Die Brunftzeit naht

Die Brunftzeit naht

LUXEMBURG/TRIER. Mit tausenden von Veranstaltungen zwischen Luxemburg, Metz, Saarbrücken, Lüttich und Trier wird das Europäische Kulturhauptstadtjahr 2007 das größte Kultur-Festival, das die Region je gesehen hat. Der Startschuss am 9. Dezember vermittelt einen Eindruck von dem monumentalen Angebot.

Zwei Jahre lang war "der Hirsch" ein unvermeidliches Thema bei jeder Pressekonferenz, jedem Termin. Gut 50 Tage vor dem Startschuss zur Kulturhauptstadt in der Großregion scheint es nun, als habe man sich an das Logo des ganzjährigen Mammut-Festivals endlich gewöhnt. Auf einmal wird nicht mehr über den Hirsch geredet, sondern über das Programm. Letzteres sprengt alle Dimensionen. Niemand ist derzeit in der Lage, die exakte Zahl der Veranstaltungen zu nennen, die in Luxemburg oder den Nachbarregionen derzeit vorbereitet werden. Mehrere tausend sind schon jetzt annonciert, von Klassik bis Avantgarde, von Ballett bis Dancefloor, von der Kinderbelustigung bis zum Senioren-Amüsement. Ein ganzer Packen Hochglanz-Broschüren versucht, das Chaos zu ordnen und Struktur in die unendliche Vielfalt zu bringen. Jugendangebote, neue Spielstätten, Festivals werden vorgestellt. Die Organisatoren wollen die Programmflut in vier Jahreszeiten gliedern, entlang der Quartale des Jahres 2007. Ein nutzerfreundlicher Internet-Auftritt soll erlauben, nach Themen, Terminen und Spielstätten sortiert sein individuelles Programm zusammenzustellen. Aber noch steht "in Vorbereitung" auf den Programm-Seiten von www.luxembourg2007.org und die französische Variante "à suivre" klingt zwar charmanter, aber auch nicht informativer. Dafür kann man aber schon jetzt den "Pass 2007" erwerben, der für 100 Euro jede Menge Gratis-Veranstaltungen und Rabatte garantiert. Um die Wartezeit auf das Hauptmenü zu verkürzen, hat man schon mal die Speisekarte für den Eröffnungstag bekannt gegeben. Und die begeistert selbst verwöhnte Kultur-Gourmets, zumal die Appetithappen auch ohne 2007-Pass komplett gratis serviert werden. Am 9. Dezember, einem Samstag, öffnen um 11 Uhr alte Museen und kulturellen Institutionen in Luxemburg-Stadt ihre Pforten. Ob experimentelle Kunst im Casino, moderne Malerei im neuen Mudam, Historisches im Nationalmuseum, Biologisches im Naturhistorischen Museum, National-Archiv und -bibliothek: Alles steht den Besuchern kostenlos offen. Ab 18 Uhr gehört die ganze Stadt den Künstlern. Am Bahnhof ertönt der "Gesang der Sirenen", bevor sich gigantisch-fantasievolle Ballonfiguren auf den Weg in die City machen, begleitet von Fanfarenzügen aus ganz Europa. "Karneval in der Stadt" versprechen die Veranstalter, bevor ab 20.30 Uhr am Pont Adolphe ein musikalisch-pyrotechnisches Kunst-Feuerwerk gestartet wird. Ab 21 Uhr gibt es keine freie Halle mehr in der Stadt. In den Rotunden am Bahnhof sind Top-DJs aus aller Welt zu Gast, die Abtei Neumünster lädt zu einem Beatles-Tribute-Festival mit der Luxemburger Rock-Szene. In der Philharmonie gastiert die Amerikanerin Maria Schneider mit ihrem als "beste Bigband der Welt" apostrophierten Orchester (Wer sichergehen will, dass er reinkommt: Gratis-Tickets unter 00352/26322632). Im Kapuzinertheater präsentiert Sasha Ley ein Cabaret-Programm über "Das mit den Männern und Frauen", das Nationaltheater lädt zu einer nachtschwarzen Märchenstunde für Erwachsene. Auch für die Grand Opéra ist ein eigenes Programm angekündigt. Wem danach oder stattdessen nach Party zu Mute ist, braucht nur zum "Knuedler" im Herzen der Stadt: Auf der Place Guillaume lädt ein 4000-Personen-Zelt zur "Nacht der Regionen" ein. Die Organisatoren haben übrigens angekündigt, dass es Shuttle-Busse sowie ein "zusätzliches nationales und internationales ÖPNV-Angebot" zum Eröffnungstag geben soll. Auch darauf darf man gespannt sein. TV-Leser wissen mehr: Wir informieren ab Dezember in regelmäßigen Rubriken und mehreren Sonder-Publikationen über das Programm der Kulturhauptstadt. Im Vorfeld werden auch die Veranstaltungs-Projekte in der Region Trier vorgestellt.