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Insekten: Damit es auch morgen noch summt

Insekten : Damit es auch morgen noch summt

(red) Im Biergarten, an der Kaffeetafel oder auf dem Grillfest fühlen sie sich besonders wohl. Vor allem im August fliegen die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe umher und werden den Menschen lästig.

2020 war nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) ein starkes Wespenjahr.

Anderen Arten geht es dagegen deutlich schlechter: „Allein in den letzten 30 Jahren ist die Zahl der Fluginsekten um 75 Prozent zurückgegangen“, sagt Sarah Peters von der Nabu-Regionalstelle RLP-West in Trier. Während Wespen als Kulturfolger sich in der Nähe von Menschen ansiedeln, dort einen geeigneten Lebensraum finden und vom Grillfleisch bis zum Zwetschgenkuchen wenig wählerisch in Bezug auf ihre Ernährung sind, stellen andere Insektenarten besondere Ansprüche, fliegen beispielsweise nur bestimmte Pflanzenarten an. Hinzu kommt, dass etwa Wildbienen nur ein eingeschränktes Revier haben. Während Honigbienen mehrere Kilometer weit fliegen, um Pollen zu sammeln, sind ihre wilden Verwandten darauf angewiesen, im Umkreis von wenigen Hundert Metern ein geeignetes Nahrungsangebot zu finden.

Auf eigenen Flächen in der Region setzt der Nabu verschiedene Projekte, zum Beispiel mit der Pflege von Streuobstwiesen, die nicht nur Wildbienen, sondern auch anderen Insekten sowie Vögeln, Amphibien, Reptilien und Säugetieren einen idealen Lebensraum bieten,

Wer in seinem eigenen Garten etwas für Wildbienen und andere Fluginsekten tun möchte, der kann für geeignete Nistmöglichkeiten und eine entsprechende Bepflanzung sorgen. Sarah Peters empfiehlt, dabei vor allem drei Dinge zu beachten: „Keine Chemie im Garten, heimische Arten anpflanzen und auf eine durchgehende Blühzeit achten.“ Auf die Größe komme es dabei erst in zweiter Linie an. „Kein Garten, kein Balkon ist zu klein“, sagt die Nabu-Expertin. Schon Kleinbiotope könnten tatsächlich eine erstaunliche Artenvielfalt anziehen.

Auch bei den Nisthilfen gibt es einiges zu beachten. „Was es fertig zu kaufen gibt, ist leider nicht immer ratsam“, bedauert Sarah Peters. Das fängt schon beim verwendeten Material an. Nadelhölzer seien wegen ihres Gehaltes an Harzen ungeeignet, besser sei Hartholz von Laubbäumen wie Esche, Buche oder Obstbäumen. Außerdem darf das Holz nicht zu frisch sein, sondern sollte gut getrocknet sein. Wer sich näher für den Bau eines Insektenhotels interessiert, findet dazu nicht nur Tipps auf www.nabu.de, sondern kann sich auch direkt an die Nabu-Regionalstelle wenden. Peter Brixius aus Ralingen hat im vergangenen Jahr etwa 300 Insektenhäuser gebaut und gibt seine Erfahrungen gerne in Workshops an Kindergärten, Schulen oder Vereine weiter.

Wer Bedenken hat, mit einem Insektenhaus auch eher lästige Gäste wie Wespen anzulocken, den kann Sarah Peters beruhigen: „Es siedeln sich keine Wespen an. Wespen, Hornissen und Wildbienen haben jeweils einen unterschiedlichen Lebensraum.“ Anders als Wespen, deren Stiche zumindest bei allergischen Personen schwere Folgen haben können, sind Wildbienen für den Menschen völlig ungefährlich. „Viele haben keinen Stachel, oder nur einen sehr kurzen, der die menschliche Haut nicht durchdringen kann“, weiß die ­Nabu-Expertin. Außerdem leben die meisten der deutschlandweit mehr als 500 Wildbienenarten nicht in Staaten, sondern solitär.  Niemand muss also Angst haben, von einem ganzen Bienenvolk umschwärmt zu werden.

Mittlerweile sind viele Menschen an Wildbienen und ihren Verwandten interessiert. Bei der ­Nabu-­Regionalstelle seien Insekten inzwischen das am meisten nachgefragte Thema.

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