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Musikverein Oberweis wird 95 Jahre alt

Unsere Vereine : Gemeinsam querbeet durch die Musik

100 Punkte waren möglich, 96 hat der Musikverein Oberweis erreicht. „Wir haben ausgezeichnet abgeschnitten“, sagt Rudi Pöppelreiter, der sich noch gern an die erstmalige Teilnahme seines Musikvereins an einem Wertungsspielen des Landesmusikverbandes erinnert.

Das war 2006 in Morbach. „Wir mussten ein Pflichtstück spielen, dann noch ein Stück nach eigener Wahl und zusätzlich noch ein drittes Lied zur Eröffnung, das aber nicht gewertet wurde“, erklärt der Vorsitzende, der mit acht Jahren im Musikverein angefangen hat und ihm 56 Jahr später noch immer die Treue hält.

Gegründet wurde der Verein aber schon viel früher. Am Dreikönigstag 1924 schließen sich zehn Oberweiser Bürger unter der Leitung von Polizeihauptwachtmeister Heinrich Friedrichs zusammen und gründen einen Musikverein. Durch erste Auftritte in der Öffentlichkeit macht die junge Blaskapelle schnell auf sich aufmerksam. Mit etwa 15 Mitgliedern prägt der Verein das kulturelle dörfliche Geschehen in den 30er Jahren. Dann kommt der Zweite Weltkrieg und damit vorerst das Ende des Musizierens.

Doch schon kurz nach Kriegsende starten die Freunde der Blasmusik einen zweiten Anlauf. Vom unermüdlichen Einsatz des neuen Dirigenten Johann Peter Kreins beeinflusst, machen sich die Oberweiser mit Idealismus und Einfallsreichtum an den Neuaufbau des Vereins. In den ersten Jahren der Nachkriegszeit die finanziellen Voraussetzungen zur Anschaffung der fehlenden Instrumente zu schaffen, ist alles andere als einfach. Doch trotz dieser widrigen Umstände folgen schon ein Jahr nach Kriegsende die ersten öffentlichen Auftritte.

Der Verein entwickelt sich gut, leistet eine bedeutenden Beitrag zur Pflege des Kulturguts und wird auch außerhalb des Dorfes sehr geschätzt. Mitte der 80er Jahre jedoch kommt es zum einem stetigen Rückgang der Mitgliederzahlen. Das aber nicht nur in Oberweis, sondern auch beim benachbarten Musikverein Bettingen. Und so wird 1993 aus der Not eine Tugend gemacht und gemeinsam mit Bettingen eine Spielgemeinschaft gegründet.

„Natürlich gab es damals durchaus auch Widerstände – und das auch in beiden Vereinsvorständen“, sagt Pöppelreiter und grinst. Schließlich habe es zwischen Oberweis und Bettingen seit jeher gewisse Rivalitäten gegeben. Letztlich aber sei es darum gegangen, den Fortbestand der beiden Musikvereine zu sichern, erklärt Manfred Gasper, Geschäftsführer des Musikvereins Oberweis. Und so habe am Ende dann schließlich doch die Vernunft gesiegt.

Eine Spielgemeinschaft gibt es aber nicht nur mit Bettingen, sondern seit 1996 auch mit dem Musikverein Eifelland Utscheid. Seitdem musizieren alle drei Vereine gemeinsam. Und Pöppelreiter ist genau wie Gasper froh über diesen Zusammenschluss. „Das funktioniert wirklich hervorragend“, lobt der Vorsitzende die insgesamt rund 40 Musiker zählende Spielgemeinschaft.

Wenn die Oberweiser einen Auftritt haben, dann in der Regel immer gemeinsam mit den Musikern der beiden anderen Vereine. „Für uns wäre das anders gar nicht möglich“, sagt Pöppelreiter. Selbst bei den kleineren Auftritten sei es schwierig, ohne die Freunde aus Bettingen und Utscheid auszukommen.

In Oberweis gibt es ein stark ausgeprägtes Vereinsleben. Das ist gut für das Dorf und auch erfreulich für alle Menschen, die sich gerne in Vereinen engagieren, hat aber für den Musikverein Oberweis den Nachteil, dass er mit anderen Vereinen konkurrieren muss. „Der Fußball hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert und natürlich auch die DLRG“, erklärt Gasper. Und das führe zwangsläufig zu Nachwuchsproblemen. Woran es dem Verein vor allem fehle, sei das tiefe Blech, sagt Pöppelreiter. Posaunen und Tenorhörner seien deshalb besonders willkommen – alle anderen Instrumente aber natürlich auch.

Besonders zufrieden sind die beiden Vorstandsmitglieder mit René Heilbach, der die Spielgemeinschaft seit gut zehn Jahren dirigiert. „Ich habe noch nie einen Dirigenten erlebt, der so gut mit Jung und Alt umgehen kann“, lobt Pöppelreiter den musikalischen Leiter.

Ständchen in kleiner Besetzung zum 90. Geburtstag für den Ehrendirigenten Edi Schares. Foto: MV Oberweis
Ehrung mit der Verdienstmedaille desLandesmusikverbandes Rheinland-Pfalz, für Manfred und Michael Gasper durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Kreismusikverbandes Bitburg-Prüm, Dieter Lichter, und den 1. Vorsitzenden Rudi Pöppelreiter. Foto: MV Oberweis
Die Musiker beim Fastnachtsumzug 2019 in Bettingen. Foto: MV Oberweis
Logo Unsere Vereine Foto: TV/Schramm, Johannes

Wenn Heilbach den Taktstock schwingt, dann genauso gern zu volkstümlicher oder Kirchenmusik wie zu Schlager, Pop, Rock oder Klassik. „Wir spielen querbeet“, sagt Gasper. Natürlich sei es nicht einfach, angesichts der unterschiedlichen musikalischen Interessen einen Mittelweg zu finden, doch unterm Strich sei für jeden was dabei. Wobei sich die älteren Musiker mit neuen Stücken durchaus etwas schwerer täten als die jüngeren, ergänzt, wie der Vorsitzende lachend ergänzt. „Der Nachwuchs ist einfach viel besser ausgebildet als wir Alten“, so Pöppelreiter. „Uns hat man als Kindern einfach ein Instrument in die Hand gedrückt und dann haben wir losgelegt.“