Das Benehmen beim Krankenbesuch

Das Benehmen beim Krankenbesuch

Was sollte man bei Krankenbesuchen beachten? Bevor man jemandem einen Krankenbesuch abstattet - egal, ob im Krankenhaus oder privat zu Hause -, muss der Besucher sich unter allen Umständen vorab darüber informieren, ob der Besuch überhaupt erwünscht ist und zu welcher Uhrzeit man kommen kann.Einfach vorbeizukommen ist, wenn überhaupt, nur im engsten Familien- und Freundeskreis erlaubt - dann, wenn man sich ganz sicher sein kann, dass und wann sich der Kranke überhaupt darüber freuen würde.

Denn wer akut krank ist und sich auch so fühlt, möchte oft gar keinen Besuch und bleibt lieber für sich. Wer länger so sehr krank ist, freut sich dann aber vielleicht doch über den ein oder anderen Besucher. Und wer zwar krank ist, sich aber nicht immer so fühlt, denkt wieder anders über Besuch.

Also fragen Sie vor jedem Besuch, ob und wann Ihr Kommen erwünscht ist. Ihr Verhalten bei der Begrüßung sollte nur dann, wenn es die Umstände unbedingt erfordern, von der bisher üblichen Begrüßungsform abweichen. Findet Ihr Besuch im Mehrbettzimmer eines Krankenhauses statt, grüßen Sie natürlich auch die anderen im Krankenzimmer. Vorzustellen brauchen Sie sich ihnen jedoch nicht. Wenn Sie ein Geschenk mitbringen wollen, dann wissen Sie aufgrund der Erkrankung, ob Pralinen, ein Piccolo, ein (Hör-)Buch oder doch Blumen passend sind. Das Geschenk ist ideal, wenn es den Erkrankten ein wenig ablenkt, oder wenn Sie ihm damit einen flüchtig genannten Wunsch erfüllen können.

Wenn Sie ins Krankenhaus Blumen mitbringen, denken Sie auch an die passende Vase, sonst sieht der Blumenstrauß nicht mehr schön aus. Blumen sollten zudem nicht so stark duften und auch keinen Anlass zu abergläubischen Gedanken liefern. Bemühen Sie sich alles in allem darum, sich respektvoll und äußerst diskret zu verhalten. Sicher ist es unnötig, das alles zu sagen, weil es selbstverständlich ist, sich einem kranken Menschen gegenüber mit mindestens ebenso viel Wertschätzung zu verhalten wie bei einem gesunden Menschen.

Achten Sie das Distanzbedürfnis, die Privat- und Intimsphäre. Setzen Sie sich niemals auf das Krankenbett. Gehen Sie aus dem Krankenzimmer, wenn ein Arzt oder Pflegepersonal ins Zimmer kommt; dabei ist es egal, ob man Sie darum bittet oder nicht - bleiben Sie nur, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Möge es Ihnen gelingen, gerade wie es erforderlich ist Besinnung, Ruhe, Zuversicht oder auch Frohsinn und Heiterkeit auszustrahlen. Stellen Sie Ihre eigene Befindlichkeit vollkommen hinten an; um Sie geht es bei einem Krankenbesuch nicht. Hören Sie zu, fragen Sie vorsichtig nach, so dass Sie Interesse zeigen, wechseln Sie nicht abrupt das Thema ("Nun lass uns mal von was Schönem reden"), wecken Sie aber auch keine unrealistischen Hoffnungen oder Wünsche und machen Sie keine Versprechungen, die Sie nicht halten können. Lassen Sie also solche Floskeln wie "Das wird schon wieder" weg, wenn sie unpassend sind. Unterlassen Sie einfach alles, was die Schwierigkeit der Lage noch erhöhen könnte. Versuchen Sie lieber, eine kleine Freude zu bereiten - auch mit Humor, wenn es passt.

(Aus: Salka Schwarz: Renaissance der Höflichkeit, 38 Euro)

Mehr von Volksfreund