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| 21:34 Uhr

Das Grundschul-Biotop

Die Grundschule Quint. TV-Foto: Dieter Lintz
Die Grundschule Quint. TV-Foto: Dieter Lintz
Vor 20 Jahren gingen in Quint noch 200 Kinder in die Grundschule. Dann änderten sich Schulbezirke und Bevölkerungsstruktur - inzwischen besuchen nur noch gut 100 Schüler die Lehranstalt in dem idyllischen Ambiente. Von unserem Redakteur Dieter Lintz

Trier. Manchmal dürfen die Kinder in der Grundschule Quint mitten im Unterricht aus dem Fenster schauen, ohne dass jemand schimpft. Zum Beispiel, wenn wieder mal ein Eichhörnchen durch die Sträucher hinterm Haus strolcht.Ein "grünes Klassenzimmer" braucht man hier eigentlich nicht, wo doch die ganze Schule im Grünen liegt. Und zudem malerisch oberhalb der Mosel, weit hinter den letzten Häusern des Stadtteils Quint. Ein echter, großer Bolzplatz gehört auch zum Ensemble, ebenso wie eine Grillhütte. Vorne, auf dem großzügigen Schulhof, stehen die lehmigen "Draußen-Schuhe" fein säuberlich vor der Tür. Zeit, dass der Frühling kommt und das Wetter besser wird.

Schulleiter Rüdiger Birkel weiß den Wert seines Idylls zu schätzen. Zumal die Schule zwar keineswegs funkelnagelneu ist, aber doch in einem baulich ganz passablen Zustand. Und die Ausstattung kann sich sehen lassen: Bücherei, Betreuungsraum, Computer mit Lernprogrammen in allen Klassen, Musik- und Internetzimmer. Nur der Gymnastiksaal ist etwas klein geraten.

Umweltbewusstsein als Schulprofil

Die Naturnähe fließt auch in das Profil der Grundschule Quint ein. Man arbeitet mit dem örtlichen Naturfreunde-Haus zusammen, fördert das Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt - und hat neben der Lesekompetenz auch "Bewegung und Fitness" als Qualitäts-Schwerpunkt.

Es gibt eine gemeinsame betreute Frühstückspause, und der Förderverein bietet eine Betreuung von 12 bis 14 Uhr an. Das decke im Wesentlichen den Bedarf der Eltern, versichert Rektor Birkel. Die ruhige, ausgeglichene Sozialstruktur sorgt für eine ruhige Arbeitsatmosphäre. Freiwillige Arbeitsgemeinschaften, unter anderem Schach, Schülerzeitung und Schulchor runden ein breites Angebot ab, das auch integrierten Fremdsprachenunterricht in Englisch und Französisch für alle Klassen umfasst. Mit Frankreich gibt es sogar eine Schulpartnerschaft.

Das alles klingt nach paradiesischen Verhältnissen. Der Eindruck täuscht. Die Probleme der Grundschule Quint liegen eher in ihrer geringen Größe. Nicht etwa, weil sie darob von Schließung bedroht wäre - mit 100 Schülern liegt sie klar über dem Limit. Aber die kleine Schülerzahl führt, so paradox es klingt, zu großen Klassen.

Das hat mit den landesweit vorgegebenen Messzahlen zu tun. Mehr als 30 Schüler in einem Jahrgang, das bedeutet die Teilung in zwei kleine Klassen. Sind es aber bis 30, dann gibt es nur eine, dann aber recht überfüllte Klasse.

Zu große Klassen machen sinnvolle Förderung schwer

Quint liegt fast immer an der Grenze. Das derzeitige vierte Schuljahr konnte noch geteilt werden - zum Glück für die Schüler. Die drei Folge-Jahrgänge hatten Pech. Und auch im neuen Schuljahr wird's wohl nicht besser: "Erst sah es nach 31 aus, jetzt werden es wohl doch weniger", sagt der Rektor mit Blick auf die Anmeldungen.

Klassengrößen an der Obergrenze aber "verhindern jede pädagogisch sinnvolle Differenzierung", analysiert die erfahrene Quinter Lehrerin Evelyne Locher. Gerade wo es in den ersten Schuljahren um die Sprach- und Ausdrucksförderung geht. "Wie oft kann ein Kind in einer Riesenklasse überhaupt zu Wort kommen?", fragt sich die Pädagogin. Differenzierte Förderung, Wertevermittlung seien da kaum realisierbar. Und damit sei "das Scheitern sprachlich schwächerer Kinder deutscher oder ausländischer Herkunft vorprogrammiert".

Das schafft Probleme, selbst in einem Schul-Biotop wie Quint. Gerade angesichts ständig reduzierter Förderlehrer-Stunden. Und Lehrerin Locher spricht wohl nicht nur für ihre eigene Schule, wenn sie eine Schlüsselfrage aufwirft: "Was nützt die beste Ausstattung, der tollste Computer, das vielfältigste Material, wenn kein Personal da ist, das den Anspruch individuellen Förderns auch umsetzen kann?".

Am Samstag in unserer Serie: Das Max-Planck-Gymnasium