1. Die Woch

Motor: Das amerikanische (T)Raumschiff

Motor : Das amerikanische (T)Raumschiff

Nach 20 Jahren Absenz bringt Ford den Explorer als Plug-In-Hybrid wieder nach Europa – Die Woch hat ihn gefahren.

Wenn der US-Autobauer Ford einen Wagen in seiner Modellrange hat, der die Bezeichnung „typisch amerikanisch“ verdient, dann ist es dieses mächtige SUV. Der Explorer, zu Deutsch „Entdecker“ fällt mit seinen wuchtigen und mächtigen Konturen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eigentlich gar nicht weiter auf. Dort ist er ein Bestseller. – millionenfach verkauft

In unseren Breitengraden aber musste man – mangels Interesse bei den Kunden und damit auch mangels Absatz – lange auf den Anblick des kraftstrotzenden US-Boys auf Rädern verzichten. Nun hat Detroit seine Meinung geändert. Erstmals seit zwei Jahrzehnten taucht der Explorer wieder auf europäischen Straßen auf.

Als serienmäßiger Siebensitzer soll er die auslaufenden Modelle Galaxy und S-Max ersetzen. Allerdings gibt es ihn hierzulande nur als „Stecker-Auto“, als Plug-In-Hybrid also. Wir fuhren das teil­elektrische Dickschiff für die Woch.

Mit 2,5 Tonnen ist der Explorer so eine Art aus den Fugen geratener Sumo-Ringer zwischen den zumindest etwas leichtgewichtigeren Konkurrenten. Dass der Elektromotor aufgrund dessen nicht nur seine helle Freude mit dem Koloss hat, ist verständlich. Und dass die dergestalt erziele Reichweite, die das ökologische Feigenblatt des Buchstaben „E“ im Nummernschild erlaubt, mit runden 40 Kilometern auf unserer ersten Testfahrt bestenfalls eine bessere Randnotiz darstellt, haben wir irgendwie nicht wirklich anders erwartet.

Nun gut, die schwere Batterie und die aufwendige Elektrotechnik sind nicht nur ein zusätzlicher Rucksack. Sie garantieren auch eine steuerliche Besser­stellung. Und einige „blubberfreie“ Kilometer Segeln ohne den Benzinmotor obendrauf. Zudem gibt es das Ganze mit modernster Technik wie inzwischen üblicher Bremsenergie-Rückgewinnung.

Wie aber will man einem solchen rollenden mobilen Monstrum von 5,05 Metern Länge, 2,28 Metern Breite und runden 2500 Kilo Gewicht das Saufen abgewöhnen, um vorwärts zu kommen? Welcher Art die Energie ist, die man hier benötigt, ob „grün“ oder konventionell, ist dabei fast schon zweitrangig. Aber mit Zuckerwasser oder einer Taschenlampen-Batterie bewegt man den wahr gewordenen amerikanischen Traum nun einmal nicht.

Der 100 PS starke Elektromotor muss schon ordentlich in die Puschen kommen, will er auf die „An­schub­hilfe“ des 350 PS generierenden V6-Turbobenziners verzichten. Setzt man den Sinn batteriebetriebenen E-Antriebs in die Realität um, so mag die Frage erlaubt sein, ob in diesem Fall ein durch und durch sauberer Selbstzünder auf dem Weg zu Euro 7 nicht die effektivere Lösung wäre. Zumal wir den Verbrauch des Benziners auch nicht unter die Marke von zehn Litern auf der Landstraße drücken konnten.

 Der Ford Explorer bietet eine große Ladefläche
Der Ford Explorer bietet eine große Ladefläche Foto: Jürgen C. Braun
 Im Ford Explorer kann man viel verstauen.
Im Ford Explorer kann man viel verstauen. Foto: Jürgen C. Braun

Man kann aber – das möchten wir nicht vergessen – mit diesen 457 Pferdestärken unter dem mächtigen Harnisch über dem Motorblock auch durchaus seine helle Freude haben. In den tiefen Leder-Fauteuils mit Tempomat dahingleiten oder das üppige (T)Raumschiff in sechs Sekunden von Null auf 100 zu ballern, das hat so einen Schuss von „american way of life.“ Und drüben ist der Sprit ja ohnehin billiger. Egal, wo er herkommt.