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Unfallstatistik: In den Eifeler Wäldern bleibt’s gefährlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Tausende Wildunfälle jedes Jahr : Unfallstatistik: In den Eifeler Wäldern bleibt’s gefährlich

Die Polizeinspektionen Bitburg und Prüm haben die Unfallstatistik für 2019 veröffentlicht. Mit zumindest einer nicht ganz unerfreulichen Nachricht: In beiden Bezirken starben auf den Straßen weniger Menschen als im Vorjahr.

Das junge Jahr 2020 hat in der Eifel bereits zwei Todesopfer gefordert, bei Unfällen nahe Hallert und Orlenbach. Die Zahl der Verkehrstoten im Bezirk der Inspektion Prüm ist damit schon jetzt höher als im gesamten abgelaufenen Jahr.

Denn von Januar bis Dezember 2019 starb auf den Straßen rund um die Abteistadt nur ein Mensch, 2018 waren es fünf. Fünf weitere tödliche Unfälle ereigneten sich im Altkreis Bitburg, nicht einmal halb so viele wie 2018 (14).

Die Beispiele zeigen: Eine Entwicklung solcher trauriger Vorfälle lässt sich nicht vorhersagen. Wenn schon keine Prognose, so liefert der Blick in die Unfallberichte der Inspektionen Bitburg und Prüm aber trotzdem einige bemerkenswerte Zahlen.

Die Gesamtzahlen: 4321 hat es 2019 auf den Eifeler Straßen gekracht. Im Schnitt rund zwölfmal am Tag und somit insgesamt 55 Mal seltener im Zuständigkeitsbereich der Polizei Bitburg (Bitburger Land, Südeifel, Speicher, A 60 bis Anschluss Bitburg). Im Bezirk der Polizei Prüm (Verbandsgemeinden Arzfeld, Prüm, ehemalige Obere Kyll und A 60 von Grenze bis Anschluss Waxweiler) ereigneten sich 1693 Unfälle, kurioserweise: exakt so viele wie 2018.

Beachtlich ist zudem, wie jedes Jahr, die Zahl der Wildunfälle. Sie liegt 2019 bei 1728, hat sich also im Gesamten kaum verändert (1721) und macht immer noch rund 40 Prozent der Havarien aus. Der Blick in die Dienstbezirke aber zeigt: Rund um Bitburg sind Blech und Fell 57 mal öfter aneinandergeraten als 2018, auf den Prümer Straßen allerdings 50 mal seltener. Insgesamt ziehen aber beide Inspektionen die Bilanz, dass das Problem in waldgeprägten Gebieten kaum in den Griff zu bekommen ist.

Inspektion Bitburg: Die Polizei Bitburg hat aber auch erfreulichere Zahlen. So sind die Unfälle im Altkreis insgesamt um 2 Prozent zurückgegangen. Auch verletzt haben sich weniger Menschen als zuvor. 361 waren es 2018, und 2019 326. „Das kann Zufall sein“, meint Dienststellenleiter Christian Hamm. Er glaubt aber, dass die Polizeiarbeit zumindest dazu beigetragen hat.

So kontrollierten Streifen vor allem in der Südeifel verstärkt Fahrer auf Alkohol und Drogen. Und tatsächlich ist die Anzahl der Unfälle, die auf Schnaps, Marihuana, Amphetamine und Co. zurückzuführen sind, leicht rückläufig. Erfasste die Statistik 2018 noch 57 Unfälle unter Rausch oder Trunkenheit, waren es 2019 nur 45.

Deutlich zurückgegangen ist zudem die Zahl der Zusammenstöße, an denen junge Fahrer beteiligt waren. 2019 lag sie bei 573 (2018: 609). Das könnte ein Effekt der Präventivarbeit der Beamten in den Schulen sein, meint der Dienststellenleiter. Ebenfalls ausgezahlt, sagt Hamm, habe sich die verstärkte Präsenz der Polizei auf der B 51.

Nach schlimmen LKW-Unfällen im Jahr 2018 habe man dort öfter Sattelschlepper kontrolliert und Blitzer aufgestellt. Die Folge: Es kam zwischen Helenenberg und Fließem nur noch zu 102 Unfällen (2018: 111).

Häufiger geknallt als 2018 hat es hingegen auf der B 257, nämlich 77 Mal. Dies führt Hamm auch auf die vielen Baustellen auf der Pendlerstrecke zurück. Aber auch auf waghalsiges Fahren. Denn immer wieder seien auf der vergleichsweise gut ausgebauten Straße riskante Überholmannöver zu beobachten. „Wir werden das 2020 besser im Auge behalten“, kündigt der Dienststellenleiter an.

Inspektion Prüm: Trotz der aktuellen Zahlengleichheit: Betrachte man die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg, zeige sich seit 2015 ein leichter Anstieg der Unfallzahlen, sagt PI-Chef Georg Bührmann.

Das hat aber offenbar nichts damit zu tun, das mehr gerast und weniger aufgepasst wird: Laut Statistik, sagt Bührmann, sei die Zahl der Zulassungen in diesem Zeitraum ähnlich gestiegen. Kurz: „Immer mehr Autos.“ Und das zeigten auch die Erhebungen, die der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein gemacht habe: Dort verzeichne man eine Steigerung der Verkehrsbelastung auf den Straßen um sechs bis sieben Prozent. Bührmann: „Das korreliert genau mit der Zahl der Unfälle.“

Insgesamt verunglückten 234 Menschen im Dienstbezirk, einer mehr als 2018.  Und wenn auch weniger Menschen starben, es wurden 82 schwer verletzt, 31 mehr als 2018 (51). 154 Verunglückte erlitten leichte Verletzungen, zehn weniger als 2018.

Der Anteil junger Fahrer am Geschehen stieg leicht gegenüber dem Vorjahr, sie waren an 380 Unfällen mit 22,45 Prozent beteiligt (Vorjahr: 21,62 Prozent) – und das, obwohl sie bundesweit nur sechs Prozent der Einwohner stellen.

Markant auch ein Wert bei verunglückten Motorradfahrern: Bei 56 Unfällen (Vorjahr: 53) mit 40 Verletzten wurde in 42 Fällen den Zweiradpiloten die Verantwortung für den Unfall zugeschrieben.

Zu den Straßenabschnitten mit erhöhter Unfallzahl gehören die B 410 zwischen Büdesheim und Dasburg, die B 51 zwischen Stadtkyll und A 60, die B 265 zwischen Roth und Rommersheim, die B 421 im Oberen Kylltal und die A 60.

Eine Hauptursache besonders für Unfälle mit gravierenden Folgen bleibt zu schnelles Fahren. Das geschah 185 mal, eine leichte Steigerung zu 2018 (177).

Nach wie vor ein Problem: Fahrer mit Alkohol und anderen Drogen im Leib. Bei 49 Unfällen, darunter auch dem tödlichen, war Fahruntüchtigkeit Ursache des Unglücks.

Weitere Ursachen sind überhöhte Geschwindigkeit – und, wie in der jüngeren Vergangenheit immer öfter, Ablenkung am Steuer. Da könne es geschehen, sagt Georg Bührmann, dass man einen Unfall aufnehme und dabei ein Handy im Fußraum des verunglückten Wagens finde – mit einer angefangenen SMS. „Das gibt Ihnen schon zu denken“, sagt der PI-Chef.

Bleibt die Frage, ob das auch den handytippenden Fahrern zu denken gibt. Was sollen, was können die Polizisten tun? Vor allem an die Vernunft der Fahrer zu appellieren. Verkehrssicherheit, sagt Bührmann, „das lebt von allen“.

Und wo die Vernunft nicht ausreicht, helfen die Beamten auch künftig mit Kontrollen nach.