1. Blaulicht

Weniger Verkehr, aber mehr Raser

Polizei warnt vor illegalen Straßenrennen : Weniger Verkehr, aber mehr Raser auf Eifeler Straßen

Weniger Autos, weniger Staus, weniger Unfälle —Covid-19 legt den Verkehr in der Eifel lahm. Einige Raser verstehen die leeren Straßen aber offenbar als Einladung, meldet die Polizei.

Seit dem Jahr 1930 finden Menschen auf dem Bitburger Friedhof Kolmeshöh ihre letzte Ruhestätte. Derzeit können auch die Lebenden hier ein wenig mehr Stille finden, entspannen, die Vögel zwitschern hören. Denn die sonst lärmende Bundesstraße 51, die unterhalb der Brücke zu dem Naherholungsgebiet verläuft, ist in den vergangenen Tagen fast verstummt.

An Werktagen verschluckt das Rauschen der Blechkarawane hier sonst jedes Geräusch. 22 000 Fahrzeuge brettern normalerweise über die Straße. Zu Stoßzeiten: noch mehr. Das entspricht einem Auto alle vier Sekunden. Der Verkehr: Zumindest tagsüber dröhnt er ohne Unterlass. Die B 51 rund um Bitburg ist so stark befahren wie sonst keine Strecke im Kreis.

Doch der Ausbruch des Corona-Virus hat ihn zum Erliegen gebracht. Die Touristen bleiben der Eifel fern. Und immer mehr Einheimische halten sich an die Weisung in diesen Zeiten daheim zu bleiben, von zuhause aus zu arbeiten und soziale Kontakte einzuschränken.Die Folge sind weitestgehend leere Straßen — von der B 51 bis zur B 410, von der A 60 bis zur B 257.

Dass die Verkehrsdichte insgesamt abgenommen hat, bestätigen auch die Polizeiinspektionen in Bitburg und Prüm. Ohne dies an Zahlen belegen zu können.

Messbar allerdings ist ein Rückgang der Unfälle im Eifelkreis. Seit dem Tag, an dem die Kitas und Schulen schlossen, meldet die Polizei Bitburg „lediglich die Hälfte der Unfälle wie im gleichen Zeitraum in den beiden Jahren zuvor“. Insgesamt hat es im Bitburger Raum demnach seit 13. März 50 Mal geknallt, gegenüber 106 im Vorjahr, und 99 im Jahr 2018.

Auch der Prümer Dienststellenleiter Georg Bührmann spricht von „leicht rückläufigen Unfallzahlen“. 83 waren es seit Anfang März rund um die Abteistadt und somit 15 weniger als 2019.

Es knallt also seltener, und es staut sich auch nicht mehr rund um Bitburg, Prüm, Speicher und Irrel. Doch es gibt auch besorgniserregende Entwicklungen auf den Eifeler Straßen. So verzeichnet die Polizei Bitburg derzeit immer mehr „Hochgeschwindigkeitsfahrten“. Was eigentlich kaum verwundern kann, haben die Raser doch im Augenblick freie Bahn.

So wurde erst neulich bei Meckel ein Raser geblitzt, der mit mehr als 200 Stundenkilometern unterwegs war. Und somit doppelt so schnell wie erlaubt. Ein Vergehen, das ein mehrmonatiges Fahrverbot nach sich ziehen wird.

Auch spontane Straßenrennen, Wagen, die einander jagen und immer wieder waghalsig überholen, seien derzeit zu beobachten, sagt Dienststellenleiter Hamm: vor allem auf der B 257 und anderen gut ausgebauten Schnellstraßen. Durchgehen lassen wolle man dies den Rowdys aber nicht: „Wir haben das auf dem Schirm und werden dem mit aller Entschlossenheit begegnen.“ Etwa durch Blitzer, die in Zukunft häufiger den Standort wechseln sollen. Denn ein illegales Fahrzeugrennen stelle nicht nur eine Straftat dar, sondern die Raser gefährden zudem sich selbst und auch andere. Und zwar massiv.