Trier: Vandalismus in Abtei St. Matthias

Blaulicht : Vandalismus hinter Trierer Klostermauern

Einbrecher steigen in die Abtei St. Matthias ein, randalieren in der Pfarrkirche und legen Brände. Ihre Beute: ein Sparschwein. Möglicherweise wüten die Täter aus Frust darüber, kein verwertbares Diebesgut zu finden.

Als Bruder Athanasius am frühen Mittwochmorgen gegen 5 Uhr die Kirche St. Matthias aufschließt, bietet sich ihm ein Bild der Verwüstung: Alle Kerzen — im Altarraum, die Osterkerze, am Grab des Heiligen Matthias, in der Sakristei — sind von ihren Haltern gerissen und liegen zerstückelt auf dem Kirchenboden. Die große Glasvase mit den weißen Rosen zu Ehren des Kirchenpatrons liegt zerbrochen neben der großen Sandsteinfigur. Auch die beiden Opferstöcke sind von ihren Plätzen gerissen. Das schwere Lesepult aus Eichenholz ist umgestürzt. Nahezu alles, was umgeworfen werden kann, liegt auf dem Boden.

Aus einer der sechs Nordmanntannen, die an diesem Tag in der Kirche aufgestellt und geschmückt werden sollen, steigt Brandgeruch: Die Nadeln sind mit Wachs verklebt, auch verkohlte Reste eines Textbuchs für den Gesang der Mönche liegen zwischen den verbrannten Ästen. Offenbar hat hier jemand alles dafür getan, den Baum in Brand zu setzen. Dass er nicht in Flammen aufgegangen ist, liegt wohl nur daran, dass der Weihnachtsbaum frisch geschlagen war und noch patschnass vom Regen.

Die Tanne ist allerdings nicht der einzige Brandherd, den die Vandalen in dem Gotteshaus gelegt haben. Auch zwei Stapel Gebetbücher, mehrere Sitzbankauflagen und die Pinnwände, an denen die Pfarrei ihre Termine bekanntgibt, sind verkokelt. „Wir haben sehr viel Glück gehabt, dass kein großes Feuer ausgebrochen ist“, sagt Bruder Matthias. Der Pater hat nahezu zeitlich mit Bruder Athanasius den Einbruch entdeckt. Denn mittwochs ist Bruder Matthias immer für das Frühstück der elf Patres zuständig. Als er gegen 4.45 Uhr das Refektorium – den Speisesaal der Abtei – betritt, ist ihm gleich klar, was passiert ist. „Alle Schubladen waren aufgerissen und durchwühlt, alle Behälter vorgezogen“, berichtet der Gottesmann. „Es war ein Schock.“

Über dieses Küchenfenster sind die Täter in ein Wirtschaftsgebäude der Abtei eingestiegen. Foto: Bruder Matthias Vogt

In der Küche der Abtei bereitet Küchenchefin Tanja Krohn am Mittwochvormittag das Mittagessen für die Gemeinschaft vor. Maultaschen in Gemüsezwiebelbutter, Gnocchi mit Parmesansauce und Salat stehen auf dem Speiseplan. Eins der drei Fenster oberhalb der großen Arbeitsplatte, an der Köchin Krohn steht, ist mit einer OSB-Platte zugenagelt. „Durch dieses Fenster haben sich die Einbrecher Zugang ins Kloster verschafft“, berichtet Bruder Matthias. „Hier in der Küche waren auch alle Schubladen auf und durchsucht“, sagt die Köchin. Das Sparschwein des Küchenteams haben die Unbekannten mitgehen lassen.

Im Gang zwischen Küche und Speisesaal hockt Hausmeister Johannes Scherf auf dem Boden, um die Glastür zum Refektorium notdürftig zu reparieren. Der große Pflasterstein, mit denen die Einbrecher die Sicherheitsscheibe zertrümmert haben, liegt noch da. „Sechs Kilo hat der bestimmt, die müssen ganz schön zugeschlagen haben“, seufzt der Hausmeister.

Vom Speisesaal aus verschafften sich die Täter durch den Kreuzgang des Klosters Zugang zur Kirche. Der Drehknauf der Seitentür ist nur mit einem Metallstift verriegelt, der leicht herausgezogen werden kann. „Die Tür ist nicht groß abgesperrt, weil vom Kreuzgang aus ja nur die Brüder Zugang haben“, berichtet Bruder Matthias.

Das Sparschwein des Küchenteams ist die einzige Beute der Einbrecher. Die nach Benediktinerart relativ schmucklos eingerichtete Pfarrkirche gab offenbar nicht viel Verwertbares für die Täter her. „Vielleicht haben sie aus Wut darüber die Kerzen zerstört und da Feuer gelegt“, sagt Bruder Matthias. Polizeipressesprecher Karl-Peter Jochem pflichtet ihm bei. „Da nur das Sparschwein – wohl eher ein Zufallsfund – gestohlen wurde, könnte es aber auch sein, dass die Täter gezielt eingestiegen sind, um Sachschaden zu verursachen – dann wäre es kein Einbruchsdiebstahl, sondern purer Vandalismus“, sagt der Polizist.

Vandalismus in der Abtei St. Matthias. Bruder Matthias mit verbrannten Gesangsbüchern. Foto: Friedemann Vetter
Foto: Bruder Daniel
Foto: Matthias Vogt
Foto: Bruder Matthias Vogt

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