koordiniert das Einsatzaufkommen. Verschiedene Land- und Bundesstraßen wurden wegen Überschwemmungen gesperrt. Im Einsatz befanden sich etwa 440 Einsatzkräfte.“

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat im Vergleich zum Kreis-Trier-Saarburg in der Unwetter-Nacht Glück gehabt, sagte Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Larisch nach einer ersten Einschätzung. Es habe in der Nacht Einsätze in Bollendorf, Minden, Bettingen, Idesheim und Auw an der Kyll gegeben, weil Wasser in Keller gelaufen sei und Bäche und Rückhaltebecken die Wassermenge nicht geschafft hätten.

Der „Oberste Weiher“ in Konz-Oberemmel trat über die Ufer, so dass große Flächen und ein Mehrfamilienhaus überflutet wurden. Foto: Florian Blaes

Wegen des Hochwassers der Kyll habe die Feuerwehr in Auw rein vorsorglich Sandsäcke auf eine Mauer gestapelt, so Larisch. das Wasser sei aber nicht so stark gestiegen.