Casper

Radikal ist der musikalische und textliche Weg, den der Gar-nicht-so-sehr-Rapper auf "Hinterland" beschreitet. Weniger Hip Hop, mehr Bruce Springsteen ist das Motto.

"Mit großen Augen zwischen Bahnschiene und Schrebergärten. Arm in Arm singend über Leben, die wir nie leben werden … Wo jeder Tag aus Warten besteht und die Zeit scheinbar nie vergeht. In diesem Hinterland, verdammtes Hinterland", singt Casper auf dem Titelsong "Hinterland". "There's A Lot Of People Leaving Town Now, Leaving Their Friends, Their Homes. At Night They Walk That Dark And Dusty Highway All Alone", besang Bruce Springsteen eben dieses Hinterland auf "Independance Day".

Casper ist nach Irrungen und Wirrungen, nach viel zu großen Erwartungen von außen und innen, der behämmerten Kritik der Hip-Hop-Gralshüter da angekommen, wo die Narben im Gesicht entstehen: Im Americana-Sound der kleinen Leute und ihrer musikalischen Beschützer wie Springsteen, denen Integrität die Unverwundbarkeit schenkte. Nach der sehnt sich auch Casper, der vom Erfolg Getriebene, der mit den Produzenten Markus Ganter und Konstantin Gropper Leute von außerhalb des eigenen Zirkels holte, um sich umzuschleifen. Das gelingt, formidabel sogar. Dank "Im Ascheregen" oder "Alles endet" und natürlich "Hinterland", dem wilden Gebelle am Mikro und der großen Sehnsucht in der Musik. Kein Rapalbum, ein großes Songwriteralbum. Trotz Springsteens Warnung: "And Soon Everything We've Known Will Just Be Swept Away …"

Casper // Hinterland

Anspieltipps:
"Hinterland", "Im Ascheregen" und "Alles endet"
Fazit: Mut, der belohnt werden wird.