„Das Sonic Visions brachte uns zum Label“

Luxemburg · Das Sonic-Visions-Festival legte vor drei Jahren den Grundstein ihrer inzwischen internationalen Erfolge. Seitdem machen die Newcomer aus Luxemburg ihrem Namen alle Ehre und spielten kurzlich sogar auf Deutschlands größtem Clubfestival. Wir sprachen mit Gitarrist Benjamin Heidrich.

Ihr seid die Band Seed To Tree, die sich gerade auf Samtpfoten an Deutschland heranpirscht. Wo konnte man euch bisher hierzulande live erleben?
Benjamin: Zweimal haben wir in Trier gespielt, zuerst auf dem Altstadtfestund dann auf dem Sound & Vision - beide Gigs fanden erst in diesem Jahr statt. Wir haben bisher auch schon in Bremen gespielt und auch in Berlin hatten wir schon funf Konzerte. Außerdem waren wir Ende September zum ersten Mal auf dem Reeperbahn-Festival in Hamburg fur zwei Tage, haben Interviews gegeben und unseren Gig gespielt. Dafur haben wir uns vorher extra eine Woche in eine kleine Ferienhutte zuruckgezogen, um unser Konzept fur das Festival zu planen. Man hat nur 40 Minuten Zeit, um zu zeigen, was man kann. Da muss man die Leute direkt "ziehen" und von Anfang an Vollgas geben.

Man sagt, ihr seid die Fleet Foxes aus Luxemburg, obwohl euer Sound auch irische Elemente enthält und euer Bandname von der US-Rockband Blind Melon stammt. Wie kann man euren Stil beschreiben?
Benjamin: Als wir begonnen haben, Musik zu machen, waren wir zu dritt und die Akustikgitarre von Georges, unserem Sänger, war präsenter. Jetzt sind wir mit Benjamin Renz und Jean-Marc Feltz zu funft, mit Keyboard und Bass, und unser Sound ist eher eine Art Indie-Folk geworden. Die Indie-Einflusse werden immer stärker. Im Moment höre ich viel Ben Howard und Daughter- ich mag die Ambiente- und verspielten Gitarren, die im Hintergrund schweben. In unserer Band bringt jeder seinen eigenen Stil mit ein. Zu Zeiten der Bandgrundung haben wir, wie jede neue Band, lange nach einem Namen gesucht, der uns am besten beschreibt. "Seed To Tree" fanden wir einfach passend. "Vom Samen zur Pflanze" beschreibt sehr gut den Weg, den wir gerade gehen. Wir haben als etwas Kleines begonnen, das zu etwas Großem heranwächst. Fruher haben wir viel im Irish Pub gespielt. Daher kommt vielleicht auch der irische Einfluss. Damals haben wir unter anderem auch irische Songs gecovert. Da wurden wir häufig mit Folk-Bands verglichen, weil wir eine Mandoline und eine akustische Gitarre haben. Den Vergleich macht man nie selbst, sondern die Leute tun es.

War die Gründung einer Band ein klassischer Kindheitstraum?
Benjamin: Nein, ich wurde sagen, es ist eher ein Erwachsenentraum geworden. Bisher geht noch jeder von uns anderen Beschäftigungen wie Studium oder Job nach, aber wir wurden uns, wenn es klappt, gerne voll und ganz dem Bandprojekt widmen.

Ist es fur eine luxemburgische Band einfacher, ins Ausland zu gehen, weil es nicht so weit entfernt und das eigene Land klein ist?
Benjamin: Nein, so einfach ist das nicht. Es gibt viele gute Bands hier, aber viele aus dem Pop- oder Punk-Bereich hören nach wenigen Jahren wieder auf. Es gibt nicht viele, die wirklich weit gekommen sind. Es ist nicht selbstverständlich, als Luxemburger Band ins Ausland zu gehen. Wir hatten viel Gluck, weil wir bei dem uberregionalen "Multipistes-Programm" mitgemacht haben und dadurch viele Kontakte bekommen konnten. Dadurch haben wir in der Großregion - Metz, Nancy, Belgien - gespielt. Wenn es in Frankreichdann gut funktioniert, bleibt man erst mal da und wir sind da auch geblieben. Jetzt geht es weiter mit Deutschland. Durch die Konzerte in Berlin und unser Hamburger Label "Believe Digital" ist Deutschland fur uns mehr in den Fokusgeruckt. "Believe Digital" ist ubrigens ein Digital Distribution Label. Das bedeutet,dass wir als Kunstler unsere Rechte an der Musik behalten durfen.

Wie kamt ihr zu diesem Label?
Benjamin: Wir besuchen jedes Jahr Musikkonferenzen wie das Sonic Visions und kamen dadurch an dieses Label. Unser Manager hat uns vermittelt.

Auf dem Sonic Visions seid ihr in diesem Jahr zum dritten Mal mit dabei - was ist das Besondere an diesem Event?
Benjamin: Wir haben dort damals unser Release gegeben und kennen dieRockhal sehr gut. Wir finden es super, dass die Rockhal den Bereich "Music & Ressources" hat, der Nachwuchskunstler fördert und zu dem auch das Sonic Visions gehört. Damals haben wir mit dem Rockhal-Team unser Release, das auf dem Sonic Visions stattfand, gemeinsam geplant. Man bekommt hier gute Tipps und viel Unterstutzung. Das Festival selbst ist besonders cool wegen seiner besonderen Struktur: Man kann morgens zu den Konferenzen gehen und abends die Konzerte schauen.