Buchtipp

Buchtipp

Der Autor sagt zwar in seinem Vorwort, dieses Buch sei von einem Laien für Laien geschrieben – aber damit stapelt er tief. Sicherlich werden weniger Hamburger oder Schwaben an den Geschichten interessiert sein als Einheimische – und auch hier in erster Linie Menschen aus Nohn und Umgebung.

Der Autor sagt zwar in seinem Vorwort, dieses Buch sei von einem Laien für Laien geschrieben - aber damit stapelt er tief. Sicherlich werden weniger Hamburger oder Schwaben an den Geschichten interessiert sein als Einheimische - und auch hier in erster Linie Menschen aus Nohn und Umgebung. Aber seine Artikel sind nicht nur unterhaltsam geschrieben, sondern sorgsam recherchiert und mit gründlichen Quellendaten versehen, so dass dieses Buch durchaus auch als Nachschlagewerk für jeden Heimat- und Brauchtumsforscher dienen kann.Josef Ollinger dürfte vielen schon bekannt sein - denn ein Großteil der Texte wurde bereits als Artikel im Trierischen Volksfreund und anderen regionalen Zeitungen veröffentlicht. Manche Wiederholungen ließen sich dabei nicht vermeiden.

Ganz erstaunt wird ein Fremder die Sitte der "Lehensausrufung" nachlesen - und noch erstaunter sein, dass Ollinger die wenigen Orte, die diesen mittelalterlichen Brauch noch ausüben, auch nennt. Das schwere Los der Bauern wird so anschaulich geschildert, dass der Leser mitseufzen möchte, egal ob es zur Zeit der Lehnsherrschaft oder der Naziunterdrückung war. Umgekehrt kann man sich das Grinsen kaum verkneifen, wenn Ollinger erzählt, wie es dazu kommen konnte, dass junge Männer ohne eine Stunde Schlaf zur Feldarbeit getrieben wurden...

Trotz der gründlichen Recherche beginnen leider viele der Artikel einfach mit "in früheren Zeiten". Und nicht immer erschießt sich dann aus dem Text, ob damit gerade die 50er-Jahre des vorigen oder des vor-vorigen Jahrhunderts gemeint sind. Ollingers Darstellung legt stellenweise den Schluss nahe, dass sich wohl einiges im ländlichen Leben an Saar und Mosel in den vergangenen Jahrhunderten nicht geändert hat.

Das Buch bietet Erheiterndes, Interessantes und Nachdenkliches. Ein Nohner wird sicherlich nostalgische Gefühle entwickeln. Denn so sehr sich Ollinger in jedem Artikel bemüht, Bezug zu anderen Saar- und Moselgemeinden aufzuzeigen - sein Ausgangspunkt ist unverkennbar stets sein Heimatort.

Ergänzt werden die Texte mit herrlichen meist uralten Fotos. Ein tiefer Blick in diese hinein - und der Leser kann einsteigen in eine halb vergangene Welt - gerade hier um die Ecke.

Sabine Brudny

Josef Ollinger: "Geschichten und Sagen von Saar und Mosel", Conte-Verlag, ISBN 3-936950 - 31 - 8, 372 Seiten, 24,90 Euro