Dauerhaft verkannt?

Dauerhaft verkannt?

TRIER. Er wurde schon 14-jährig Domorganist, überwarf sich mit Vorgesetzten, ging 1845 mit 24 Jahren nach Paris und brachte es immerhin zum Organisten an der Kirche St. Sulpice. Im Trierer Musikleben spielt der Komponist des "Mosellieds" nahezu keine Rolle mehr. Ob sich sich das durch eine CD des "Vereins Trierisch" ändert, bleibt abzuwarten.

Georg Schmitt (1821-1900) gehört zu den Trierer Musikern, die von der Nachwelt mit hartnäckiger Ignoranz bedacht werden. Seit seiner Wiederentdeckung im Jahr 1980 kreisen die Bemühungen vereinzelter Musiker um Schmitt im vergleichsweise engen Zirkel von Lieder, Klavier-, Chor- und Orgelmusik. Ausgedehntere Kompositionen schlummern dagegen nach wie vor in der Trierer Stadtbibliothek. Vor einigen Monaten hat sich Klauspeter Bungert, der vor Jahren bereits eine Doppel-CD mit Klavierwerken des gebürtigen Trierers einspielte, erneut für Schmitt eingesetzt und in Verbindung mit dem "Verein Trierisch" eine CD mit Orgelmusik herausgebracht. Zumindest im Orgelmusikbereich wirft sie kein neues, aber doch ein helleres Licht auf den Komponisten Georg Schmitt. Die eingespielten Orgelkompositionen gehören fast ausnahmslos in die Klasse des geistlichen Charakterstücks. Sie belegen, was schon an den Liedern und den Klavierstücken auffiel: Schmitt hatte sich spätestens seit seinem Wechsel nach Paris zu einem Komponisten entwickelt, der Volkstümlichkeit und kompositorisches Niveau geschickt auf einen Nenner brachte. Klauspeter Bungerts Interpretation setzt gezielt auf das volkstümliche Element der Schmittschen Musik, auf ihren einkomponierten Schwung. Das schützt die Interpretation vor Trivialität, aber auch vor überzogenen Ansprüchen an die Werke. Ob die CD eine Schmitt-Renaissance einleitet, bleibt indessen abzuwarten. Wirklich neue Aspekte bietet sie nicht. Was der Interpret im Begleitheft zur CD andeutet, könnte Wirklichkeit werden: dass Schmitt irgendwann in Trier völlig vergessen wird. Georg Schmitt: Orgelmusik, Klaviermusik. Klauspeter Bungert an der Tschöckel-Orgel der Pfarrkirche St. Antonius und am Klavier. Erhältlich in den Trierer Musikhäusern sowie über die MK-Produktion, E-Mail: musikkreis@t-online.de.

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