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Bitburg: „Erlebnisse, die man nie vergisst“

Bitburg : „Erlebnisse, die man nie vergisst“

Gedanken machen sich viele Menschen erst dann, wenn sie mit der Situation konfrontiert werden. So wie Rudi Rinnen. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schwer es sein kann, einem zwölfjährigen Kind mit Behinderung den Rücken zu waschen.“ Für Rinnen jedenfalls war das eine neue Erfahrung – eine von vielen, die der Bankangestellte aus Bitburg in den vergangenen Jahren machen durfte.

2010 hatte er den ersten richtigen Kontakt mit dem Verein, ein Jahr später wurde er als Beisitzer in den Vorstand aufgenommen und im Jahr darauf schließlich zum Vorsitzenden gewählt. Seitdem leitet er den Verein Lichtblick Bitburg,  der sich für schwerkranke, behinderte und in Not geratene Kinder einsetzt.

„Wir unterstützen dort, wo alle sonstigen Fördermaßnahmen ausgeschöpft und Familien auf unsere Hilfe angewiesen sind“, sagt Rinnen. Für den zwölfjährigen Jungen, der aufgrund seiner schweren Behinderung von seinen Eltern nur unter größten Anstrengungen gebadet und gewaschen werden kann, hat der Verein eine spezielle Weichschaummatratze angeschafft.

„Oft geht es um Dinge, die den Alltag der Familien erleichtern“, erklärt der Vorsitzende. Das könne materielle Hilfe sein wie beispielsweise die Finanzierung eines Treppenlifts oder einer aufgrund der Behinderung des Kindes notwendigen Umbaumaßnahme im Haus, aber auch Hilfe bei der Betreuung und Pflege des Kindes.

Der Verein unterstützt aber auch therapeutische Maßnahmen, wie zum Beispiel die des inzwischen 13-jährigen Marcel. Der Junge aus der Eifel leidet seit seiner Geburt an Arthrogryposis multiplex congenita, einer angeborenen Gelenksteife, die äußerst selten vorkommt. Marcel hat einen Großteil seines jungen Lebens im Krankenhaus verbracht, hat bereits viele Operationen hinter sich. Und Marcel hat bis zu seinem sechsten Lebensjahr kein Wort geredet. Bis ihm der Lichtblick-Verein mit Hilfe von Spenden eine Delfintherapie in der Türkei ermöglichte. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Marcel kein Wort gesprochen. Unmittelbar nach dem Erlebnis mit dem Delfin hat der Junge zum ersten Mal „Mama“ gesagt. Inzwischen redet er wie ein Wasserfall.

Für Rinnen, aber auch für Patricia Hoffmann bleiben Erlebnisse wie die mit Marcel und seiner Familie unvergesslich. Wenngleich die ehrenamtliche Arbeit mitunter durchaus an die Substanz gehe, wie Hoffmann erzählt. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins und hat in ihrer langjährigen Lichtblick-Tätigkeit auch schon einige Kinder bis zum Tod begleitet. „Das sind Erlebnisse und Geschichten, die man nie vergisst“, sagt Hoffmann. Ein Kind bis zum Schluss zu begleiten, sei natürlich sehr traurig, sagt auch Rinnen. Auf der anderen Seite sei es aber auch immer wieder beeindruckend, wie Familien mit diesem Schicksal umgingen. „Das ist auch der Grund, warum wir nicht nur den betroffenen Kindern helfen, sondern auch den Familien“, erklärt der Vorsitzende. „Wenn wir eine Delfintherapie unterstützen, dann kümmern wir uns darum, dass auch die Geschwister mitfahren können“, sagt er. „Denn die stehen im Alltag schon genug im Schatten, kommen oft viel zu kurz.“

Obwohl der Verein inzwischen rund 300 Mitglieder zähle und von vielen Spendern, Sponsoren, Vereinen und Veranstaltern von Benefizaktionen unterstützt werde, täten sich diejenigen, die Hilfe benötigten, eher schwer damit, diese auch in Anspruch zu nehmen, erzählt Rinnen. „Wir müssen schon Werbung machen, damit die Menschen auf uns zukommen.“ Oft seien es Nachbarn, Freunde oder Verwandte der Betroffenen, über die es dann zum Kontakt mit Lichtblick komme, erklärt der Vorsitzende.

2004 wurde der Verein gegründet. In den ersten Jahren hatte Lichtblick Bitburg seinen Sitz in der Wohnung des Vereinsgründers und damaligen Vorsitzenden Ralf Wagner aus Biersdorf am See. Seit 2008 hat der Verein eine richtige Geschäftsstelle in der Bitburger Brodenheckstraße. Von montags bis freitags ist das Büro nachmittags von 15 bis 17 Uhr geöffnet und mit einem auf Mini-Job-Basis beschäftigten Vereinsmitglied besetzt.

„Es ist uns schon wichtig, dass diese Tätigkeit in der Geschäftsstelle auch entsprechend gewürdigt wird“, sagt Rinnen und betont, dass die Kosten für Verwaltung und Geschäftsstelle nicht etwa über Mitgliedsbeiträge und Spenden abgedeckt würden, sondern über Sponsoren. „Jede Spende geht auf ein separates Konto und wird auch nur für das verwendet, für das es vorgesehen ist“, sagt der Vorsitzende. Zudem gebe es im Verein eine fortlaufende Kassenprüfung durch eine neutrale Person. „Als Hilfsverein stehen wir besonders im Fokus“, so Rinnen. „Die Menschen vertrauen uns ihr Geld an“, sagt er. „Und uns ist es natürlich sehr wichtig, dass es auch genau dort zum Einsatz kommt, wo es benötigt wird.“

Der Verein verfügt auch über eine Lichtblick-Elf – genauer gesagt sogar über zwei Fußballmannschaften. Das Team besteht aus aktiven Spielern der Region, aufgeteilt in eine U 40- und eine Ü 40-Mannschaft. Mit einem Benefizspiel zugunsten des Vereins Lichtblick werden aktiv schwerkranke Kinder und deren Familien unterstützt.

Wer mit seinem Verein die Lichtblick-Elf für ein Turnier oder Spiel buchen möchte, kann sich direkt an Heinz Ewen (Mannschaft Ü 40), E-Mail heinz.ewen@t-online.de, oder an Andreas Klink (Mannschaft U 40), E-Mail andi.klink@gmx.de, wenden.

 Der Vorstand des Vereins Lichtblick (von links): Patricia Hoffmann (Geschäftsführerin), Norbert Hoffmann (2. Vorsitzender), Alexandra Thielen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Eva Zanters (Buch- und Kassenprüferin), Rudolf Rinnen (1. Vorsitzender), Thomas Kreutz (2. Vorsitzender).
Der Vorstand des Vereins Lichtblick (von links): Patricia Hoffmann (Geschäftsführerin), Norbert Hoffmann (2. Vorsitzender), Alexandra Thielen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Eva Zanters (Buch- und Kassenprüferin), Rudolf Rinnen (1. Vorsitzender), Thomas Kreutz (2. Vorsitzender). Foto: Verein Lichtblick
 Der Verein Lichtblick hat bereits mehrere Delfintherapien ermöglicht.
Der Verein Lichtblick hat bereits mehrere Delfintherapien ermöglicht. Foto: Verein Lichtblick

Der Verein Lichtblick Bitburg sucht Hobbybäcker, die zugunsten des Vereins Plätzchen backen. Auf dem Bitburger Weihnachtsmarkt verkauft der Verein am dritten Adventswochenende, 15./16. Dezember, neben Plätzchen auch selbstgemachte Bärchen, Engelchen, und Mützen sowie Weihnachtskarten und weitere Weihnachtsartikel. Lichtblick Bitburg unterstützt mit dem Erlös schwerkranke, behinderte und in Not geratene Kinder in der Region.

  • Plätzchenbäcker können sich bei Alexandra Thielen, Telefon 06561/9454294, melden.