1. Die Woch

Das WOCH-Duell: Hunsrück – Eifel

Hunsrück/Eifel : Das WOCH-Duell: Hunsrück – Eifel

Mit vielen Schleifen bahnt sich die Mosel ihren Weg von Trier nach Koblenz. Schuld an den Umwegen, die die Binnenschiffer in Kauf nehmen müssen: zwei Mittelgebirge auf beiden Seiten des Flusses: links die Eifel, rechts der Hunsrück.

Zwei Landstriche mit vielen Gmeinsamkeiten und ebenso vielen Unterschieden: Beide sind Teil des Rheinischen Schiefergebirges, die Eifel aber ist – nicht nur mit ihren Maaren – vulkanisch geprägt, im Hunsrück hat man erst einen einzigen Vulkanschlot bei Mermuth entdeckt – und das auch erst vor einigen Jahren. Der Hunsrück ist bekannt für seine Edelsteine wie Achate und Amethyste, in der Eifel gibt es dafür die weltbesten Funde des blauen Haüyns – eines eher unbekannten und wirtschaftlich wenig bedeutenden Edelsteins.

Und auf beiden Seiten der Mosel leben Menschen, die mit ihrer Region eng verbunden sind. Ein bisschen eigensinnig, wie es abgelegene Bergvölker in allen Teilen der Welt nun einmal sind. Aber ganz so abgelegen sind sie auch nicht mehr: Seit im vergangenen Jahr die Hochmoselbrücke eröffnet wurde, sind Eifeler und Hunsrücker einander noch ein Stück näher gekommen.

Grund genug für unsere beiden Autoren, einmal Hunsrück und Eifel gegeneinander zum Duell in zehn Kategorieren antreten zu lassen. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie auf den beiden folgenden Seiten. Und um es gleich vorwegzunehmen: Punkte haben wir nicht vergeben. Sowohl Hunsrück als auch Eifel haben beide ihre Besonderheiten – und es lohnt sich, den Blick auch mal auf die andere Seite der Mosel zu werfen. Ein Duell also, in dem es nur Gewinner gibt.

Unsere Autoren:

Daniel John, gebürtiger Preuße aus Berlin, mit Wurzeln in Schlesien und im Brohltal, schon als Kind fasziniert von den „Augen der Eifel“, lebt seit mehr als 20 Jahren in der Rheinprovinz, mittlerweile in Bollendorf und fühlt sich in der Eifel inzwischen mehr zu Hause als irgendwo sonst.

Christoph Strouvelle, geboren und aufgewachsen in Morbach, ist nach dem Abitur aus beruflichen Gründen zwölf Jahre in ganz Deutschland unterwegs gewesen und hat erst nach seiner Rückkehr so richtig festgestellt, dass der Hunsrück eine wunderschöne und liebenswerte Region ist.

Die frühesten Bewohner

Fangen wir einfach mal ganz vorne an: mit den frühesten Bewohnern der Eifel. Platz drei teilen sich die älteste Honigbiene der Welt und ein Urpferdchen aus dem Eckfelder Maar mit einem Alter von etwa 45 Millionen Jahren. Unsere Silbermedaille geht an den 235 Millionen Jahre alten Eifelosaurus. Und noch viel älter sind die Trilobiten und andere Meeresbewohner aus der Gegend um Gerolstein. Wasser gabs in der Brunnerstadt nämlich schon vor fast 400 Millionen Jahren mehr als genug. Eifelosaurus-Weibchen Betti, benannt nach ihrem Fundort Oberbettingen ist im Original übrigens in Bonn zu sehen, als Kopie im Naturkundemuseum in Gerolstein und als Rekonstruktion im Dinopark Teufelsschlucht. Die Dinos fühlen sich nämlich bis heute in der Eifel ziemlich wohl. Und was ist mit dem Hunsrückosaurus?

Saurier sind und haben wir Hunsrücker nicht. Hier stehen flinke und pfiffige Tierchen im Vordergrund, wie sich im Schiefer rund um Bundenbach zeigt. Mit mehr als 270 Tierarten ist dort weltweit das bedeutendste Fossilienvorkommen aus der Zeit des Devon. Das war vor etwa 400 Millionen Jahren. Gliedertiere mitsamt Augen, Antennen und Beinen und Weichtiere, wie Quallen, sind hier im Schiefer über die hunderte Millionen Jahre konserviert worden. Der Sonderpreis geht dabei an den Schinderhannes Bartelsi, einen räuberischen, gut schwimmenden Gliederfüßer, den die Paläontologin Gabriele Kühl 2009 im Hunsrückschiefer nachgewiesen hat. Offensichtlich war die Hunsrückregion schon immer ein Habitat für Räuber.

Die ersten Menschen

Manch einer hält die Eifel und ihre Bewohner ja auch heute noch für ein wenig rückständig. Doch dass hier heute noch Neandertaler leben, ist nur ein Gerücht. Aber Tatsache ist: Sie müssen einmal hier gewesen sein. Ein Skelett hat man zwar nicht gefunden, aber in der Buchenlochhöhle bei Gerolstein ein um die 30 000 Jahre altes Steinwerkzeug, das den frühen Verwandten der modernen Menschen zugeordnet wird, die wenig später ausstarben. Knochen von erjagten Mamuts und Höhlenbären wurden ebenfalls entdeckt. Homo sapiens war auch in der Nähe, wie Schmuck und Werkzeug aus der Magdalenenhöhle, jeweils etwa 25 000 Jahre alt, bezeugen.

Wann sich die ersten Homo sapiens im Hunsrück niedergelassen haben, ist unklar. Sicher ist: Sie müssen künstlerisch veranlagt gewesen sein. Denn bei Gondershausen hat vor 20 000 bis 25 000 Jahren ein hier lebender Mensch mit einem Steinkeil das Bildnis mehrerer Tiere in einen Fels geschlagen. Ein einzigartiger Fund in Deutschland. Ansonsten ist es Homo sapiens hier wohl zu rau gewesen. Erst aus der Jungsteinzeit – dieses Zeitalter begann im Hunsrück etwa 5000 vor Christus – lassen sich hier Werkzeuge nachweisen.

Die längsten Wanderwege

Es ist quasi amtlich: Die Eifel hat den schönsten Wanderweg der Welt. Sagt jedenfalls Manuel Andrack über den 74 Kilometer langen Lieserpfad, der von der Quelle bei Boxberg bis zur Mündung bei Lieser verläuft. Über einen Teilabschnitt führt auch der Eifelsteig, der die gesamte Eifel von Nord nach Süd (wahlweise auch in umgekehrter Richtung) durchquert. 313 Kilometer und mindestens 15 Etappen sind es von Aachen (Stadtteil Kornelimünster) bis nach Trier. Deutschlands schönster Wanderwanderweg 2019 in der Kategorie Tagestouren liegt übrigens auch in der Eifel: die Wilde Endert von Ulmen nach Cochem.

Wer wandern will, kommt in den Hunsrück. Ganz klar. Um das zu erfahren, brauchen wir keinen Buchautor, der uns in den Himmel lobt. Das wissen wir auch so. Deshalb gibt es hier auch den Saar-Hunsrück-Steig. Auf 410 Kilometern können Genießer der schönen Landschaft von der Saar bis nach Boppard am Rhein wandern. Deshalb ist er schon zweimal, 2009 und 2017, als schönste Wanderroute Deutschlands ausgezeichnet worden. Und das Deutsche Wanderinstitut hat dem Saar-Hunsrück-Steig, der zu 70 Prozent über naturbelassene Pfade führt, mit 65 Punkten ausgezeichnet. Er ist damit die am höchsten dekorierte Wanderroute in Deutschland. Kurz gesagt: mit seinen verwunschenen Tälern und fantastischen Ausblicken ist er ein Träumchen. Deshalb heißen die Rundwanderwege entlang des Steiges auch Traumschleifen.

Der größte Durst

Verdursten kann man auf dem Hunsrück sicher nicht. Denn das herrliche saubere Quellwasser dient als Grundlage für Schwollener Sprudel und Hochwaldsprudel. Hinzu kommt das Kirner Bier – die Brauerei ist ein kleiner, aber feiner Familienbetrieb und 19 Jahre älter als das Pendant in der Eifel. Und der Riesling von der Mosel wird ergänzt vom Nahewein, der auf den Südhängen des Hunsrücks einen idealen Grund findet und ebenfalls fantastische Weine zulässt. Nahezu jeder Wingert hat dort aufgrund 180 verschiedener Bodenvarianten einen anderen Geschmack. Glauben Sie nicht? Wandern Sie den 97 Kilometer langen Weinwanderweg von Kirn nach Bingen und probieren Sie einige Tropfen!

Gut, es sind nur 35 Kilometer, aber als Alternative in der Osteifel bietet sich der Rotweinwanderweg entlang der Ahr an. Das Weinanbaugebiet ist zwar wesentlich kleiner als das an der Nahe, aber dafür bekannt als „Rotweinparadies“, während an Mosel und Nahe vorwiegend Weißweine abgefüllt werden. Das Wasser dagegen kann der Eifel kaum jemand reichen: Mit acht Millionen Hektolitern pro Jahr gehört der Gerolsteiner Brunnen zu den größten Mineralwasser-Produzenten Deutschlands. Eine Besonderheit ist die hohe Mineralisierung der meisten Eifeler Mineralwässer. In der Eifel sprudelt es an vielen Stellen: Dreese und Sauerbrunnen sind Zeugen des Vulkanismus, wie auch die Kaltwassergeysire in Wallenborn (genannt „der Brubbel“) und Andernach. Was das Bier betrifft: Die Bitburger Brauerei ist zwar jünger als die Kirner, aber mit mehr als vier Millionen Hektolitern auch deutlich größer. Die gesamte Bitburger Braugruppe kommt auf 6,5 Millionen Hektoliter.

Die längsten Flüsse

Mosel, Nahe, Saar und Rhein schließen rings den Hunsrück ein. Das lernt hier jedes Kind in der Schule. Und ganz klar: Es gilt für den Hunsrück das Gleiche wie für ein Fußballfeld. Jede Linie gehört zu dem Raum, den sie begrenzt. Was bedeutet, dass alle vier Flüsse logischerweise dem Hunsrück zuzuordnen sind. Also die Saar von Trier nach Mettlach mit 43 Kilometern, die Mosel von Trier nach Koblenz mit 191 Kilometern, den Rhein zwischen Bingen und Koblenz mit 67 Kilometern und die Nahe mit 125 Kilometern. Macht für den Hunsrück insgesamt 426 Flusskilometer.

Die Mosel könnten wir – nach den genannten Fußballregeln – genauso gut auch zur Eifel zählen. Die knapp 165 Kilometer lange Rur fließt nur in ihrem Oberlauf bis Düren durch die Eifel, daher liegt in dieser Kategorie die Kyll mit knapp 128 Kilometern vorn. Sie entspringt bei Losheimergraben an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Belgien und mündet bei Ehrang in die Mosel. Was für Wanderer der Eifelsteig, das ist für Radfahrer der Kylltal-Radweg. Kombiniert mit dem Vennbahn-Radweg gelangt man von Aachen nach Trier (zurzeit wegen einer Sperrung nur bis Kordel). Im Gegensatz zur wenig kürzeren Nahe hat die Kyll aber ein wesentlich kleineres Einzugsgebiet.

Die höchsten Berge

Der Hunsrück ist spitze, ganz klar: Mit 816 Metern überragt der Erbeskopf alle anderen Gipfel von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes. Dabei kommt der Erbeskopf so bescheiden und unauffällig daher. Erst auf dem Gipfelplateau zeigt er seine wahre Pracht und Größe, wenn man über die Skihänge hinaus bis weit in die Eifel schauen kann und Ausschau hält, ob es dort etwas Gleichwertiges gibt. Wer sich dort oben den Wind um die Nase blasen lässt, tut sich gleichzeitig was Gutes. Denn anerkanntermaßen weht rund um den Erbeskopf die gesündeste Luft Deutschlands.

Okay, da kann die Eifel nicht mithalten, so hoch ist die Hohe Acht dann doch nicht – sie kommt auf 747 Meter. Und ob die Luft dort genauso gut ist, das hängt sicher auch davon ab, wie viele Abgase vom Nürburgring herüberwehen. So richtig hoch hinaus geht’s dafür auf dem Scharteberg bei Kirchweiler in der Vulkaneifel. Der ist zwar nur 691 Meter hoch, obendrauf kommen aber noch 302 Meter vom Sender Eifel, dem höchsten Bauwerk in Rheinland-Pfalz.

Die schönsten Burgen

Burgen prägen das Antlitz des Hunsrücks, ganz klar. Egal, ob die Grimburg, von der man das Saarland kritisch beäugen kann, die Baldenau als einzige Wasserburg des Hunsrücks, deren Turm sich so wunderschön im Wassergraben spiegelt, oder das Balduinseck, mit der sich Balduin von Trier ein Gegengewicht zu den Sponheimern auf der Burg Kastellaun sicherte. Und dann gibt es natürlich die Stromburg, eine ganz bedeutungsvolle Burg. Denn von dort stammt der deutsche Michel, die Symbolfigur für ganz Deutschland, mit ganzem Namen Hans-Michael Elias von Obentraut. Im Dreißigjährigen Krieg machte er als tapferer Heerführer seinen Gegnern das Leben schwer, so dass diese voller Hochachtung vom deutschen Michel sprachen.

Naja, so ganz historisch gesichert ist das mit dem Michel wohl nicht, außerdem ist er doch heute eher für seine Schlafmütze als für seine Tapferkeit bekannt. Aber zurück zu den Burgen: Die Herren Faust von Stromberg starben im Jahr 1729 aus, ihr Wappen wurde mit dem ihrer nächsten Verwandten vereinigt: den Grafen und Edlen Herren von und zu Eltz. Und in deren Besitz befindet sich bis heute die Burg Eltz, an der Grenze zwischen Eifel und Maifeld. Sie ist eine der wenigen Burgen, die nie erobert und zerstört wurden. Und so schön, dass sie sogar den 500-DM-Schein zieren durfte. Beeindruckend sind aber auch die Manderscheider Burgen: die Oberburg gehörte dem Kurfürstentum Trier, die Niederburg den Herren von Manderscheid und damit zu Luxemburg.

Die kleinsten Gemeinden

Eine bewohnte Straße, eine bewohnte Adresse: Hausnummern kann man sich in Dierfeld getrost sparen. Mit 10 Einwohnern (aber immerhin 9 Nebenwohnsitzen) liegt der kleine Ort bei Laufeld im Kreis Bernkastel-Wittlich auf Platz drei der Liste der kleinsten Gemeinden in ganz Deutschland. Das gesamte Gemeindegebiet gehört der Familie von Greve-Dierfeld, die dort eine Baumschule betreibt. Bundesweit Spitze ist Dierfeld übrigens mit den Gewerbesteuer-Hebesatz von 900 Prozent. Von den 100 deutschen Gemeinden mit den wenigsten Einwohnern liegen insgesamt sechs im Kreis Bernkastel-Wittlich, sogar 45 im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Bleibt da noch Platz für den Hunsrück auf der Liste?

Ganz so klein wie Dierfeld ist Heinzenberg bei Kirn nicht. Doch mit 22 Einwohnern, die sich auf drei Straßen und acht Adressen verteilen, befindet es sich mit Platz acht immer noch unter den Top Ten der kleinsten Gemeinden Deutschlands. Ihrer Wahlpflicht kommen die Heinzenberger sehr pflichtbewusst nach: 100 Prozent Wahlbeteiligung bei der jüngsten Landtags- und bei der jüngsten Europawahl. Von Kinderreichtum kann man hier leider nicht sprechen. Lediglich ein Einwohner ist jünger als 20 Jahre.

Die unberührteste Natur

Lange hat es gedauert, aber seit wenigen Jahren haben die Hunsrücker und die Hochwälder auch ihren eigenen Nationalpark. Den sie sich mit den Saarländern teilen und damit gleichzeitig eine integrative Aufgabe übernehmen. So unberührt wie hier, wo sich Fuchs und Wildkatze gute Nacht sagen, kann es in der Eifel nicht sein. Schließlich ist der Hunsrück ein Hotspotgebiet für Artenvielfalt. Als Sensation hat sich herausgestellt, dass vor kurzem im Nationalpark Hunsrück-Hochwald eine Art entdeckt wurde, die vorher komplett unbekannt war, und zwar die Verrucaria Hunsrueckensis, die Hunsrücker Warzenflechte. Gibt es nur hier. Kann die Eifel mit dieser Weltsensation mithalten?

Nein, nicht ganz, der Eifelosaurus und das Moostierchen Fistuliphragma eifelensis sind längst ausgestorben. Trotzdem leben im Nationalpark Eifel viele seltene Tierarten – zum Beispiel die Speer-Azurjungfer, Libelle des Jahres 2020, die in Deutschland als stark gefährdet gilt. Mit 110 Quadratkilometern ist der Nationalpark Eifel sogar noch etwas größer als der Nationalpark Hunsrück-Hochwald mit 101 Quadratkilometern. Aber auch außerhalb des Nationalparks gibt es besondere Lebensräume: In der Our findet sich einer der letzten deutschen Bestände von Flussperlmuscheln. Zur Eifelnatur gehören natürlich auch die Maare – und mit dem Windsborn der einzige Bergkratersee nördlich der Alpen.

Die größten Gauner

Nun ja, mit Gaunern, Ganoven und Schlawinern kennen wir uns im Hunsrück aus. Schließlich soll angeblich von hier, genauer gesagt aus Dhronecken, der Hagen aus Tronje stammen, der laut den deutschen Heldensagen den Siegfried hinterrücks gemeuchelt hat. Ob es wahr ist? Wahr ist auf jeden Fall, dass es den Schinderhannes gegeben hat und dieser vor mehr als 200 Jahren im Hunsrück sein Unwesen trieb. Mehr als 200 Straftaten, vom Diebstahl bis zum Mord soll er begangen haben, bis man ihn im jungen Alter von 24 Jahren in Mainz unter die Guillotine legte. Ein Kumpan des Schinderhannes und ebenfalls ein übler Geselle war Johann Peter Petri, besser bekannt als der Schwarze Peter. Das gleichnamige Kartenspiel hat er angeblich selbst erfunden. Was zeigt: Jeder Hunsrücker stellt was Besonderes dar, auch, wenn der ein oder andere eine eher unerwünschte Figur darstellt, die man am liebsten schnell wieder loswerden möchte.