Holsthum: Wo die Römervilla zur Weinstube wird

Unsere Vereine : Wo die Römervilla zur Weinstube wird

Mit einer gallorömischen Villa aus dem 2. Jahrhundert hat Holsthum einen besonderen historischen Schatz. Um dessen Pflege kümmert sich der Förderverein Geschichte und Kultur Holsthum, der am 7. September zur Weinprobe einlädt.

Die Aussicht ist grandios: Wiesen und Wald, die Hügel auf der anderen Seite der Prüm – ein schöner Platz, um eine imposante Villa zu errichten. Das dachte sich wohl auch ein unbekannter Bauherr vor etwa 1900 Jahren im heutigen Holsthum. Nach Aufgabe des Gebäudes – vermutlich im 4. Jahrhundert, holte sich die Natur das Gelände langsam wieder zurück. Erst 1989 wurden die Überreste des rund 1000 Quadratmeter großen Hauptgebäudes bei einer Flurbereinigung entdeckt und bis 1993 von Archäologen des Rheinischen Landesmuseums freigelegt.

Parallel dazu gründete sich 1991 der Förderverein Römische Villa Holsthum, der es sich zur Aufgabe machte, die römischen und vorgeschichtlichen Bodendenkmäler in und um Holsthum instand zu halten, zu pflegen und Besuchern zugänglich zu machen.

Wie die Villa einst ausgesehen hat, das weiß man aus Vergleichen mit ähnlichen Bauten aus dieser Zeit. Laut der Architektin Mechthild Kohl-Heck, Vorsitzende des Fördervereins Geschichte und Kultur Holsthum (so der heutige Vereinsname), war nämlich der Baustil im gesamten Römischen Reich einheitlich. Die Holsthumer Villa war seitlich von zwei Ecktürmen, sogenannten Risaliten, begrenzt, dazwischen lag eine nach Südwesten ausgerichtete Säulenhalle. Die Säulen, die heute dort zu sehen sind, wurden nach antiken Vorbildern gefertigt.

Eine komplette Rekonstruktion der Villa – vergleichbar der Tempelanlage in Tawern oder der saarländischen Villa Borg – war angedacht, zwischenzeitlich gab es dafür aber keine Fördermittel mehr, weil die damaligen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) ausgelaufen waren.

Erst in den Jahren 2010 bis 2013 wurde ein neues Konzept umgesetzt mit dem Ziel, den Bestand zu sichern, die Anlage zu beleben und behutsam touristisch zu erschließen. Im August 2013 war es dann so weit: Die Anlage wurde mit einem Römerfest und einem Römerlager eingeweiht.

Die Hauptaufgabe des Vereins, der zuvor schon kurz vor der Auflösung gestanden hatte, weil sich so viele Jahre auf dem Gelände der Villa nichts tat, war damit letztendlich doch noch erfolgreich abgeschlossen worden. Statt aber nun die Hände in den Schoß zu legen, benannte sich der Verein kurzerhand um und erweiterte sein Tätigkeitsfeld. Schließlich gibt es in und um Holsthum weitere interessante Baudenkmäler wie die Rochuskapelle oder die ehemalige Glashütte. Außerdem muss die Villenanlage natürlich weiterhin regelmäßig gepflegt werden. 2017 wurde zudem eine Darre zum Trocknen von Getreide freigelegt und teilweise rekonstruiert. Sie soll bald noch eine Infotafel erhalten.

Im gleichen Jahr gab der Verein auch die Dorfchronik heraus; 2018 wurde ein neuer Wanderweg, der Holsthumer Rundweg, eröffnet. Er führt vorbei an Streuobstwiesen, Hopfenfeldern und den Sehenswürdigkeiten des Ortes. Drei neue Ruhebänke sind bereits aufgestellt worden, Infotafeln für einen Obstlehrpfad sind in Vorbereitung. Weiterhin sollen alte Flurkarten digitalisiert werden. Der etwa 60 Mitglieder zählende Förderverein unternimmt außerdem regelmäßig Ausflüge, zuletzt nach Ahrweiler zur  dortigen Römeranlage und den Bunkeranlagen. Ortsbürgermeister Heinz Faust wünscht sich vor allem neue junge Mitglieder, die den Verein bei seinen vielfältigen Projekten unterstützen.

An der Villa veranstaltete der Verein bereits zwei Römerfeste, ein Picknick und kürzlich ein Open-Air-Kino. Als nächstes steht am kommenden Wochenende die jährlich stattfindende Weinprobe an (siehe Info). „Vorstellen können wir uns auch Konzerte, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen, die zur Örtlichkeit passen“, sagt Mechthild Kohl-Heck.

Diese Darre zum Trocknen von Getreide wurde 2017 freigelegt. Vor deren Öffnung wurde ein Feuer entfacht, durch das heiße Luft hineinströmte. Das Getreide lag auf einem Rost darüber. Foto: Daniel John
Ortsbürgermeister Heinz Faust, die Vereinsvorsitzende Mechthild Kohl-Heck und Rolf Mrotzek zwischen den rekonstruierten Säulen der römischen Villa. Foto: Daniel John
So gemütlich wie 2018 soll es auch in diesem Jahr am 7. September wieder bei der Weinprobe werden. Foto: Förderverein Geschichte und Kultur Holsthum
Mehr als 80 Teilnehmer kamen im vergangenen Jahr zur Eröffnung des Holsthumer Rundwegs. Foto: tv/Förderverein
Rolf Mrotzek und Mechthild Kohl-Heck statten einen Wanderweg mit Hinweistafeln aus. Foto: Förderverein Geschichte und Kultur Holsthum

Aber auch ohne „offizielle“ Veranstaltungen sind Einheimische wie Touristen gleichermaßen eingeladen, die ganzjährig frei zugängliche Villa zu besuchen. „Jeder, der seinen Müll wieder mitnimmt, darf hier gerne picknicken oder frühstücken“, sagt Mechthild Kohl-Heck. Das sei nicht nur erlaubt, „sondern ist ausdrücklich erwünscht.

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