Die übermütige kleine Schneeflocke

Die übermütige kleine Schneeflocke

Lange hat die kleine Schneeflocke in der dicken Wolke auf ihre Stunde gewartet. Wann endlich durfte sie wie ihre älteren Kollegen auf die Erde hinunterwirbeln? "Du musst noch warten, kleine Schneeflocke", sagte die Wolke.

"Es ist zu warm heute da unten in der Stadt." Die kleine Schneeflocke aber quengelte und quengelte. Sie hatte keine Lust mehr, immer nur zu warten, und - schwups - hüpfte sie von der Wolke und machte sich aus dem Staub. Ach, wie herrlich war es, durch die Luft der Erde entgegen zu schweben! "Schön ist das Leben", sang sie. Fröhlich wirbelte sie durch die Luft, wiegte sich im Wind, tanzte mit einem Blatt um die Wette und freute sich. Elegant landete sie schließlich mitten auf einer tropfenden Kindernase. "Eine komische Erde ist das", rief sie und sah sich verwundert um. "Wo bin ich da bloß gelandet?" Vor Aufregung begann sie zu schwitzen. Ihre Kristallsternenarme wurden schwer und schwerer, und sie fühlte sich auf einmal so nass...ssssssss. Schon war aus der übermütigen Schneeflocke ein Wassertropfen geworden, und der rann - eins, zwei, drei - nasenabwärts und tropfte schließlich auf die nasse Straße. Zuerst war die Schneeflocke traurig, dann aber begann sie sich zu ärgern. Das würde ihr kein zweites Mal passieren. "Ich komme wieder", rief sie, und es schien fast, als drohte sie mit den Fäusten. "Irgendwann bestimmt. Ihr werdet es schon sehen!" Elke Bräunling

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