Drohnen: Das Ufo für jedermann

Drohnen : Das Ufo für jedermann

Unbemannte Flugobjekte: Die Zahl der Dhronen am Himmel steigt - auch in der Region

Von Rudolf Höser

Am Himmel über Deutschland sind immer mehr Drohnen zu beobachten. Welche Arten dieser Fluggeräte gibt es, wer nutzt sie zu welchen Zwecken und was muss beim Betrieb von Drohnen beachtet werden? Viele Fragen, die unsere Leserinnen und Leser interessieren. Wir verschaffen einen Überblick.

Als Drohnen werden ferngesteuerte Luftfahrzeuge bezeichnet. Hierbei kann es sich entweder um ein Flugmodell oder ein unbemanntes Luftfahrtsystem handeln. Diese Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil hieran unterschiedliche Regeln geknüpft sind. Um ein Flugmodell handelt es sich immer dann, wenn das Gerät ausschließlich zur privaten Freizeitgestaltung oder im Sport eingesetzt wird. Bei anderen Verwendungen, insbesondere aus gewerblichen Zwecken, gilt das Gerät als „unbemanntes Flugobjekt“. Über die genaue Anzahl der betriebenen Drohnen in Deutschland, Rheinland-Pfalz oder der Region Trier / Eifel existieren keine Zahlen.

Das teilt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) als zuständige Behörde auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Auch eine Differenzierung nach der Art der Nutzung ist uns nicht möglich. Nach unserer Beobachtung werden Drohnen in den Bereichen Vermessung, Inspektion, Pressearbeit, Immobilienfotografie, Imagefilme und bei Veranstaltungen genutzt“, sagt Birgit Küppers vom LBM.

Aber Zahlen gibt es zu den erteilten Erlaubnissen. Der Betrieb von unbemannten Fluggeräten ist unabhängig von der Eigenschaft als Flugmodell oder unbemanntes Luftfahrtsystem grundsätzlich erlaubnisfrei bis fünf Kilogramm Startmasse möglich. Beträgt die Startmasse mehr als fünf Kilogramm, muss der Betrieb genehmigt werden (§ 21 a Abs. 1 Nr. 5 LuftVO). „2014 wurden 204, 2015 dann 385 und 2016 insgesamt 632 Erlaubnisse durch den LBM in Rheinland-Pfalz erteilt.

Im April 2017 erfolgte eine Gesetzesänderung. Danach können Drohnen auch außerhalb des Sport- und Freizeitzwecks bis fünf Kilogramm Startmasse und der ­Betriebsverbote mit Einverständnismöglichkeit ohne Erlaubnis des LBM betrieben werden“, so Küppers. Deshalb ist die Zahl der Erlaubnisse nahezu konstant:

2017: 293,

2018: 279

2019: 300.

KENNZEICHNUNGSPFLICHT

Nach der Drohnenverordnung gilt für alle Geräte ab 250 Gramm aufwärts eine Kennzeichnungspflicht. Das Drohnen-Kennzeichen in Form einer feuerfesten Plakette muss Name und Adresse des Eigentümers enthalten. Die Plakette muss eine dauerhafte und feuerfeste Beschriftung besitzen. Es wird eine Plakette aus Aluminium mit einer Gravur empfohlen. Diese sind über Internetshops erhältlich.

KENNTNISNACHWEIS

Wer eine Drohne mit einer Startmasse ab zwei Kilogramm fliegen will, muss einen Kenntnisnachweis erbringen. Dieser ist bei den vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) sogenannten „anerkannten Stellen“ (AST) abzulegen. In Rheinland-Pfalz wurden 2017 insgesamt 2610 und 2018 wurden 4068 Kenntnisnachweise ausgestellt. Für 2019 liegen

die Zahlen noch nicht vor. Die für unsere Region nächstgelegenen AST befinden sich in Monschau, Remagen, Bonn oder Aachen. Die Anschriften sind über die Internetseite des LBA erreichbar.

ERLAUBNISPFLICHT

Wer eine Drohne mit einer Startmasse ab fünf Kilogramm fliegen will, muss neben der Kennzeichnungspflicht und dem Kenntnisnachweis auch eine Aufstiegserlaubnis besitzen, die er beim LBM am Flughafen Hahn beantragen muss.

FLUGHÖHE

Bei Flughöhen unter 100 Meter gelten die weiter oben beschriebenen Einschränkungen je nach Gewicht. Ab einer Flughöhe von 100 Metern dürfen Drohnen nur fliegen, wenn eine behördliche Ausnahmegenehmigung eingeholt wurde. Ausnahme: Modellflugzeuge auf dem Gelände von Modellflugplätzen.

NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN

Laut LBM werden Drohnen in den Bereichen Vermessung, Inspektion, Pressearbeit, Immobilienfotografie, Imagefilme und Veranstaltungen eingesetzt. Behörden oder Institutionen der „Blaulichtfamilie“ nutzen zu ihrer Aufgabenerfüllung ebenfalls Drohnen. Hierzu gehören neben Polizei und Feuerwehr auch das Deutsche Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk. Über die Verwendung im militärischen Bereich stehen nur wenige, abweichende öffentliche Angaben zur Verfügung, auf die hier nicht weiter eingegangen wird.

Die Entwicklungen in den Bereichen Lieferdienste oder bemannte Drohnen schätzt der LBM eher als Nischenprodukte mit wenigen Anwendungsfällen ein. „In den Bereichen der Arbeitsfliegerei in der Landwirtschaft, im Weinbau, bei der Vermessung und der Überwachung großer Anlagen sowie der Überwachung bei Großveranstaltungen oder im Bereich der Such- und Rettungsdienste, auch bei Feuerwehr- und Polizeieinsatz gibt es noch vielfältige Entwicklungspotenziale“, prognostiziert Küppers.

TECHNIK

Wir betrachten hier ausschließlich Multicopter (keine militärischen Drohnen). Bei einem Multicopter handelt es sich um ein Fluggerät, bei dem mehrere fest montierte Rotoren für Auftrieb sorgen. Der Begriff Multicopter ist der Oberbegriff für alle Fluggeräte dieser Art. Im Detail unterscheiden sich die Bezeichnungen an der Anzahl der Rotoren: Tricopter (3 Rotoren), Quadrocopter (4 Rotoren), Hexacopter (6 Rotorren) und Octocopter (8 Rotoren). Mit der Gesamtzahl der verbauten Rotoren steigt auch die Komplexität und Schwierigkeit des Fliegens. Grundsätzlich ist ein Multicopter aerodynamisch vollkommen instabil, und setzt daher eine ausgeklügelte Computertechnik zur Flugstabilisierung voraus. Wichtiges Kriterium ist dabei auch die Hinderniserkennung und damit die Möglichkeit, Hindernissen automatisch auszuweichen.

Als Faustregel für Einsteiger gilt: Mit einem Quadrocopter erlernt man das Multicopter fliegen am einfachsten. Je kleiner und robuster das Fluggerät aufgebaut ist, umso stabiler ist der Copter. Somit werden anfänglich nahezu unvermeidbare Stürze besser verkraftet. Gerade vom Quadrocopter gibt es mittlerweile günstige Einsteigermodelle, mit denen man die Grundfunktionen von der Pike auf erlernen kann.

KAUFEMPFEHLUNGEN

Wer über den Kauf einer Drohne nachdenkt, findet auf zahlreichen Internetseiten nahezu unüberschaubare Angebote verschiedener Hersteller und Lieferanten. Regional ist der Kauf am ehesten in einem großen Elektronikmarkt möglich. Professionelle Beratung findet der Kunde in entsprechend ausgestatteten Fotofachgeschäften. Entscheidend ist zunächst, für welchen Zweck die Drohne verwendet werden soll. Das wohl wichtigste Kriterium ist am Ende die Qualität der Kamera. Sollen etwa Fotos im RAW-Format aufgenommen oder Videos in 4K erstellt werden, ist eine hochwertige Kamera erforderlich. Auf alle Fälle sollte die Drohne über einen Gimbal verfügen. Ohne sind verrüttelte Aufnahmen vorprogrammiert. Auch das Flugverhalten ist von großer Bedeutung. Schwebt die Drohne stabil? Gute Drohnen sind teuer – nicht nur weil sie eine gute Bildqualität liefern und weil sie ein gutes Flugkontrollsystem haben, sondern auch weil sie mit einer Vielzahl von intelligenten Funktionen ausgestattet sind. Drohnen können einen automatisch verfolgen, Wegpunkte abfliegen, Selfies per Gestensteuerung aufnehmen und noch viel mehr. Von Billigangeboten sollte man Abstand nehmen, Enttäuschungen sind im Preis inbegriffen.

AUFSICHT UND BESCHWERDEN

Zuständig für die Aufsicht über Drohnenaufstiege ist der LBM. „Es werden uns regelmäßig Verstöße gegen die Verbote mitgeteilt. Diese erhalten wir meist durch die Polizei, die Ordnungsämter oder Privatpersonen“, sagt Birgit Küppers vom LBM. Mit gemischten Gefühlen betrachtet auch Christian Hamm, Leiter der Polizei Bitburg, die Entwicklung. Es gebe solche Beschwerden und weil die Drohnen immer günstiger zu kaufen seien, rechnet er mit einer steigenden Verwendung und auch Mißbrauch.

VERSICHERUNG

Wer eine Drohne fliegen möchte, der ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Drohne zu versichern. Die Haftpflichtversicherung kommt für mögliche Schäden Dritter auf, die durch die Nutzung einer Drohne entstehen können. Das Angebot an Drohnen-Versicherungen ist derzeit noch recht übersichtlich. Ein Vergleich der Angebote empfiehlt sich über das Internet.

DAS IST VERBOTEN

Drohnen dürfen nicht höher als 100 Meter über Grund fliegen. Höher darf man nur fliegen, wenn man sich auf einem zugelassenen Modellflugplatz befindet oder eine Genehmigung von der zuständigen Luftfahrtbehörde hat. Falls man sich im kontrollierten Luftraum befindet, gilt eine maximale Aufstiegshöhe von 50 Metern.

Es besteht ein Verbot von Nachtflügen. Sondergenehmigungen für Nachtflüge sind jedoch möglich.

Das Überfliegen von Wohngrundstücken ist verboten, wenn der Copter mehr als 250 Gramm wiegt oder in der Lage ist, optische Daten, akustische Daten oder Funksignale zu sammeln, zu speichern, und/oder zu übertragen. Bei Flügen mit den gängigen Drohnen ist also die Zustimmung desjenigen einzuholen, dessen Rechte betroffen werden könnten. Somit müssen die Eigentümer und ggf. Mieter befragt werden, ob sie mit dem Überflug einverstanden sind.

Drohnen dürfen sich maximal 100 Meter an sensible Gebiete annähern. Dazu zählen:

· Menschenansammlungen. Leider gibt es auch durch die Drohnen-Verordnung keine Definition, ab wann eine Gruppe als Menschenansammlung gilt. Im Ausland gibt es sehr unterschiedliche Definitionen, die bei einer Mindestgruppengröße von 12 Personen beginnen und bis zu 1.000 Personen reichen. Von diesen internationalen Vergleichswerten lässt sich aber keine Definition für den deutschen Rechtsraum ableiten.

· Unglücksorte, Katastrophengebiete, Einsatzorte von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

· Bundesfernstraßen (konkret Autobahnen und Bundesstraßen), Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen.

· Industrieanlagen.

· Justizvollzugsanstalten/Gefängnisse und Einrichtungen des Maßregelvollzugs.

· Einrichtungen und Truppen der Bundeswehr sowie andere militärische Anlagen und Organisationen.

· Anlagen der Energieerzeugung und Energieverteilung (Kraftwerke, Windräder, Umspannwerke etc.).

· Einrichtungen, in denen erlaubnisbedürftige Tätigkeiten der Schutzstufe 4 gemäß Biostoffverordnung (Institute in Hamburg, Berlin, Marburg und auf der Insel Riems) durchgeführt werden.

· Grundstücke von Verfassungsorganen des Bundes und der Länder sowie obere und oberste Bundes- und Landesbehörden.

· Diplomatische und konsularische Vertretungen (Botschaften).

· Internationale Organisationen im Sinne des Völkerrechts (UN, EU, NATO etc.).

· Grundstücke der Polizei und anderer Sicherheitsbehörden.

· Krankenhäuser.

· Das Fliegen über Naturschutzgebieten ist ebenfalls verboten. Es gelten die Gesetze zum Naturschutz.