Die Ortsgruppe Bollendorf im Verein für Deutsche Schäferhunde

Unsere Vereine : Respekt zwischen Mensch und Hund

Mit der Nase am Boden und mit wedelndem Schwanz bewegt sich Iska am Sonntagmorgen durch das Gelände bei Kruchten. Hinter ihr, die Leine in der Hand, geht Nora Michels, die zuvor mit ihren Fußabdrücken eine Fährte gelegt hat, der die Hündin jetzt nachspürt.

Dann bleibt Iska liegen und zeigt damit an, dass sie einen Gegenstand gefunden hat. Aufnehmen und apportieren soll sie diesen aber nicht, erläutert Dietmar Schneider, Übungsleiter bei der Ortsgruppe Bollendorf im Verein für Deutsche Schäferhunde. Schließlich könnte es sich ja auch um ein Messer oder eine scharfe Rasierklinge handeln statt eines harmlosen Filzstreifens wie bei der Übung. Nicht nur das korrekte Anzeigen, auch das Schwanzwedeln ist ein gutes Zeichen, denn es signalisiert, dass Iska motiviert ihrer Aufgabe nachgeht.

Nachdem Iska und die anderen Hunde die Fährtenarbeit erledigt haben, geht es für Menschen und Tiere weiter auf den Hundeplatz im Wald bei Bollendorf. „Ausbildungsgelände für Zollhunde“ steht dort am Eingang auf einem Schild aus vergangenen Tagen, das auf die Anfänge des Vereins verweist. An der Grenze zu Luxemburg waren auch Hunde im Einsatz, Dietmar Schneider zum Beispiel war selbst noch Diensthundeführer beim Zoll.

Der Hundesportverein Bollendorf wurde im Januar 1978 gegründet und ist heute für jeden Hundehalter offen. Die Mitglieder kommen nicht nur aus Bollendorf, sondern auch aus der weiteren Umgebung, einige aus Luxemburg wie die Vorsitzende Christine Heidt. Obwohl sich der Verein 1980 dem Verein für Deutsche Schäferhunde anschloss, sind Hunde aller Rassen und auch Mischlinge willkommen.

Im Vereinsheim gibt es erst mal ein ausgiebiges Frühstück, danach geht es weiter mit Übungen für die Vierbeiner. Arno jagt einem Ball hinterher, während Luna die 1,80 Meter hohe Kletterwand überwindet. Für Luna steht gleich eine weitere Aufgabe an: Dietmar Schneider hat sich, bekleidet mit einem Schutzanzug in ein Versteck aus Holzbrettern gestellt. Luna muss nun alle Verstecke absuchen, bis sie den Mann entdeckt. „Der Hund muss den Helfer selbstbewusst, aktiv, aufmerksam stellen und dabei anhaltend verbellen“, heißt es dazu in der Internationalen Gebrauchshunde-Prüfungsordnung (IGP). Zufassen ist ausdrücklich nicht erlaubt und führt zu einer mangelhaften Bewertung. Lässt der Hund auch auf Zuruf nicht vom Helfer ab, erfolgt sogar die Disqualifikation. Unsichere, schreckhafte, nervöse, aggressive und bissige Hunde sind nicht zur Prüfung zugelassen.

Nur in einem Fall darf Luna doch zufassen, nämlich dann, wenn der Helfer einen Fluchtversuch unternimmt. „Der Hund muss ohne zu zögern den Fluchtversuch mit hoher Entschlossenheit und durch energisches und kräftiges Zufassen wirkungsvoll verhindern“, heißt es in der IGP. Aber Luna darf dies nur auf Zuruf – und muss auch wieder von Dietmar Schneider ablassen, wenn der Helfer stehen bleibt.

„Gehorcht dein Hund immer noch nicht?“, wird Friedhilde Thielen manchmal gefragt, weshalb sie noch immer mit ihm auf den Hundeplatz gehe. Doch in erster Linie geht es darum, dem Tier regelmäßig eine Beschäftigung zu bieten. „Zwei Mal am Tag immer die gleiche Gassi-Runde zu gehen, reicht dafür nicht“, ergänzt Susanne Pauli. Wie Kinder so müssten sich auch Hunde austoben dürfen. Das ideale Verhältnis zwischen Zwei- und Vierbeinern sei laut Christine Heidt, „dass der Hund Respekt hat vor dem Menschen – und der Mensch vor dem Hund“.

Nora Michels mit Luna, Fährtenansatz. Foto: Verein für Deutsche Schäferhunde, OG Bollendorf
Nora Michels mit Luna bei der Gebrauchshundeprüfung. Bei der Unterordnung (links) muss Luna stets Blickkontakt zur Hundeführerin halten. Unterordnung und Gehorsam bedeuten nicht, dass der Hund unterdrückt werden soll – im Gegenteil: Macht der Hund einen gedrückten Eindruck, führt dies zur Abwertung. Beim Schutzdienst (rechts) muss Luna auf das Kommando warten, wenn der Helfer einen Fluchtversuch startet. Bei der Fährtenarbeit (unten) geht Luna an langer Leine voraus, um selbstständig die Witterung aufzunehmen. Foto: Verein für Deutsche Schäferhunde, OG Bollendorf
Die Hundehalter haben sich mit ihren Tieren auf dem Vereinsgelände bei Bollendorf eingefunden. Foto: Daniel John
Nur bellen nicht beißen: Luna hat Dietmar Schneider in seinem Versteck entdeckt. Foto: Daniel John
Erst auf Kommando darf Luna zufassen. Bleibt der Mensch stehen, muss der Hund von ihm ablassen. Foto: Daniel John
... auch ihr Sohn Thilo übt bereits mit Quinn. Foto: Daniel John
Christine Heidt ist die Vorsitzende des Vereins, ... Foto: Daniel John
Luna überwindet die 1,80 Meter hohe Kletterwand. Foto: Daniel John
Arno jagt konzentriert einem Ball hinterher. Foto: Daniel John
Ein besonderes Team: Inge und Arno. Foto: Daniel John
Relikt aus alten Zeiten. Heute sind alle Hunde willkommen. Foto: Daniel John

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