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Nach Überfall auf Trierer Taxifahrerin
Zwei Räuberinnen müssen drei Jahre in Haft

FOTO: dpa / David Young
Trier. Die 30- und 32-jährigen Verurteilten haben 2016 eine Taxifahrerin in Trier mit einem Elektroschocker überfallen und verletzt, um sie auszurauben. Die Verzögerung des Verfahrens kommt ihnen jetzt zugute. Von Benedikt Laubert
Benedikt Laubert

Welche Strafe ist gerecht für zwei Frauen, die einen Menschen mit einem Elektroschocker verletzen, um an Geld zu kommen – für zwei Frauen, die auf der anderen Seite aber mit einer schweren Vergangenheit zu kämpfen und Suizidversuche hinter sich haben?

Im zweiten und letzten Prozesstag vor der großen Strafkammer des Landgerichts Trier sagen Staatsanwalt Stefan Buch und die Verteidiger der beiden angeklagten Frauen in ihren Plädoyers, welche Strafe sie jeweils für gerecht halten. Der Vorsitzende Richter Armin Hardt wird am Ende der Verhandlung ein Urteil verkünden, in dem das Gericht den Argumenten einer Seite etwas mehr Gewicht verleiht.

Der Raub, den die beiden Angeklagten für den 5. Dezember 2016 geplant und sorgfältig vorbereitet hatten, geht schief. Zurück bleibt eine Taxifahrerin mit Brandblasen vom Elektroschocker am Rücken und mit ihrer Angst, wieder angegriffen zu werden. Die damals 59-Jährige wird nach der Tat psychologisch behandelt und deckt sich mit Pfefferspray ein, weil sie ängstlich geworden ist, wie sie sagt. Die beiden heute 30- und 32-jährigen Angeklagten hatten – aus Geldnot, wie sie sagen – einen Elektroschocker (Taser) für 80 Euro in einem Trierer Geschäft für ihre Tat gekauft. Danach fragten sie laut einem Zeugen gezielt nach einem Taxiunternehmen, das auch weibliche Fahrer beschäftige.

Am Tatabend fahren die beiden Angeklagten mit dem Opfer vom Trierer Cinemaxx-Kino zum Parkplatz an der Mäusheckerschule in Trier-Ehrang. Dort greift die Jüngere der beiden, die bislang nur einmal vorbestraft ist, die Fahrerin von hinten mit dem Elektroschocker an. Als die Fahrerin aussteigt und fliehen will, steigt die Angreiferin aus und versetzt ihr erneut mindestens einen Stromstoß. Die Komplizin, die bereits wegen zahlreicher schwerer Delikte vorbestraft ist, ist inzwischen geflüchtet. Es bleibt beim Versuch des Raubes.

Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre und sechs Monate Haft für beide Angeklagten. Zwar habe die Ältere der beiden das Opfer nicht selbst verletzt. Die beiden hätten ihre Tat allerdings gemeinsam geplant und gemeinsam durchgeführt – „eine lehrbuchartige Mittäterschaft“, wie Staatsanwalt Stefan Buch sagt. Zwar diagnostizierte der psychologische Gutachter Harald Lang der jüngeren Angeklagten eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Doch Buch hebt hervor, dass die Störung laut Gutachter nicht zu einer Tat wie dieser führe. Typisch für Taten, die infolge einer solchen Störung begangen werden, seien eher impulsive Handlungen. Diese Tat sei aber rational geplant gewesen.

Die Verteidiger fordern Haftstrafen von maximal zwei Jahren, die also theoretisch zur Bewährung ausgesetzt werden können. Sie halten ihren Mandantinnen zugute, dass sie – im Fall der Jüngeren – nur eine Vorstrafe mitbringen, mit ihren Geständnissen an der Aufklärung mitgewirkt und sich beide während des Verfahrens entschuldigt haben. Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass sie bewusst einen leistungsschwachen Elektroschocker gekauft haben, um ihrem Opfer etwas weniger Schaden zuzufügen.

Das Gericht entscheidet sich in seinem Urteil für eine Haftstrafe, die mit drei Jahren näher an der Forderung der Staatsanwaltschaft liegt. Die beiden Frauen werden des versuchten besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Besonders schwer deshalb, weil sie ein gefährliches Werkzeug, den Elektroschocker, eingesetzt haben. Da die damals Angeklagten mehr als zwei Jahre auf ihren Prozess warten mussten (der TV berichtete), gelten drei Monate der Strafe als bereits vollstreckt. Die beiden können noch in Revision gehen und damit ein neues Urteil erwirken.

Hier geht es zum Bericht vom Prozesstag, an dem es besonders um die schwierige Vergangenheit der inzwischen verurteilten Frauen geht.