Der Marathon-Mann

Der Marathon-Mann

Leben für den Marathon: Johann Leuther beim Tokio-Marathon. Seinen 104. Lauf absolvierte Leuther in Tokio. Ein paar Nächte vor dem Rennen brach in seinem Hotel Feuer aus.

Tokio. (teu) Erst dachte Johann Leuther aus Kobscheid an nichts Böses, als ihn um ein Uhr in der Nacht ein Gepolter auf dem Hotelflur wach rüttelte: Doch nach einer ersten Lautsprecherdurchsage war der 59-Jährige sofort auf den Beinen. Die war auf Japanisch, und Leuther dachte an eine Erdbebenwarnung. "Ich war sofort aus dem Bett. Dann die nächste Durchsage auf Englisch: Feuer!", erzählt er. Unter seiner Zimmertür quoll bereits Rauch. In aller Eile zog sich Leuther an und trat auf den Flur. "Der gewohnte Weg zum Treppenhaus war durch die Feuertür versperrt", erzählt er. Im Laufschritt erreichte er die Fluchttreppe. Sein Zimmer im fünften Stock konnte Leuther nicht mehr beziehen. "Das Löschwasser stand im Zimmer und ein giftiger Gestank ließ uns schnell wieder verschwinden", erzählt er. Gegen sechs Uhr morgens wurde er in ein anderes Hotel umquartiert, eigentlich nicht die ideale Vorbereitung auf einen Marathonlauf drei Tage später. 103-mal hat Leuther bereits vor dem Tokio-Marathon die klassische 42,195-Kilometer-Distanz bewältigt. Auf fünf Kontinenten war er unterwegs. Auch wenn die Feuernacht seine ungewöhnlichste vor einem Rennen war, besichtigte Leuther am nächsten Tag wie geplant das Olympiastadion von 1964.Der Renntag begann halb in der Nacht: Abfahrt zum Startgelände am höchsten Rathaus der Welt um sechs Uhr. Statt aufgeregt in der morgendlichen Kühle umherzulaufen, verbrachte Leuther die Zeit bis kurz vor dem Start in einem Café. Zusammen mit 25 000 weiteren Läufern erlebte Leuther dann fünf Stunden und 35 Minuten die japanische Marathon-Begeisterung von Zehntausenden. "Ich lief in meinem Deutschland-Shirt, und viele riefen Deutschland", erzählt Leuther. "Die Leute freuten sich, einen so gut gelaunten Marathoni anfeuern zu können."