1. Die Woch

Naturdenkmale: Blumen, Bäume, Bomben und Wichtel

Naturdenkmale : Blumen, Bäume, Bomben und Wichtel

Naturdenkmale übersieht man schnell. Dabei haben sie spannende Geschichten über die Geologie, zur Ent­wick­lungs­ge­schich­te und über den (Aber-)­Glauben der Menschen zu erzählen. Die Woch stellt sechs solcher Punkte vor, die einen genaueren Blick ver­dient haben.

Von Alexander Schumitz

Die Jahreszeiten und die Elemente Feuer und Wasser prägen die Natur in der Region. Die geologische und die topographische Vielfalt sind das Pfund, mit dem man an Mosel und Saar, in der Eifel und im Hunsrück wuchern kann.

Eifel und Hunsrück formen heute jeweils ein imposantes Mittelgebirge, getrennt durch die Mosel. Im Zeit­alter des Devon – also vor 400 Millionen Jahren – war hier ein flaches Meeresbassin, in dem sich feiner Ton und Schluff sammelten. Im Laufe der Jahrmillionen verdichteten sie sich durch Druck und Temperatur zu Schiefer und Quarzit.

Über diese Schichten lagerten sich etwa 150 Millionen Jahre später – während des Zeitalters Trias – Sand und Kiesel ab, die sich in der Folgezeit zu Buntsandstein verdichteten. Der Buntsandstein bildet in unserer Region oft spektakuläre Verwitterungsformen. Vor etwa 220 Millionen Jahren lagen Teile der Region im sogenannten Pariser Becken, das bei Trier auslief. Hier lagerte sich der sogenannte Muschelkalk aus ­Muschel- und Pflanzenresten ab. Mit etwas Glück findet man in diesen Schichten bis heute immer noch fossile Reste von See­lilien und Ammoniten.

Durch tektonische Verschiebungen hebt sich die Eifel bei Cochem bis in die Gegenwart. Das ist der Grund dafür, dass die Mosel vor allem zwischen Trier und Cochem so viele Schleifen gebildet hat. Und auch unter der Eifel rumort es bis heute. Erst kürzlich berichteten Forscher, dass die Vulkane unter der Eifel immer aktiver werden. Sie fürchten, dass in der Region – so wie vor 11 000 Jahren – in Zukunft wieder ein Vulkan ausbrechen könnte.

Regelmäßig wird in Schillingen (Landkreis Trier-Saarburg) im Frühjahr das Narzissenfest gefeiert. Am Ufer der Ruwer in Hochwaldgemeinde blühen im März und im April jede Menge wilde Narzissen. In den Ruwerauen wurden Nadelholzbestände beseitigt, um die gelb blühenden Frühlingsboten zu fördern. Zudem werden die angrenzenden Wiesen extensiv bewirtschaftet.

Wilde Narzissen sind Art­hybriden – also eine Bündelung verschiedener Narzissenarten. Ursprünglich kamen die Narzissen Mitte des 16. Jahrhunderts von Südosteuropa als Gartenpflanzen in die Niederlande. Wie auch die Tulpen wurden sie unter Gartenfreunden gehandelt – wenn auch zu deutlich niedrigeren Preisen. Im frühbarocken Garten ist die Narzisse im Frühjahr eine der blütenprächtigsten Pflanzen. Wilde Narzissen stehen unter dem Schutz des Bundesartenschutzgesetzes und dürfen deshalb weder gepflückt noch ausgegraben werden.

Kalkhaltige Magerwiesen sind das perfekte Habitat für Orchideen. Zu finden sind sie sowohl im Naturschutzgebiet Eiderberg bei Freudenburg, wie auch im Naturschutzgebiet Perfeist in der Nähe von Wasserliesch (beide Kreis Trier-Saarburg) sowie am Hammelsberg in der Nähe von Perl (Saarland).

Orchideengewächse gelten vielen Botanikfreunden als die Königinnen der Blumen. Mit weltweit etwa 15 000 bis 30 000 Arten sind die Orchideen nach den Korbblütlern (etwa Astern oder Sonnenblumen) die zweitgrößte Familie unter den bedecktsamigen Blütenpflanzen. Durch die Abholzung der Regenwälder und die immer intensivere Nutzung landwirtschaftlicher Flächen sind viele Arten vom Aussterben bedroht.

Die drei genannten Orte sind jeweils magere, kalkhaltige Trocken­rasen­standorte, die ursprünglich durch menschlichen Eingriff entstanden sind. Alle drei Orchideenstandorte waren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts für die Dorfbevölkerung wichtige Weideplätze für Rinder, Schafe und Ziegen. Die Samen und Wurzelgeflechte gehen oft eine enge Symbiose mit im Boden lebenden Pilzen ein. Nur so können sie die für ihr Wachstum wichtigen Nährstoffe aufnehmen. Deshalb gilt auch für Orchideen: Bitte nur anschauen!

Die Römer brachten den Wein mit an die Mosel. Davon zeugt etwa die römische Kelter bei Piesport. Ein weiteres Erbe der Römer ist die Walnuss. Daran erinnert auch die Nussbaumallee in Brauneberg (Landkreis Bernkastel-Wittlich) die – mit Ausnahme von diesem Jahr – jeweils im September zum Wein-Straßenfest einlädt. Der Straßenzug zieht sich über eine Länge von 1600 Metern am Moselufer entlang.

Gepflanzt wurden Wal­nussbaum­alleen am Flussufer, um die am Ufer stehenden Häuser und Höfe vor eisführendem Hochwasser zu schützen. Auch an der Uferpromenade in Trier wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Walnussbäume gepflanzt, berichtet Cathy Baumeister. Die Gästeführerin aus Trier weiß auch, dass die Stadt Trier eine Familie ausdrücklich mit der Pflege der Bäume und der Ernte der Walnüsse beauftragt hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bäume in Trier schließlich gefällt und das Holz zur Finanzierung von Straßenbauprojekten verkauft. Der Name Walnuss leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Begriffspaar „welsch nuz“ ab. „Welsch“ bedeutet ursprünglich „von den Romanen kommend“ und ist als Hinweis darauf zu verstehen, dass Juglans regia – so die lateinische Artbezeichnung – von den Römern oder romanisierten Kelten in die Region mitgebracht wurde.

Im Naturschutzgebiet Mattheiser Wald in Trier steht am Rand des Weihers eine Reihe Speierlinge. Als Allee wurden sie an dieser Stelle laut der Datenbank für die Kulturgüter in der Region Trier vor etwa 150 Jahren gepflanzt. Vermutlich haben auch diese Baumart einst die Römer mit an Rhein und Mosel gebracht. Das Anpflanzen der botanisch Sorbus domestica genannten Obstbäume wurde im Mittelalter von Kaiser Karl dem Großen gefördert.

Zur Zeit des Monarchen und auch später waren die Speierlinge wichtige Kulturgehölze. Die Früchte sind essbar, die Borke lässt sich wegen ihres hohen Gerbsäureanteils gut zu Lohe für das Gerben von Leder verarbeiten. Der aus dem Obst gekelterte Saft wird auch nach wie vor von einigen Apfelbauern ihrem Viez zugesetzt. Der Bestand an Speierlingen geht zurück, da kaum noch Mittelwälder – eine Mischform aus Nieder- und Hochwald – zu finden sind.

Viele Zeugnisse in der Region erinnern an die Zeit, als in der Eifel noch Vulkane aktiv waren. Hierzu zählen zum Beispiel die vielen Maare in der Vulkaneifel. Hierzu gehört aber auch die ­Lava­bombe in Strohn (Landkreis Vulkaneifel). Lavabomben haben per Definition einen Mindestdurchmesser von 64 Millimetern. Da ist die Strohner Bombe schon von einem anderen Kaliber. Sie hat fünf Meter Durchmesser und wiegt circa 120 Tonnen.

Gebildet haben sich die Lavabomben aus magmatischem Gestein – sogenannten Pyroklasten. Beim Ausbruch eines Vulkans werden sie – noch flüssig – durch die Luft geschleudert. Im Flug rotieren sie um ihre eigene Achse, was ihre eiförmige Form erklärt. Durch die schnelle Abkühlung der Lava und die Druckveränderung entstehen bereits während des Flugs Risse, so dass die Bombe später an einen Brotlaib erinnert.

Das Besondere an der Strohner Lavabombe ist, dass sie mehrfach aus den Vulkankrater hinausgeschleudert wurde und dann wieder in den Krater hineingerollt ist. Gefunden wurde sie im Jahr 1969 bei Sprengarbeiten in einem Basaltsteinbruch in der Nähe von Daun. Im Winter 1980 wurde sie auf einer Eisenplatte mithilfe einer Planierraupe über eine feste Schneedecke zu ihrem jetzigen Standort in der Ortsmitte gebracht.

Die Tanzlay bei Hüttingen an der Kyll (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist ein spektakulärer Wasserfall. Kurz bevor der Daufenbach in die Kyll mündet, stürzt er sich über riesige Kalksteinplatten den Berg herunter. An der Bruchkante zwischen Kalkstein und Buntsandstein hat das Wasser eine märchenhafte Landschaft geschaffen, in der einst – so erzählt man es sich in Hüttingen und im Bitburger Stadtteil Mötsch – Wichtel lebten.

Der Sage nach sollen die Wichtel dort in einer Höhle gelebt haben. Auch sollen sie gerne getanzt und gefeiert haben. Im Winter gingen sie oft nach Hüttingen, um zu betteln. Aber eines Tages klopften sie an der falschen Tür. Einem Bauer platzte der Kragen. Er scheuchte sie vom Hof und drohte, ihnen seinen Hund auf den Hals zu hetzen. Die Wichtel rannten zurück zu ihrer Höhle, jammerten und klagten noch eine Weile. Aber eines Tages waren sie in Hüttingen nicht mehr zu hören. Sie verschwanden. Und niemand weiß, was aus ihnen geworden ist.

Am südlichen Ufer des Mattheiser Weihers in Trier bilden zahlreiche Speierlinge eine Allee. Sie sind gut an ihren mächtigen Stämmen und den gefiederten Blättern zu erkennen. Foto: Alexander Schumitz
Das Helm-Knabenkraut ist eine von vielen Orchideenarten im Naturschutzgebiet Eiderberg bei Freudenburg. Die Pflanze blüht zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Foto: Alexander Schumitz
Dieser Wasserfall zwischen Hüttingen an der Kyll und Bitburg trägt den Namen Tanzlay. Der Daufenbach stürzt hier zwischen Kalk- und Buntsandstein in die Tiefe. Foto: TV/Uwe Hentschel

Der Wanderpfad zur Tanzlay ist zurzeit gesperrt, da  der Weg nicht verkehrssicher ist. Laut Maria Arvanitis, Geschäftsführerin der Tourist-Information Bitburger Land, wird derzeit an einem Wege­konzept gearbeitet, damit Besucher die Tanzlay künftig wieder wandernd erreichen können.