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Wenn die Schulwand zur Leinwand wird

Sachbeschädigung : Wenn die Schulwand zur Leinwand wird - Sprayer treiben in Speicher ihr Unwesen

Zerbrochene Schnapsflaschen, Zigarettenstummel, Schmiererei: Immer wieder gibt es Ärger mit Jugendlichen, die sich am Schulzentrum Speicher treffen. Kürzlich haben sie dort rund 3000 Euro Schaden verursacht.

Aus roten Augen blickt die Fratze aus der Wand. Ihr Schöpfer hat ihr ein freches Grinsen ins Gesicht gesprüht. Als sei es doch nur ein Spaß, fremdes Eigentum zu „dekorieren“. Andere Schmiereien an der Rückseite der Speicherer Turnhalle bedürfen weniger Interpretation.

„FCK PRVT Schule“ steht in grün und lila auf der Wand der Turnhalle. Wer ein paar Vokale einsetzt, weiß, was gemeint ist: nämlich das nahe genossenschaftliche Gymnasium Speicher. Die Abkürzung „ACAB“, ebenfalls an der Fassade zu finden, ist noch unmisserständlicher. „All cops are bastards“, auf Deutsch: „Alle Polizisten sind Bastarde.“

Mit ebendiesen „Cops“ haben die Urheber der Graffiti bereits seit einiger Zeit Ärger. Seit Wochen komme es laut Christian Hamm, Dienststellenleiter der Polizei Bitburg, immer wieder zu Vandalismus und Vermüllung am Speicherer Schulzentrum.

Und auch Alwin Ersfeld, Vorsitzender der Genossenschaft, die das Gymnasium betreibt, ärgert sich über eingeworfene Fensterscheiben, Schmiereien und Abfall auf dem Gelände. „Ich habe wirklich kein Problem damit, wenn sich hier Jugendliche treffen“, sagt der Unternehmer: „Solange sie friedlich bleiben und keinen Dreck machen.“

Doch seit das Corona-Virus den Freizeitspaß in der Stadt einschränke, gebe es immer wieder Probleme.

Etliche Male hätten die Genossen den Hof bereits von zerbrochenen Schnapsflaschen und Zigarettenstummeln säubern müssen. Die Schulkinder könne man schließlich kaum zwischen Scherben spielen lassen. Vorläufiger Höhepunkt der Aktionen aber seien die Dutzenden Graffiti an der Turnhalle gewesen. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 3000 Euro. Ersfeld glaubt: „Man wird wohl die gesamte Fassade neu anstreichen müssen, um die Farbe abzubekommen.“

Doch auch die Täter könnten ihre Kunstwerke teuer zu stehen kommen. Denn das Besprühen öffentlicher Einrichtungen, wie etwa Schulen oder deren Turnhallen, gilt als „gemeinschädliche Sachbeschädigung“. Und wird in gravierenden Fällen mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Oder aber — was hier wahrscheinlicher ist — mit saftigen Geldstrafen geahndet.

Um sie zur Rechenschaft zu ziehen, müsste man die Schuldigen aber erstmal fassen. Bislang, sagt der Bitburger Polizeichef, gebe es allerdings keine Tatverdächtigen. Die Polizei schaue aber regelmäßig, vor allem wochenends und abends, am Treffpunkt vorbei und kontrolliere Jugendliche.

Die Speicherer Genossen wiederum wollen eigene Maßnahmen ergreifen. Wie Ersfeld ankündigt, wird demnächst eine Kamera an der Schule installiert. Die soll die Täter, wenn schon nicht enttarnen, so doch wenigstens vom Schulgelände fernhalten.