| 20:50 Uhr

Berlin
Der Mann, der die Hoffnung tötet

Herthas Davie Selke traf gegen Köln doppelt. Für den FC ist der Klassenerhalt nach dem 1:2 kaum noch drin.
Herthas Davie Selke traf gegen Köln doppelt. Für den FC ist der Klassenerhalt nach dem 1:2 kaum noch drin. FOTO: Ralf Hirschberger / dpa
Berlin. 90 Minuten in Berlin zeigen, warum der 1. FC Köln in der neuen Saison wohl in Liga zwei spielt. Torjäger Davie Selke hat kein Mitleid.

(dpa) Die letzten Erstliga-Hoffnungen blieben zurück in der Hauptstadt. Der designierte Absteiger 1. FC Köln hat am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga bei Hertha BSC nicht nur erneut einfältig und auch ein Stück unglücklich ein Spiel verloren  zum 19. Mal in dieser Spielzeit. Berlins Doppeltorschütze Davie Selke raubte den Profis und Verantwortlichen des FC zugleich den Glauben, in den letzten vier Runden noch das Rettungswunder schaffen zu können. „Ganz ehrlich, viel Hoffnung habe ich nicht“, sagte Leonardo Bittencourt.

Der Brasilianer hatte mit seinem Führungstor (29. Minute) vor 49 253 Zuschauern im Olympiastadion – darunter mindestens 5000 Kölner Anhänger – die Hoffnungsflamme noch einmal angezündet. Herthas Profis mussten nach 350 torlosen Heimminuten bereits gellende Pfiffe der eigenen Fans ertragen. Doch nach dem sechsten und siebenten Saisontreffer von Hertha-Stürmer Selke, beide von Nationalspieler Marvin Plattenhardt vorbereitet, war sie wieder verloschen. „Die Situation ist schon lange schwierig. Wieder da, wieder weg, das musst du erst mal hinkriegen. Es ist nicht so angenehm. Und dann gehst du halt wahrscheinlich runter. Deshalb auch“, sagte FC-Sportdirektor Armin Veh. Seine Planungen für Liga zwei laufen längst.

Mit 21 Zählern fehlen dem Tabellenschlusslicht weiter sechs Punkte auf Relegationsrang 16. Der 1. FSV Mainz (27) kann am Montag zum Abschluss des fünftletzten Spieltags gegen den FC Freiburg (30) den Abstand sogar noch ausweiten. „Ich mache mir keine Gedanken darüber, wie viel Punkte wir noch holen müssen, ob es rechnerisch noch möglich ist“, bemerkte der am Saisonende wieder scheidende Interimstrainer Stefan Ruthenbeck zur Frage, wie es mit seinen Hoffnungen noch stehe.

„Irgendwann“, meinte der FC-Coach, „glaubst du auch nicht mehr dran“ nach allem, was in der Saison gelaufen sei. In Berlin hatte Ruthenbeck vor Herthas Siegtor eigentlich einen Einwurf für sein Team gesehen. In den nächsten Spielen gegen Schalke und Freiburg gehe es vor allem darum, „sich gut zu verkaufen“, weil es für die Konkurrenz noch um wichtige Entscheidungen geht. Die Entscheidung um die eigene Zukunft ist für Köln wohl gefallen. Das 2:1 und damit der erste Heimsieg der Hertha im Jahr 2018 zeigte im Schnelldurchlauf nochmals das ganze Dilemma, das die Kölner seit Saisonbeginn begleitet. „Wir haben ein Tor gemacht“, sagte Veh, „dann haben wir in drei Minuten das Spiel verloren. Es war wieder ein Schock aus dem Nichts raus. Das haut dich schon erst einmal runter.“ Die Kölner bekamen in Berlin zwar den Kopf nach Selkes Doppelschlag (49., 52.) wieder hoch. Es fehlten aber die Cleverness und letzte Konsequenz zu einer nochmaligen Wende. Sportchef Veh wird nun „zeitnah“ die wichtigste Entscheidung für die neue Saison verkünden: den Trainer. Der gebürtige Kölner und frühere Trierer Markus Anfang, mit Kiel gerade auf dem Weg in Liga eins, soll wohl den sofortigen Wiederaufstieg der Kölner verantworten.

(dpa)