Brels Träume

Brels Träume

MERZIG. (DiL) Ein rundum begeistertes Publikum hinterließ der Sänger Klaus Hoffmann bei seinem Konzert in der Merziger Stadthalle. Der Abend war ausschließlich den Liedern von Jacques Brel gewidmet.

Seit dem Beginn seiner Liedermacher-Karriere vor 30 Jahren hat Jacques Brel für Klaus Hoffmann eine besondere Rolle gespielt. Er hat Brel ins Deutsche übertragen, Brels großen Arrangeur Francois Rauber reaktiviert, sogar eine Art Musical über sein Vorbild geschrieben.Auf den Spuren der Faszination

Auf seiner neuen Tournee, begleitet vom Pianisten Hawo Bleich, erzählt er seinem Publikum, woher diese außergewöhnliche Faszination kommt. Unaufdringlich, selbstironisch, aber auch bewegend stellt er Verbindungen her zwischen dem jungen Sänger in Berlin, der von der Ferne träumt, und dem großen Chansonnier in Paris, der Zeit seines Lebens immer nach neuen, entfernten Zielen gesucht hat. "Ich habe ihn einmal gehört, und ich wusste, der singt genau das, was ich fühle - ohne, dass ich die Texte verstand." Zwei Stunden lang führt Hoffmann durch die Welt von Brel, kein Imitator, sondern ein grandioser Nachempfinder. Er fängt Brels Innigkeit ein, seine Melancholie, seinen Zorn, seine Lebenslust. Es gibt keine "Masche", jedes Lied wird eigenständig interpretiert. Mal ist er ganz nah am Original-Text, wie beim satirischen "Les bourgeois", mal assoziiert er eher frei, wie bei "Les Vieux", jener genauen Bestandsaufnahme des Alterns. Manchmal folgt er eng Brels Melodie und Duktus, dann singt er einen Brel-Titel wie "Quand on n'a que l'amour", als wär's ein Stück von Klaus Hoffmann. Wie ernst er Brel nimmt, zeigt sich schon daran, dass er bei Klassikern wie "Ne me quitte pas", "Ces gens-là" oder "Amsterdam" seine deutschen Texte im Laufe der Jahrzehnte immer wieder variiert und verfeinert hat, stets auf der Suche nach der Übersetzung, die dem Original am besten gerecht wird. Nur "Adieu Emile" hat er offenbar für so gut befunden, dass er es immer noch genau so singt wie 1977, als der deutsche Text "Ich will Gesang, will Spiel und Tanz" seiner ersten Live-LP den Namen gab. Hoffmanns Wahrhaftigkeit und seine anrührende Nähe zu Brel tragen den Abend. Auch da, wo er, wie bei der Säufer-Ballade "L'ivrogne" nicht an ihn herankommt. Da bleibt er zu sympathisch, da fehlen ihm die Härte, die Spur von Zynismus und Gnadenlosigkeit, die auch zu Brel gehörte. Ansonsten fehlt nichts. Auch nicht die große Instrumentation, mit der diese Lieder sonst interpretiert werden. Brels Kompositionen sind so genial, dass sie auch in weniger üppigem Gewand ihre Faszination entfalten, und Hoffmanns sängerisches und darstellerisches Gestaltungsvermögen kommt ohne Band sogar noch beeindruckender über die Rampe. Und da ist ja auch noch Pianist Hawo Bleich, in den sensiblen Händen ein ganzes Orchester, mal mit faszinierenden Klangmalereien ("Les Marquises"), mal mit spannenden, an Satie erinnernden Kontrasten ("Ces gens-là). Weit mehr als ein Begleiter.Das Publikum bekommt nicht genug

Nach der dritten Zugabe wird das Saallicht eingeschaltet, nach der vierten werden die Türen geöffnet, nach der fünften Musik vom Band eingespielt. Es hilft alles nichts, das enthusiastische Publikum bleibt einfach stehen und jubelt weiter. Am Ende schenkt Hoffmann den Zuhörern das einzige Lied des Abends, das nicht von Brel stammt und doch mehr als jedes andere für ihn steht: "La quete" aus dem Musical "Der Mann von La Mancha", die Geschichte von dem unmöglichen Traum, der sich nie realisieren lassen wird und den man trotzdem weiter träumen muss. Dank Klaus Hoffmann leben Brels Träume auch auf der Bühne weiter.