Das Problem mit den Vorschusslorbeeren

Das Problem mit den Vorschusslorbeeren

Drei Medaillen für deutsche Alpinfahrer in Sotschi - das ist aus Sicht des ehemaligen Weltmeisters und Olympiasiegers Markus Wasmeier ein realistisches Ziel. Die Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf den Schultern von Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther.

Schliersee/Trier. Die Erinnerungen ans Jahr 1992 sind schmerzhaft. Markus Wasmeier reiste damals mit reichlich Vorschusslorbeeren zu den Olympischen Winterspielen nach Albertville. Die Erwartungshaltung war hoch. Wasmeier registrierte das und bekam das Flattern. "Und schwups wurde ich in der Abfahrt nur Vierter", erinnert sich der heute 50-Jährige im TV-Gespräch. Eine Enttäuschung, zählen doch gerade bei Olympia vor allem Medaillen.TV-Olympia-Check


In Kürze reist Felix Neureuther mit reichlich Vorschusslorbeeren zu den Spielen nach Russland. Er ist Medaillenkandidat im Slalom und Riesenslalom. "Ich habe Felix aus eigener Erfahrung heraus den Tipp gegeben, sich gut abzuschotten und die Medien nicht so nah an sich ran zu lassen", sagt Wasmeier. Der Ex-Skirennläufer aus Schliersee (Oberbayern) kennt Neureuther schon lange und bezeichnet sich als engen Freund der Familie. Wasmeier ist guter Dinge, dass der Partenkirchener dem Druck standhält: "Er ruht momentan extrem in sich."Gute Strecken für Höfl-Riesch


Es könnte also was werden mit einer deutschen Männermedaille. 2010, bei den Winterspielen in Vancouver, waren ausschließlich die Frauen für Edelmetall verantwortlich. Maria Höfl-Riesch gewann Gold in der Super-Kombination und im Slalom. Viktoria Rebensburg staubte überraschend Gold im Riesensalom ab.
In den Bergen östlich von Sotschi traut Wasmeier vor allem der Gesamtweltcupführenden Höfl-Riesch den Sprung aufs Siegerpodest zu - in der Abfahrt, im Slalom oder auch in der Super-Kombination: "Die Strecken kommen ihr entgegen, vor allem die Abfahrt könnte auf Maria zugeschnitten sein."
Doch die Konkurrenz ist groß. Wasmeier: "Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist im Riesenslalom und Slalom in Topform. Auch in der Kombination kann sie als Außenseiterin zuschlagen."
Schwer einzuschätzen ist das Leistungsvermögen von Rebensburg. "Sie war von Krankheiten gebeutelt. Sie kann ohne Belastung fahren", glaubt Wasmeier.
Während der zweifache Olympiasieger von 1994 die Slalom- und Riesenslalomhänge in Russland für die Männer und Frauen als weniger tückisch einstuft, hätten es die Strecken für die schnellen Herren-Disziplinen in sich: "Die Abfahrt ist technisch anspruchsvoll, sehr schnell und hat viele Sprünge. Die Strecke für den Super G ist sehr selektiv."
Ein Gelände, auf dem auch der Gesamtweltcupführende Aksel Lund Svindal aus Norwegen gut zurechtkommen dürfte. "Er ist in überragender Form. Er könnte in Sotschi der Abräumer werden", sagt Wasmeier.
Zu den Medaillenkandidaten in den technischen Disziplinen zählt er Ted Ligety (USA), Marcel Hirscher (Österreich) und Alexis Pinturault (Frankreich).
Wasmeier hat aber auch noch einen Geheimfavoriten parat: "Nach eineinhalb Jahren Auszeit kommt der Amerikaner Bode Miller immer besser in Fahrt. Es wäre der absolute Hammer, wenn er aufs Stockerl fahren würde!"Extra

Olympia in Sotschi - sinnvoll oder Unsinn? Markus Wasmeier ist zwiegespalten: Einerseits seien die topografischen Voraussetzungen für die Alpinwettbewerbe gut: "Die Bergwelt östlich von Sotschi ist imposant. Dennoch weiß ich nicht so recht, ob ich mich richtig freuen kann." Ein Grund sind die massiven Bautätigkeiten binnen sieben Jahren in den Tälern. Wasmeier: "Ich bezweifle, dass es Herzblutspiele werden." Die deutschen Starter: Frauen: Christina Geiger (SC Oberstdorf), Maria Höfl-Riesch (SC Partenkirchen), Viktoria Rebensburg (SC Kreuth) und Barbara Wirth (SC Lenggries) Männer: Fritz Dopfer (SC Garmisch), Stefan Luitz (SC Bolsterlang) und Felix Neureuther (SC Partenkirchen) Die Strecken: Sämtliche alpinen Skientscheidungen werden in Rosa Chutor 70 Kilometer östlich von Sotschi ausgetragen. Die Pisten liegen an den Hängen der Aibga-Bergkette. Sie wurden vom ehemaligen Schweizer Skirennläufer Bernhard Russi konzipiert. Die Wettbewerbe (Uhrzeiten mitteleuropäische Zeit): 9. Februar, 8 Uhr: Abfahrt, Männer 10. Februar, 8/12 Uhr: Super-Kombination, Frauen 12. Februar, 8 Uhr: Abfahrt, Frauen 14. Februar, 8/12.30 Uhr: Super-Kombination, Männer 15. Februar, 8 Uhr: Super-G, Frauen 16. Februar, 8 Uhr: Super-G, Männer 18. Februar, 8/11.30 Uhr: Riesenslalom, Frauen 19. Februar, 8/11.30 Uhr: Riesenslalom, Männer 21. Februar, 13.45/17.15 Uhr: Slalom, Frauen 22. Februar, 13.45/17.15 Uhr: Slalom, Männer

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