Das britische Königshaus trinkt Riesling von der Mosel

Das britische Königshaus trinkt Riesling von der Mosel

Weine aus der Region - getrunken von Prominenten aus aller Welt. Ob Bundespräsidenten, Models oder Angehörige von Königshäusern, Weine von der Mosel sind international beliebt.

Wenn Silvia von Schweden Gäste empfängt, Ex-Bundespräsident Christian Wulff Bankette gegeben hat oder Prinz Charles mit Camilla zur Gartenparty lädt, kredenzen sie gerne Wein oder Sekt von der Mosel. Viele heimische Winzer zählen Königshäuser, Schauspieler, hochrangige Politiker und sogar Fußballfunktionäre zu ihren Kunden.

Am 29. April 2011 läuten die Hochzeitsglocken für Prinz William und Kate. Ganz England und alle Fans der britischen Monarchie verfolgen an diesem Tag, wie Braut und Bräutigam in Pomp und Glorie ihre Vermählung zelebrieren. Doch beim Essen und Trinken bleiben die Royals lieber unter sich. Das Bankett nach dem Festakt in der Westminster Abbey verspricht kulinarische Genüsse vom Feinsten. Welches Menü oder welche Weine jedoch auf der Speisekarte stehen, verraten Küchenchefs und Sommeliers natürlich noch nicht.

Kein Geheimnis dagegen ist, dass Carl von Schubert, Inhaber des renommierten Weingutes Maximin Grünhaus aus Mertesdorf an der Ruwer, bewährter Lieferant des britischen Königshauses ist. Durchaus möglich ist daher, dass zum Fisch ein fruchtiger Abtsberg Kabinett oder zum Dessert ein honigsüßer Herrenberg Eiswein ausgeschenkt wird.

Die Beziehungen zum englischen Königshaus gehen bereits auf Carl von Schuberts Vater zurück. Der habe bei Weinproben in Oxford und Cambridge häufig Prinz Charles getroffen, erzählt sein Sohn Carl, der sichtlich stolz darauf ist, Jahr für Jahr eine Selektion klassischer Weine an den Buckingham Palace liefern zu können. "Den Abtsberg Kabinett bestellen sie jedes Jahr", schmunzelt er. "Immer so um die 120 Flaschen." Welcher Wein genau für die königlichen Weinkeller gekauft wird, entscheidet eine vom Hof eingesetzte Kommission, die meist bei einem Londoner Weinhändler die Tropfen verkostet. Anschließend läuft regelmäßig eine Bestellung bei von Schubert ein.
Aber auch Englands Ex-Premierminister Tony Blair kam schon in den Genuss von Maximin-Grünhaus-Weinen. "Zur Geburt von Blairs jüngstem Sohn Leo im Jahr 2000 schenkte unser damaliger Bundeskanzler Gerhard Schröder Blair und seiner Frau eine Kiste 99er Abtsberger Auslese", erzählt von Schubert.

Was bei von Schubert fast schon aus einer Tradition heraus geboren ist, hat sich ein anderer Winzer mit einer gehörigen Portion Frechheit erkauft. Klaus Herres vom Sektgut St. Laurentius aus Leiwen feierte 1998 mit seinem Team zum ersten Mal die Auszeichnung "bester Sekterzeuger Deutschlands". "Im Fernsehen liefen gerade die Nachrichten", erinnert sich Klaus Herres. "Bundespräsident Herzog gab einen Empfang, und es wurde Champagner serviert. Das hat uns geärgert." Also schrieben die aufmüpfigen Moselaner einen Brief an den Bundespräsidenten, in dem sie fragten, warum es denn bei einem deutschen Staatsempfang keinen deutschen Sekt gäbe. "Natürlich haben wir nie mit einer Antwort gerechnet", plaudert Klaus Herres weiter.

Aber tatsächlich flatterte ein paar Tage später ein Antwortschreiben ins Haus mit der Bitte um Proben. Wiederum nur kurze Zeit später traf die erste Bestellung für eine Veranstaltung ein, die schon in drei Tagen stattfinden sollte, und "da der Sekt per Paketdienst niemals rechtzeitig in Berlin eingetroffen wäre, haben wir unseren VW-Bus mit 120 Flaschen Riesling-Sekt beladen und sind zum Schloss Bellevue gefahren." Seitdem schickt Herres ein bis zweimal im Monat eine Charge Crémant oder Riesling-Sekt nach Berlin. Wie der Zufall es will, kostete einmal auch Silvia von Schweden von dem Getränk. Der Riesling brut hatte es ihr angetan, und sogleich bestellte auch sie bei dem Mann, dem in jungen Jahren die ersten Sektflaschen im Keller explodierten, als er auf der Suche nach dem Geheimnis der Méthode Champenoise war.

Doch nicht jeder Prominente mag es, wenn alle Welt über ihre alkoholischen Vorlieben Bescheid weiß. Diskretion ist daher oberstes Gebot. Carl von Schubert und Klaus Herres dürfen zwar mit ihren Kunden werben, doch einige ihrer Kollegen lassen dies tunlichst bleiben.

"Die Prominenten mögen es nicht, wenn ihr Privatleben in der Zeitung steht." Diese Erfahrung musste Juniorchefin Saskia Prüm vom Weingut S.A. Prüm in Bernkastel-Wehlen machen. Als Model Claudia Schiffer 2002 den britischen Filmproduzenten und Regisseur Matthew Vaughn heiratete, waren für diese Feier auch Weine vom Weingut S.A. Prüm vorgesehen. Ihr Vater hatte sich bereits einige Proben schicken lassen. Doch Boulevard-Zeitungen bekamen Wind von der Sache, und Vater Schiffer verzichtete auf die Weine von der Mosel. Schade, denn sonst hätten er und die Hochzeitsgäste das goutieren können, was auch Königin Margarethe von Dänemark zu schätzen weiß: "Die Dänen und ihre Monarchin mögen unsere halbtrockenen bis frucht­süßen Tropfen besonders gern", freut sich Saskia Prüm.

Ein anderes deutsches Top-Model hatte dagegen keine Probleme, ihre Verbundenheit mit der Mosel zu zeigen. Heidi Klum besuchte 2002 das Pündericher Weingut Roman Simon. "Damals war sie eigentlich noch nicht so bekannt und mit Starfriseur Ric Pipino verheiratet. Sie entdeckte uns über Bekannte", erinnert sich Junior Ernst-Martin Simon.

Anekdoten

Heidi nahm die 2000er Pündericher Marienburg Riesling Auslese halbtrocken gleich mit und hinterließ auch noch ein Autogramm auf dem Etikett, das der geschäftstüchtige Simon gleich ins Internet stellte. Heidi Klums Eltern kaufen regelmäßig beim Weingut Simon ein - halbtrocken versteht sich.

Es soll ja noch Weintrinker geben, die glauben, Weine von Mosel, Saar und Ruwer seien zu sauer und wenig bekömmlich. Als Jürgen und Dorothee Weber vom Margarethenhof in Ayl anfingen, ihren Wein in der Weinbar der Allianz-Arena in München auszuschenken, gab es so manchen Prominenten, der erst einmal einen Bogen um sie schlug. Auch Gundula Fuchsberger war anfangs skeptisch, bis ihr Dorothee Weber einen Auxerrois anbot. "Der schmeckte ihr." Ihr Mann Joachim probierte dagegen Riesling und ist seitdem Fan vom Ayler Kupp Riesling Spätlese trocken oder dem Riesling mit dem edlen Namen Goldline. Das war vor eineinhalb Jahren. Seitdem gehören die Fuchsbergers sowie Partner und Freunde des beliebten Schauspielers und Entertainers zum Kundenkreis vom Margarethenhof.

Wer die sind, will Dorothee Weber allerdings nicht verraten. Diskretion, versteht sich. Doch dann nennt sie noch einen Namen: Uli Hoeneß, den Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Bayern München. Auch er trinkt gerne trocken. Nur ein Prominenter kann sich getrost in seinen Sessel zurücklehnen, weil er sich nie Gedanken um einen gut gefüllten Weinkeller machen muss: Fernsehmoderator und Weingutsbesitzer Günther Jauch vom Winzerbetrieb Othegraven in Kanzem an der Saar.

Sektgut St. Laurentius in Leiwen
www.laurentius-sekt.de

Weingut Margarethenhof in Ayl
www.margarethenhof-ayl.de

Weingut Reichsgraf von Kesselstatt in Trier/Morscheid
www.kesselstatt.com

Weingut Maximin-Grünhaus in Mertesdorf
www.vonschubert.com

Weingut S.A.Prüm in Bernkastel-Wehlen
www.saprüm.com

Weingut Roman Simon in Pünderich
www.roman-simon.de

Weingut von Othegraven in Kanzem
www.von-othegraven.de
Annegret Reh-Gartner vom Weingut Reichsgraf von Kesselstatt hat für glanzvoll in ihrem Archiv geblättert und so manche schöne Anekdote gefunden:

Spektakulär
Als der Dampfer Titanic 1912 unterging, versank auch ein kompletter Rieslingjahrgang der Lage Josephshöfer vom Weingut Reichsgraf von Kes­selstatt in der See.

Staatstragend
Bundespräsident Heinrich Lübke lud am 24. Juni 1963 den damaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zu sich zum Frühstück ein. Sie tranken dabei einen 59er Piesporter Goldtröpfchen Feinste Spätauslese vom Weingut Kesselstatt.

Geheimnisvoll
Bundeskanzler Konrad Adenauer war so entzückt über den Wein von Kesselstatt, dass er dem Weingut sogar eine Postkarte schrieb: "Ihr Wein ist wundervoll." Außenminister Heinrich von Brentano di Tremezzo ergänzte: "Ich teile die Auffassung des Bundeskanzlers." Und Wolfgang Jaenicke, Botschafter am Heiligen Stuhl, schrieb lapidar: "Ich auch." Leider ist es Annegret Reh-Gartner bis heute nicht gelungen, das genaue Datum herauszufinden. Der weinselige Abend der drei Herren muss irgendwann in den 1960ern gewesen sein, die Karte ist datiert vom 6. Juli.