1. Die Woch

Motor: Audi Q8: Zwischen Hass und Hype

Motor : Audi Q8: Zwischen Hass und Hype

Der WOCH-Fahrbericht, heute mit dem Ingolstädter Crossover-SUV auf Basis eines Sechszylinder-Diesel.

SUV, 2,2 Tonnen schwer, drei Liter Hubraum, Sechszylinder und dann noch ein Diesel. Ist das noch zeitgemäß in einem temporären Umfeld, in dem keine andere Fahrzeuggattung wie diese Stadtgeländewagen so viel Kritik, wenn nicht Vorurteile oder sogar Hass auf sich zieht? Also gehen wir der Sache doch mal auf den Grund anhand unseres heutigen Fahrberichtes: Der Audi Q8 50 TDI.

Vergleiche haben gezeigt: Den Dickschiffen wird oft zu Unrecht nachgesagt, sie verbrauchten unendlich mehr Kraftstoff. Sie seien monströser als vergleichbare Autos und stießen größere Mengen an CO2 aus. Gut, an diesem Audi Q8 scheint alles am Auftritt nach Aufmerksamkeit zu schreien. Guckt mal, hier bin ich: groß, wuchtig, exorbitant. 4,98 Meter lang, 1,99 Meter breit, 1,70 Meter hoch. Ok, das ist eine Hausnummer. Einigen wir uns also der Einfachheit halber auf fünf Meter lang und zwei Meter breit.

Zur Ehrenrettung dieser Fahrzeuggattung Marke wuchtig darf aber auch gesagt worden: Eine Limousine mit Premiumcharakter – egal ob sie aus Ingolstadt, München oder Stuttgart kommt – ist weder kleiner noch schmäler, noch läuft weniger Sprit durch ihre Brennräume. Und sogar das Tesla Model X, ein Elektro-SUV-Van-Crossover, ist mit 5,05 Meter nun nicht gerade ein ökologischer Winzling. Dass proportional vergleichbare Großraumlimousinen wie etwa ein VW Multivan oder eine Mercedes V-Klasse nicht die gleichen emotionalen Eruptionen hervorrufen wie so ein „böser“ SUV, kommt noch nicht gerade vor­urteils­frei hinzu.

Dass 2,2 Tonnen Blech und anderes Material nicht mit einem „Schnapsglaserl“ voller Diesel über Hunsrück- und Eifelhöhen gezogen werden können, liegt in der Natur der Sache. Also in der natürlichen Gegebenheit der physikalischen Grenzen. Audi gibt 8,2 Liter für 100 Kilometer nach WLTP an, wir lagen bei knapp unter zehn Litern. Aber wer sich ein solches Fahrzeug mit diesen Volumina, mit einem Heer an Assis, komfortabelsten Premium-Materialien, beheizbaren und belüfteten Massagesitzen, einer Audio-Anlage vom Feinsten, Head-Up-Display, Freisprech­anlage, Smartphone-Vernetzung und weiterem zulegt, der schaut nun mal nicht nach einem Liter Sprit mehr oder weniger.

Der wundert sich auch nicht, dass auf die knapp 78.000 Euro „Basispreis“ auch noch einmal jede Menge Scheine obendrauf kommen. In den Infos, die uns die Audi-Presseabteilung kollegialerweise in solchen Fällen überlässt, standen unter dem Strich 113.579 Euro und ein paar Cent. Gut: Eine Menge Geld, aber auch eine Menge Gegenleistung, wie wir finden. Die drückt sich nicht nur im Vorhandensein von höchster Sicherheit für Insassen und andere Verkehrsteilnehmer, nicht nur in komfortabelster Vorwärtsbewegung und nicht nur im fahrenden Wohnzimmer-Ambiente aus, sondern auch im Fahrverhalten.

Der Q8 ist konsequenterweise ein Quattro-Allradler. Alles andere wäre auch ein „Schmarrn“, um die oberbayerische Herkunft zu zitieren. Da kommt aus den Brennräumen jede Menge Bums unten raus, der Koloss liegt wie – um mal im Konzern zu bleiben – ein S3 auf der Straße. Dass ein Fahrzeug mit diesem Aufbau dem Seitenwind natürlich Angriffsfläche bietet, und dass man das auch merkt: Wen wundert’s?

Ob jetzt ein Otto-V8 zu dieser fünf Meter langen und zwei Meter breiten Erscheinung mit einer Sonderlackierung namens „Drachenorange Metallic“ für 1100 Euro Aufpreis besser passt als der Sechszylinder-Diesel, ist eine Frage des Motoren-Evangeliums. Nach zwei Wochen mit diesem SUV-Crossover sind wir jedoch der Meinung, dass die Geschichte des selbstzündenden Verbrennungsmotors noch längst nicht zu Ende geschrieben sein sollte. Und sie ist es wohl auch noch nicht.