1. Die Woch

Drei goldene Kugeln und weitere Legenden

Nikolaus : Drei goldene Kugeln und weitere Legenden

Von Daniel John

 

In mehrfacher Hinsicht typisch ist die Darstellung des Nikolaus auf der Brücke über die Dhron in Neumagen-Dhron. Als Brückenfigur ist Nikolaus beliebt, weil er als Patron der Schiffleute gilt. (Die Dhron allerdings ist nicht schiffbar, sondern diente vor allem den Wassermühlen in ihrem Tal als Antrieb.) Seine wichtigsten Attribute sind Bischofsmütze und Krummstab. In der rechten Hand hält er ein  Buch mit drei Kugeln darauf. Was ein wenig so aussieht, als hätte sich Nikolaus gerade eine Portion Semmelknödel geholt, stellt in Wahrheit drei goldene Kugeln dar. Diese Ikonografie stammt ursprünglich aus einer Zeit, in der nicht alle Menschen lesen konnten. Die drei goldenen Kugeln machten jedem klar: Das ist der heilige Nikolaus.

Die Legende besagt, dass Nikolaus, noch bevor er Bischof wurde, einen Kaufmann traf, der in finanzielle Not geraten war und seinen drei Töchtern keine Mitgift für eine standesgemäße Heirat geben konnte. Deshalb sollten die jungen Frauen Prostituierte werden. Nikolaus warf in drei Nächten heimlich je einen Goldklumpen durch das Fenster ins Zimmer einer der jungen Frauen. Deren Vater konnte in der dritten Nacht Nikolaus bei seiner milden Tat stellen und ihm für die uneigennützige Hilfe danken. Deshalb wurden einerseits die goldenen Kugeln zum Attribut des Nikolaus, andererseits gründet sich darauf der Brauch, Kindern in der Nacht zum Nikolaustag heimlich Geschenke zu bringen.

In der „Legenda aurea“ von Jacobus de Voragine aus dem 13. Jahrhundert finden sich außerdem viele weitere Nikolaus-Legenden. Eine ebenso grausame wie wundersame handelt von einem dreifachen Mord in Myra: Ein Gastwirt habe drei Studenten getötet, die auf dem Weg nach Athen waren und bei ihm übernachteten. Nikolaus erfuhr durch einen Engel von der Tat und erweckte durch Fürbitte bei Gott die jungen Männer wieder zum Leben. Und das, obwohl der mörderische Gastwirt die Leichen bereits zerstückelt und die Teile in ein Salzfass zum Pökeln eingelegt hatte.

 Nicht ganz so spektakulär ist das sogenannte Stratelatenwunder, weil hier alle Beteiligten am Leben bleiben – wenn auch nur mit knapper Not. Drei römische Feldherren beobachten in Myra, wie Nikolaus drei unschuldig zum Tode verurteilte rettet, indem er bei der Hinrichtung dem Scharfrichter das Schwert aus der Hand reißt. Als die drei römischen Stratelaten selbst Opfer einer Intrige und zum Tode verurteilt werden, rufen sie Nikolaus um Hilfe an. Im Traum erscheint Nikolaus dem Kaiser, der die sofortige Freilassung der drei Feldherren anordnet.

Bei den vielen Legenden, die hier nicht alle ausführlich geschildert werden können, ist allerdings zu beachten, dass sich teilweise die Überlieferung zu Nikolaus von Myra überschneidet mit einem anderen Nikolaus, Abt des Klosters Sion, der 200 Jahre später lebte. Und manche Legenden müssen noch deutlich später entstanden sein. Die römische Göttin Diana habe als Rache dafür, dass Nikolaus einen ihr geweihten Baum fällen ließ, in Gestalt einer frommen Frau Seeleuten eine Art Ölpaste übergeben, mit der sie die Kirche in Myra bestreichen sollten. Dabei habe es sich um Griechisches Feuer gehandelt, eine Brandwaffe, die aber erst seit dem 7. Jahrhundert verwendet wurde. Nikolaus soll die Seeleute gewarnt haben, diese schütteten das Öl ins Meer, dass danach in Flammen stand.

Wie die Zahl der Legenden, so ist auch die Zahl der Patronate beachtlich. Nikolaus gilt laut Wikipedia als Schutzpatron unter anderem von Russen, Kroaten und Serben, von Lothringen und Süditalien, von Seefahrern und Binnenschiffern, Kaufleuten, Apothekern, Metzgern, Bäckern und Getreidehändlern, Dreschern, Pfandleihern, Juristen, Schneidern, Küfern, Salzsiedern, Fuhrleuten, Pilgern und Reisenden, Schülern und Studenten, Ministranten, Kindern und Alten, Liebenden und Gebärenden, aber auch von Prostituierten, Dieben, Gefangenen und Gefängniswärtern.

• Weitere Nikolaus-Legenden gibt es in ausführlicher Darstellung auf www.nikolaus-von-myra.de