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Naturereignis
Lieser tritt über die Ufer - Katastrophenalarm bei Herrstein - DWD warnt vor weiteren Unwettern (Fotos/Update)

Fischbach (Kreis Birkenfeld): Nach heftigen Regenfällen sind Straßen nach Polizeiangaben teilweise meterhoch überflutet. In der Region wurde Katastrophenalarm ausgelöst.
Fischbach (Kreis Birkenfeld): Nach heftigen Regenfällen sind Straßen nach Polizeiangaben teilweise meterhoch überflutet. In der Region wurde Katastrophenalarm ausgelöst. FOTO: dpa / Christian Schulz
Daun/Herrstein/Bernkastel-Kues. Während die Aufräumarbeiten nach dem schweren Unwetter in Herrstein (Kreis Birkenfeld) andauern, hat der Deutsche Wetterdienst für Dienstag vor weiterem Unwetter gewarnt. Auch die Lieser war am frühen Sonntagabend im Vulkaneifelkreis über die Ufer getreten. sts/woc/mc/dpa

Land unter in einigen Bereichen entlang der Lieser zwischen Kradenbach und Daun (Kreis Vulkaneifel): Das Unwetter an frühem Sonntagabend hat vor allem entlang der Lieser für Einsätze von Feuerwehren und THW gesorgt. In Daun musste die Umgehungsstraße zwischen den Kreiseln Bitburger-/Dockweilerstraße und an der Zufahrt nach Rengen von der Polizei gesperrt werden, weil die Fahrbahn überschwemmt wurde. "Außer an der Lieser, die vor allem zwischen Kradenbach und Daun über die Ufer getreten ist, war es ruhig im Kreis", berichtet der Feuerwehrinspekteur des Kreises Vulkaneifel, Harald Schmitz.

Der Starkregen ließ die Lieser über die Ufer treten. In Daun liefen mehrere Keller voll. Der erste Notruf sei um 18.22 Uhr eingegangen, teilt ein Sprecher der Polizei Daun auf TV-Nachfrage mit. Es habe auch gehagelt, teilweise seien die Eiskörner kirschgroß gewesen. „Rund um Darscheid war es extrem“, berichtet der Polizeisprecher. Noch am Montagmorgen hätten entlang der Straßen die Hagelkörner im Graben gelegen.

Die Unwetter an frühem Sonntagabend haben vor allem entlang der Lieser für Einsätze von Feuerwehren und THW gesorgt.
Die Unwetter an frühem Sonntagabend haben vor allem entlang der Lieser für Einsätze von Feuerwehren und THW gesorgt. FOTO: TV / Stephan Sartoris
Unwetter in der Vulkaneifel und im Hunsrück FOTO: TV / Stephan Sartoris

Auf der B 257 bei Daun hätten Wassermassen die Fahrbahn überspült, die Straße musste zeitweise gesperrt werden. Auch andernorts rund um Daund und Darscheid hätte vom Regen angespülter Schlamm und Dreck für Verkehrsbehinderungen gesorgt. Zu Unfällen sei es nicht gekommen, teilt die Polizei mit. Auch von Verletzten sei bislang nichts bekannt.

Der letzte Notruf ging gegen 20 Uhr bei der Polizei Daun ein. „Das war kurz, aber sehr heftig“, zieht der Sprecher der PI Bilanz.

Das Unwetter hat die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues hingegen weitgehend verschont. „Wir haben viel Glück gehabt. Toi, toi, toi“, sagt Wehrleiter Thomas Edringer, mit Blick auf die Katastrophe in den gar nicht so weit entfernten Orten Herrstein und Fischbach (siehe unten). Ausnahme: In den Nachbarorten Longkamp und Kommen schüttete es wie aus Kübeln. „Etwa 50 Liter pro Quadratmeter“, berichtet der Longkamper Ortbürgermeister Franz-Josef Klingels. Die Feuerwehren beider Orte seien im Einsatz gewesen. Größere Schäden habe es aber nicht gegeben. „Ich habe aber noch nie so viel Wasser gesehen“, berichtet Klingels über den Zustand der Rückhaltebecken im Ort. Außerdem habe sich auf der Baustelle der B 50 neu ein See gebildet.

1,60 hohe Flutwelle rollt durch Herrstein und Fischbach

Weiter südlich, in der Verbandsgemeinde Herrstein (Kreis Birkenfeld), war am späten Freitagabend Katastrophenalarm für die Orte Herrstein und Fischbach ausgelöst worden. Dort stand das Wasser teils meterhoch, die Stromversorgung brach zusammen. Durch Herrstein sei eine 1,60 Meter hohe Flutwelle gerollt, teilte die Kreisverwaltung mit. Autos seien von Wassermassen mitgerissen worden.

Mindestens 50 Fahrzeuge wurden im Kreis Birkenfeld durch die Fluten beschädigt, wie die Verwaltung mitteilte. Etliche Fahrzeuge seien durch einen rasant angestiegenen Bach ineinander geschoben worden. Über 360 Gebäude seien in insgesamt vier Gemeinden überflutet worden.

Eine Messstation in der Region registrierte dem DWD zufolge fast 150 Liter Regen pro Quadratmeter in drei Stunden. Örtlich könnten es sogar in der Spitze um die 160 Liter gewesen sein, schätzte ein Meteorologe. «Das ist mehr als der übliche Monatsniederschlag.»

Die L160 bleibt vorerst zwischen Einmündung K66 bis zur Ortslage Fischbachvoll gesperrt. Vor Ort waren 450 Einsatzkräfte von Wehren sowie 140 DRK- und THW-Mitarbeiter.

Frauen in Bochum vom Blitz getroffen

Am Sonntag hinterließen gewaltige Regenfälle auch in anderen Regionen große Schäden. Besonders von den Unwettern betroffen waren am späteren Sonntag Hessen, der Südwesten von Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Vogtland in Sachsen.

Bei Bochum traf ein Blitz zwei 21 und 23 Jahre alte Frauen, als sie auf einem Fuß- und Radweg Handyfilme von sich machten. Wie die Feuerwehr mitteilte, musste eine der Frauen am Sonntagabend wiederbelebt werden. Die 23-Jährige schwebte am Montag noch in Lebensgefahr.

Neue Überschwemmungen drohen

Nach den schweren Unwettern mit Hagel und Schlammlawinen drohen in Teilen Deutschlands neue Überschwemmungen. Vor allem am Dienstag müsse mit heftigen Unwettern mit Starkregen und Sturzfluten gerechnet werden, warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD). Doch auch danach bis einschließlich Donnerstag soll das Wetter ungemütlich sein - mit örtlichem Starkregen und Hagel. Vor allem in Ostdeutschland herrscht zudem vielerorts höchste Waldbrandgefahr. Es wird in den kommenden Tagen fast tropisch heiß: Bis zu 33 Grad Celsius werden erwartet.

In Daun musste die Umgehungsstraße zwischen den Kreiseln Bitburger-/Dockweilerstraße und an der Zufahrt nach Rengen gesperrt, weil die Fahrbahn überschwemmt wurde.
In Daun musste die Umgehungsstraße zwischen den Kreiseln Bitburger-/Dockweilerstraße und an der Zufahrt nach Rengen gesperrt, weil die Fahrbahn überschwemmt wurde. FOTO: TV / Stephan Sartoris