1. Die Woch

Audi RS4: Wie DTM mit Kofferraum

Motor : Audi RS4: Wie DTM mit Kofferraum

„Schöne Kombis heißen Avant.“ Diesen griffigen Spruch haben sich ein paar Marketing-Strategen bei Audi mal ausgedacht. Wir fügen hinzu: „Schnelle Kombis heißen RS.“ So wie beispielsweise der RS4, den die Ingolstädter jetzt einem Facelift unterzogen haben.

Dass ausgerechnet in diesen Tagen die Deutsche Tourenwagenmasters mit den dominierenden Audi-Boliden am Nürburgring gleich zweimal gastiert, ist indes nur (passender) Zufall.

Das Auffälligste an einem Fahrzeug, das es so wunderbar versteht, seine eigentlichen Qualitäten und Spaßfaktoren dank Allradantrieb, Hinterachsdifferenzial, Achtgangautomatik (wahlweise Paddel), und natürlich des 2,9 Liter großen Bi-Turbo V6 mit 450 PS hinter einem erfrischenden Mausgrau zu verbergen, ist die Tatsache, dass man sehr genau hinschauen muss, um dessen spezielle Detail-Unterschiede zu entdecken.

Als da wären: ein breiterer und flacher Grill, neue Schürzen, überarbeitete Leuchten und gegenüber dem normalen A4 um satte drei Zentimeter erweiterte Radhäuser. Dass im wie immer piekfeinen Interieur mit edelsten Materialien in ebensolcher Verarbeitung in punkto Digitalisierung und Konnektivität alles auf „State of the Art“ gebracht wurde, darf man bei einem Fahrzeug mit einem Basispreis jenseits der 80 000-Euro-Grenze auch schon einmal erwarten.

Dass man bei einem Fahrzeug, dass sich dank eines Kofferraumvolumens von 505 bis 1495 Liter beruhigt auch Kombi nennen darf, dagegen in Fauteuils gepresst wird, die DTM-Ambiente verstrahlen, gerät diesem allerdings zur ungewohnten Ehre. Das 12,3 Zoll große virtuelle Cockpit glänzt mit hochwertigen Grafiken und die Bedienung des neuen Infotainment-Systems ist in seiner Gesamtheit noch einmal etwas anspruchsvoller und intuitiver geworden.

Aber der RS4 ist auch in seiner überarbeiteten Fassung immer noch mehr Fahrmaschine als Transportfahrzeug. Die Blechkleid-Schneider haben es jedoch geschickt verstanden, den Audi-Sport-Performance-Probanden zu einem Renner mit angeflanschtem Stauraum zu degradieren. RS-Modelle haben, ungeachtet der Baureihe oder der Karosserieform (Sportback, Kombi), ihren eigenen, einzigartigen Charakter. Dank der eingangs erwähnten technischen Voraussetzungen ergibt sich eine vertikale Vorwärtsbewegung, die irgendwo zwischen gnadenlos, mitreißend, stürmisch und genussreich an zu siedeln ist.

Große Klappe: Der Audi RS4 vor der einzigen Kirche im Nationalpark in Muhl. Foto: Jürgen C. Braun

Wer es ganz exklusiv haben möchte, der sollte sich des Drive-Select-Schalters bedienen und diesen auf „Dynamic“ schalten. Einen ähnlichen Effekt erfüllt übrigens auch die zum Facelift gehörenden RS-Einstellung der Fahrmodus-Schnellwahltaste am Lenkrad. Aber auch hier gilt: Der RS4 verzeiht Vieles, bügelt technisch fahrerische Unzulänglichkeiten oder unnötige Experimente aus, aber auch er bewegt sich halt – und das ist gut so – immer noch innerhalb der Grenzen der Physik.