Das Geschäft mit der Zeit

Das Geschäft mit der Zeit

TRIER. Uhrmachermeister Hans Press hat im Jahr 1956 sein erstes Geschäft in der Saarstraße eröffnet. Seit 1966 befindet sich das Fachgeschäft für Uhren und Schmuck in der Simeonstraße. Mit seiner Frau Gretel, seinen Kindern Michael und Elke sowie den drei Mitarbeitern Jürgen Müller, Ilona Stockemer und Meike Meyer führt der rüstige 75-Jährige den Familienbetrieb bis heute.

Erst vor wenigen Wochen hat Hans Press eine Anzeige für einen Ausbildungsplatz veröffentlicht. "Das Uhrmacherhandwerk hat Zukunft. Damit habe ich inseriert, und davon bin ich überzeugt", sagt er. Service, Beratung, handwerkliches Können, Vertrauen der Kunden und Zusammenarbeit mit namhaften Lieferanten sind die solide Basis des Familienunternehmens. Sein Können und Wissen hat Press in seine Werkstatt investiert und gibt es an junge Menschen weiter, die wie er damals im Jahr 1945 das Handwerk mit dem Uhrwerk erlernen wollen. Vor einem halben Jahrhundert hat Press die Zeichen der Zeit erkannt und die Gunst der Stunde genutzt. Nachdem er 1954 die Meisterprüfung absolviert hatte, "gab es für mich nur die Entscheidung, mich selbstständig zu machen". Nachdem der gebürtige Mattheiser 1956 passende Räume in der Saarstraße gefunden hatte, nutzte er jede freie Minute, zeichnete Skizzen für die Innenausstattung nach Feierabend und organisierte innerhalb von 14 Tagen die Ladeneinrichtung und seine erste Kollektion. Am Tag vor der Eröffnung am 15. August 1956 legte er eine Nachtschicht bis sieben Uhr morgens ein. "Als ich um neun Uhr dann wieder im Betrieb war, hatte meine Mutter bereits viele Reparaturaufträge angenommen. Es war so viel Arbeit angefallen, dass ich mich direkt in die Werkstatt begeben habe. Gefeiert wurde erst abends. Das war der beste Beweis, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe." Unterstützung erhielt Press von Beginn an von seinen Eltern und ab 1959 von seiner Frau Gretel, die bis heute mit ihm zusammenarbeitet. Auch seine Kinder Elke, Goldschmiedemeisterin und Schmuckgestalterin, und Michael, Uhrmachermeister und Einzelhandelskaufmann, sind in die Fußstapfen des Vaters getreten und arbeiten seit Mitte der 1980er- Jahre im Familienbetrieb mit. "Natürlich freut es mich, dass das, was man aufgebaut hat, in der nächsten Generation erhalten bleibt. Es herrscht eine positive Kommunikation untereinander, obwohl es auch einmal betriebswirtschaftliche Diskussionen gibt", sagt Seniorchef Hans Press. Angebote, nach Düsseldorf oder in andere Schmuckmetropolen zu gehen, schlug Press aus. "Hier in Trier ist meine Heimat, hier kennt man uns, hier weiß ich, was ich habe. Man muss trotz kaufmännischer Risiken, die man eingeht, die Ziele vor Augen haben, die realisierbar sind", sagt der 75-Jährige. An den Ruhestand denkt er nicht, arbeitet unermüdlich noch heute jeden Tag von neun bis 19 Uhr. Das Geschäft mit der Zeit hält ihn jung. "So lange ich physisch und psychisch dazu in der Lage bin, mache ich weiter." Zum Geschäftsjubiläum, das hat Tradition bei Press, gibt es keinen Jubiläumsverkauf mit gesenkten Preisen. Stattdessen wurden in der Uhrmacherei eine goldene Armbanduhr als Sonderedition kreiert und im Goldschmiedeatelier eine kleine Jubiläumskollektion angefertigt, die das detailgenaue, handwerkliche Können, das seit 50 Jahren die Grundlage des Familienunternehmens ist, unter Beweis stellen.

Mehr von Volksfreund