1. Die Woch

Unsere Vereine: Aus Annas Grundstein ist ein Hilfsanker für kranke Kinder und Familien geworden

Unsere Vereine : Aus Annas Grundstein ist ein Hilfsanker für kranke Kinder und Familien geworden

Annas Verein wurde im Jahr 2000 gegründet und sollte eigentlich nur für eine Veranstaltung bestehen. Daraus sind 20 Jahre geworden, denn die Hilfsbereitschaft und Kreativität der Menschen in der Region ist ungebrochen.

„Ich mache mich auf den Weg, wollt ihr mich begleiten?“ Das sind Worte von Anna Becker, die im Februar 2000 die Diagnose Krebs bekam und deren Todestag sich am 23. November zum 17. Mal jährt. Sie war ein außergewöhnliches Mädchen, das seine Krankheit annahm.

Ihre Mutter und Kassiererin von Annas Verein, Heidelinde Becker, sagt: „Anna war ein sehr offener Mensch, und ist offen mit ihrer Krankheit umgegangen. Sie war der Meinung, dass sich keiner mit irgendwas verstecken müsse.“ Während ihrer Krankheit sprach sie davon, ein großes Fest machen zu wollen, mit allen, die ihr geholfen haben, wenn sie „diesen Mist hier hinter sich habe“.

Das allererste wurde nachdem der Verein am 16. Dezember 2000 gegründet worden war, im Februar 2001 gefeiert. Nach einem Auftaktkonzert in der Veldenzer Kirche wurde zwei Tage lang in der Halle in Mülheim gefeiert. „Es haben so viele Vereine mitgemacht, es gab Musik, Tänze, die Feuerwehren waren engagiert und viele haben gespendet“, erinnert sich Annas Mutter. Danach wollten sie den Verein wieder auflösen, denn das Fest war gefeiert. Aber es kam anders.

„Ein Musikverein kam auf uns zu und sagte, sie würden gerne ein Benefizkonzert für Annas Verein machen und so ging es weiter, bis heute.“ Hermann Becker, Annas Vater und 1. Vorsitzender des Vereins meint: „Wir arbeiten sehr transparent mit den Spenden. Die Menschen wissen, für was ihr Geld investiert wird. Wir stellen immer Spendenbescheinigungen aus und wir achten darauf, dass die Buchführung so exakt ist wie in einem Unternehmen.“ Dazu kommt der persönliche Kontakt zu den Vereinen und Veranstaltern, die Annas Verein unterstützen.

Etwa 70 Termine hat Hermann Becker pro Jahr, bei Spendenaktionen oder Übergaben. Dabei geht er genauso zu Schulklassen oder in Kindergärten, die kleine Beträge geben, wie zu Vereinen, die mehrere Tausend Euro spenden. Er sagt: „Ein vierjähriges Mädchen hatte Bilder gemalt, sie bei einem runden Geburtstag eines Familienmitglieds verkauft und rund 24 Euro eingenommen. Natürlich bin ich auch dorthin gefahren und habe mich für das Engagement persönlich bedankt.“ Weiter erklärt er: „Genauso bin ich aber auch jedes Jahr bei der Heidweilerer Kirmes, bei der es eine Spendentombola zugunsten Annas Verein gibt. Hier helfen sehr viele Menschen Lose verkaufen, packen mit an und spenden mehrere Tausend Euro.“ Das sind für ihn die Gründe, warum Annas Verein nach 20 Jahren noch so aktiv ist.

Eine weitere Ursache für den Erfolg von Annas Verein sieht Hermann Becker im Bekanntheitsgrad des Vereins in der gesamten Region. Seine Frau Heidelinde ist davon überzeugt, dass Anna den Verein immer noch begleitet. „Sie hat uns gezeigt, wie man mit dem Leben umgeht, und sie wollte uns etwas sagen. Es ist unser Vermächtnis an sie.“

Der Verein hat inzwischen 200 Fördermitglieder und gliedert sich in Annas Verein, der die psychologisch onkologische Stelle der Villa Kunterbunt im Mutterhaus Trier und die Villa Woche unterstützt sowie das Projekt Anna, das eine Unterkunft für eine Auszeit der Familien finanziert. Außerdem gehört die Beratungsstelle Papillon zu Annas Verein, die sich um Kinder krebskranker Eltern kümmert. Dort sind zwei Vollzeitstellen eingerichtet, die bei der Beratung und Betreuung bei Einzel- und Gruppengesprächen wichtige Arbeit leisten und den Kindern bei Ausflügen Auszeiten ermöglichen.

Calita Mona, Rehabilitationspsychologin und Gesundheitspädagogin erklärt: „Es ist wichtig möglichst früh mit den Kindern in Kontakt zu kommen, damit man eine Bindung aufbauen kann. Hilfe annehmen ist dabei ein schwieriger erster Schritt.“  Pro Jahr hat Annas Verein Kosten von etwa 160 000 Euro, die zu 75 Prozent für Papillon benötigt werden.

Dieses Jahr hat Annas Verein, durch die Coronakrise und abgesagte Veranstaltungen, finanzielle Einbußen, die man mit Kreativität versucht auszugleichen. So hat Hermann Beckers Schwester 2000 Mund-Nasen-Schutze genäht, die sie gegen eine Spende abgegeben hat. Dabei sind 10 000 Euro zusammengekommen. Winzer haben den Verein mit der Aktion „Hilfspaket Mosel hilft“ unterstützt, indem sie 100 Weinkartons mit je 6 Flaschen gestiftet haben. „Das hat uns sehr geholfen, denn die Gehälter unserer Papillon-Angestellten und die Miete der Vereinswohnung müssen gezahlt werden.“

Spendenübergabe der Eifelphilharmonie: Ralf Kramp (Krimiautor), Andrea Westermann (Vorstand Annas Verein), Heidelinde Becker, Christian Hilgers (1. Vorsitzender Eifelphilharmonie), Hermann Becker, Dirigent Stefan Kollmann (von links). Foto: Annas Verein
Agnes Stülb, die Schwester des Vereinsvorsitzenden Hermann Becker, hat mit Helene Kön etliche Mund-Nasen-Schutze genäht und gegen Spenden für Annas Verein. Foto: Annas Verein
Marie, Marie-Theres, Greta, Sera und Amelie helfen bei Annas Verein mit. Das Bild stammt aus dem Jahr 2006. Foto: Annas Verein
Claus Erz, Thomas Quint und Achim Becker (von links) organisieren das Heiligabend-Singen in Wintrich, bei dem Spenden gesammelt wurden. Foto: Annas Verein
Der Vorstand von Annas Verein: Hermann Becker, Jürgen Schmidt, Alfred Thielen, Andrea Westermann, Heidelinde Becker. Es fehlt Jan Wagner. Foto: Annas Verein

Für die Zukunft plant man bei Papillon eine tiergestützte Therapie – und Annas Verein soll insgesamt so weiterbestehen, wie bisher, das ist der Wunsch von Heidelinde und Hermann Becker.