Das Windrad stört des Jägers Ruh

Das Windrad stört des Jägers Ruh

Ein gleichmäßiges Surren und Brummen wird Helmut Heindrichs zukünftig auf der Jagd begleiten. Sechs Windräder sollen im Kern seines Reviers Zettingen gebaut werden. Zum großen Ärger des Jagdpächters. Dieser fordert aufgrund dessen eine Pachtminderung für sein Revier.

Cochem-Zell/Zettingen. Der Jagdpächter Helmut Heindrichs möchte weniger Pacht für sein Zettinger Revier bezahlen, weil dort sechs Windkraftanlagen geplant sind. Die Windräder, sagt Heindrichs, würden das Verhalten des Wildes und auch das Naturerlebnis bei der Jagd erheblich beeinträchtigen.

Er kündigt an, den Pachtvertrag unter diesen Umständen eventuell nicht zu verlängern. "Das Jagdrevier Zettingen wird mit dem Baubeginn landschaftlich und jagdlich nicht mehr das Revier sein, das ich einmal gepachtet habe", begründet der in Köln lebende Pächter seine Anliegen.

Er beklagt, dass etwa Tierarten wie der Uhu oder die Wildkatze vom Rotieren der Windräder und den Licht-Schatten-Effekten aus dem Revier vertrieben würden.

Die Jagdgenossenschaft und die Gemeinde Zettingen werden in den kommenden Tagen über eine mögliche Pachtminderung diskutieren. Werner Stein, Vorsitzender der Zettinger Jagdgenossenschaft: "Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zum Pächter. Wir möchten ihn nicht verlieren."

Das möchte auch Helmut Heindrichs nicht: "Bisher war das Verhältnis sehr harmonisch. Ich hoffe, wir einigen uns. Ich fühle mich in dem Revier eigentlich sehr wohl." Nach Angabe von Ortsbürgermeister Hans-Josef Schaden sind die sechs Grundstücke, auf denen die Windräder aufgestellt werden, alle in Privatbesitz. "Wir haben als Gemeinde ,Ja‘ zu den Windkraftanlagen gesagt, weil auf der Wirfuser Seite der Gemarkungsgrenze ja sowieso schon welche stehen."

Die Gemeinde Zettingen, so Schaden, verdiene nur an den Gebühren, die für die Nutzung der Wege gezahlt werden. Kreisjagdmeister Lorenz Steden sind Beschwerden über Windräder aus dem Kreis Cochem-Zell bisher nicht bekannt.

Er erinnert sich aber an einen Fall im Kreis Bitburg-Prüm, bei dem die Jagdpacht wegen Windrädern gemindert wurde. Ein Urteil zu dieser Problematik gebe es seines Wissens jedoch noch nicht. Manfred Adelberger hat vor vier Jahren das Jagdrevier Eppenberg übernommen.

Damals standen bereits Windräder, gepachtet hat er trotzdem. "Ich wusste ja worauf ich mich einlasse: Mit der Waldesruh ist es vorbei, wenn man unter einem Windrad sitzt", erzählt er und fügt hinzu, dass sich das Wild allerdings an die Geräusche der Windkraftanlagen gewöhnt: "Selbst das Rotwild läuft darunter her", so Adelberger.

Er gibt aber zu: "Ohne Windräder ist das Jagen schöner." Pächter Heindrichs aus Köln verbringt fast jedes Wochenende in Zettingen, genießt vom Hochsitz aus die Ruhe und Weite der Eifel. Jagen bedeutet für ihn vor allem das Erleben der Natur. An Treibjagden nimmt er nicht teil, er schießt nur vom Ansitz. "Stehen die Windräder erst einmal, ist für mich der Erholungswert bei der Jagd weg", klagt er. Der 55-Jährige hat fast alle Hochsitze im Revier selbst gebaut und in die Landschaft so eingepasst, dass sie kaum auffallen. "Und jetzt zerstören Windräder bald mitten im Revier die Landschaft."

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