"Die große Flut" über Freudenburg

"Die große Flut" über Freudenburg

FREUDENBURG. "Hattler" im Ducsaal. Das sind zwar bereits bekannte Gäste. Doch keineswegs Vertreter der Musikrichtung, die im bluesgewöhnten Club sozusagen zur Stammkost gehört. Ihr jazzorientierter Clubsound lockt dennoch ein vielköpfiges Publikum an.

Hinter dem Bandnamen "Hattler" verbirgt sich das im Jahr 2000 ins Leben gerufene Musik-Projekt des - mittlerweile schon legendären - deutschen Bassisten Hellmut Hattler. Mit jungen Musikern baut er in zunehmender Weise die Elektronik in den Sound seiner Gruppe ein. Bereits das erste Album von "Hattler", "No Eats Yes", wurde im März 2001 in der Sparte "beste Jazzproduktion des Jahres" mit dem deutschen Musikpreis "Echo" ausgezeichnet. Zum Erscheinen der dritten CD des Projekts, "The Big Flow", ist die Band jetzt mit neuer Besetzung auf Deutschland-Tournee. Der Auftritt in Freudenburg steht dabei ganz am Anfang. Neben Hellmut Hattler gehören Sängerin Fola Dada, Torsten de Winkel an der Gitarre, der E-Sitar sowie den Keyboards und Schlagzeuger Oli Rubow zum 2006-Line-up. Direkt zu Beginn des Konzerts fällt auf, dass zumindest Hellmut Hattler in Freudenburg ein "alter Bekannter" ist. Nach der Ansage von Ducsaal-Chef Manfred Weber, der die Band zweimal zum Auftritt ruft, kontert der 54-jährige Hellmut Hattler: "Ich wollte mich noch umziehen. Der Manni müsste eigentlich wissen, dass man sich in meinem Alter nicht mehr scheuchen lässt!" Dann legt er sofort mit einem kraftvollen Bass-Solo los. Von diesem Moment an geht im Ducsaal die Post ab. Es folgt der Titel "So Low" vom neuen Album "The Big Flow", der schon recht bekannt ist, denn er wurde vor dem offiziellen Erscheinen der Hattler-CD international bereits auf elf (!) Compilation-Alben mit einer Gesamtauflage von weit über 200 000 Exemplaren veröffentlicht. Auch in Freudenburg ist das Stück vielen Zuhörern bekannt, wie an ihren Reaktionen zu erkennen ist. Doch auch ohne Wiedererkennungswert - mit hämmerndem Rhythmus und einschmeichelndem Gesang Fola Dadas geht der Titel ins Ohr. Überhaupt Fola Dada: Sie verleiht den Songs mit ihrem souligen Timbre noch das gewisse Extra-Quäntchen. Die 1977 in Stuttgart geborene Background-Sängerin von Joy Denalane ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch während des gesamten zweistündigen Konzerts - auch mit gekonntem Scat-Gesang - ein musikalischer Gewinn für "Hattler". Als weitere Verstärkung für das Projekt erweist sich Torsten de Winkel, der als exzellenter Gitarrist und zudem an der elektrischen Sitar musikalische Glanzlichter setzt. Oli Rubow haucht an den Drums und mit Percussion-Instrumenten den Elektrobeats gekonnt Seele ein.Der große Blonde mit der dunklen Brille

Neben einem orientalisch inspirierten Titel und weiteren Stücken vom neuen Album gehören auch Songs der vorangegangenen "Hattler"-CDs zum Programm, so etwa "Miss America" oder der Titelsong des "Mallberry Moon"-Albums von 2003. Die Musik von "Hattler" gefällt sowohl dem eher groove-orientierten Publikum als auch den Zuhörern, die sich mehr dem tanzbaren Sound widmen. Zu Hellmut Hattler selbst ist zu sagen: Der große Blonde mit - diesmal - dunkler Brille bietet seine bekannt hervorragenden Finger-Läufe auf den vier Bass-Saiten, hat auch noch seine Hüpfer während des Spiels sowie einen Kniefall vor Sängerin Fola Dada drauf. Die musikalischen Dialoge zwischen Hattlers Bass und de Winkels Gitarre gehören zu den Höhepunkten des Konzerts. "Hattler" ist auf dem besten Weg, nach den Kraut-Rockern "Kraan" sowie der weltweit bekannten Acid-Jazz-Formation "Tab Two" mit Joo Kraus in den 90er-Jahren Hellmut Hattlers drittes Projekt zu werden, das musikalische Maßstäbe setzt.

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