1. Die Woch

Unsere Vereine: Echtes Fahrvergnügen: Mountainbiken in Trier

Unsere Vereine : Echtes Fahrvergnügen: Mountainbiken in Trier

Schöne Strecken, aber durch Corona eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten – Nach der Krise will der Verein wieder voll durchstarten.

Vor 15 Jahren hatten ein paar Mädels und Jungs aus Trier die Idee, sich für ihren Sport zu engagieren. Ihr Sport, das war und ist bis heute das Mountainbiken – in diesem Fall die oft als „Downhill“ oder „Freeride“, mittlerweile auch „Enduro“ bezeichnete Ausprägung des Sports.

„Dabei liegt der Fokus auf der Abfahrt. Der Weg bergauf dient eher als Mittel zum Zweck, und den Weg talwärts legt man nicht auf Rad- oder Forstwegen, sondern auf eigens zu diesem Zweck angelegten Strecken – auch Trails genannt – zurück“, erklärt der erste Vorsitzende des Vereins „Fahrvergnügen“, Alexander Otto.

Damals, im Frühjahr 2005, gründete sich der Verein, um mit Hilfe und Erlaubnis des Forstamts und der Stadt Trier Sportstätten zu schaffen, auf denen sich der Sport ausüben lässt. Das Forstrevier Pfalzel/ Weisshauswald gestattete die Anlage, und im Stadtwald wurde die erste Strecke angelegt. „Fahr­vergnügen.“ war geboren.

Mittlerweile hat der Verein mehr als 200 Mitglieder. Mit ihren Vereinsbeiträgen und in ehrenamtlicher Arbeit sorgen sie dafür, dass es in Trier eine Situation gibt, um die die Aktiven vielerorts beneidet werden: Wer sich in der Innenstadt auf sein Mountainbike schwingt, ist 30 Minuten später am Streckenstart und kann sich – Helm, Schutzausrüstung und etwas Können vorausgesetzt – auf den Strecken namens „Heidi“, „Die Anna“ und „Gärtchen“ auf dem Weg runter ins Tal austoben. Oder die Zweiradbegeisterten trainieren bei trockenem Wetter am „Pumptrack“ auf dem Petrisberg ihre Fahrtechnik und Ausdauer und entspannen mit anderen Sportsfreunden in der Sonne.

Dabei schafft und erhält der Verein heute noch eine Infrastruktur, die allen Interessierten offen steht – ob Vereinsmitglied oder nicht. Und wer einmal bei schönem Wetter im Weisshauswald spazieren war, der hat einige von ihnen sicher schon getroffen, ihnen beim Springen und Fahren zugeschaut oder sich erklären lassen, was es denn mit diesen Strecken im Wald auf sich hat. „Wer das auch mal tun möchte: Wir freuen uns über jedes nette Gespräch und jeden neugierigen Besucher, ob mit oder ohne Fahrrad“, lädt der Vorsitzende ein.

Stimmen aus dem Verein

Alexander Otto, erster Vorsitzender: „Was uns als Verein besonders auszeichnet, denke ich, ist, dass von unseren ehrenamtlichen Helfern, unterstützt durch die Beiträge unserer Mitglieder, enorm viel und auch sehr körperliche Arbeit geleistet wird, um eine Sportart erlebbar zu machen, deren Wurzeln sonst eher im alpinen Raum gesehen werden. Es geht weniger um den spektakulärsten Sprung oder die schnellste Zeit, es ist vielmehr eine Gruppe von Leuten, die schlicht wahnsinnig viel Spaß an diesem Sport haben und sich freuen, dies auch anderen zugänglich machen zu können. Eigentlich ,Gemeinnützigkeit‘ im besten Sinne. Dies gilt auch für unsere Sportanlagen am Petrisberg. Wir sehen ja, wie viele Kids aus den umliegenden Stadtteilen sich dort die Zeit vertreiben und auf dem Pumptrack ihre Runden drehen – und nicht vor der Playstation sitzen oder ins Smartphone starren.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir es schaffen, vielleicht auch im Umland von Trier weitere Strecken schaffen zu können – oder zumindest Gemeinden oder anderen Interessengruppen dabei zu helfen, ähnliche Projekte umzusetzen. Unsere Region mit ihrem mittelgebirgs­artigen Charakter und den ausgedehnten Waldflächen bietet dafür in jedem Fall ausreichend Potenzial. Und schaue ich auf die Besucherzahlen unserer Strecken, dann ist das Inter­esse in der Bevölkerung zweifellos vorhanden. Was aber in jeden Fall die Zukunft des Vereins nachhaltig prägen wird, ist unsere Jugendarbeit. Wir haben kaum einen TKKG-Termin veröffentlicht, schon sind alle Plätze dafür weg. Und das Konzept scheint sowohl Eltern als auch Kinder zu überzeugen – es hat uns im Jahr 2019 allein 30 neue, junge Vereinsmitglieder eingebracht.“

„Richtig,“ stimmt Vorstandsmitglied André Agne bei. „Seit Ende der 1990er Jahre wird das Mountainbiken stetig beliebter und ist längst im Breitensport etabliert. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr aktive Mountianbiker als Fußballer.“ Laut AWA 2019 biken 11,52 Millionen Deutsche gelegentlich, 3,74 Millionen sogar häufig. Im Vergleich dazu spielen 10,97 Millionen Deutsche gelegentlich Fußball, 3,17 Millionen häufig. „Der Großteil der kostenlos nutzbaren Sportstätten wird hierbei von Vereinen wie „Fahrvergnügen“ getragen, die hierbei vielerorts die Pacht, Sportstättenversicherung, Wegesicherungsmaßnahmen und sonstige Unkosten aus den Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren. Darum ist der Zusammenhalt und die Unterstützung innerhalb der Community so wichtig. Diese Vereine wirken mit ihrem Angebot an offiziellen Sportstätten dem illegalen Streckenbau entgegen und tragen so maßgeblich dazu bei, dass der moderne Mountainbikesport nachhaltige Strukturen schafft, dabei Konflikte vermeidet und die Akzeptanz des Sports in der Öffentlichkeit fördert. Kommunalpolitik, Naturschutz, Forstwirtschaft, Waldbesitzer und -nutzer. Der Erfolg liegt im Dialog. Jede größere Ortschaft hat einen Fußballplatz, oft mit Bewässerungssystem und Flutlichtanlage, Sportheim und Parkplatz. Unser Sportplatz ist ein Pfad im Wald. Oft in Eigenleistung angelegt und gepflegt, ohne Unkosten für die Gemeinde. So können attrakitve Sportstätten entstehen wo sie mit Umweltschutz und Forstwirtschaft vereinbar sind, und bereits beim Anlegen der Strecken das Vereinsleben, die Jugendarbeit und das Naturerleben fördern.“

Was sich geändert hat

Die erst 2019 ins Leben gerufene Jugendabteilung „TKKG“ hätte im März dieses Jahres wieder Fahrt aufnehmen sollen. Die TKKG-Betreuer hatten sich im Winter sehr gut vorbereitet, ein neues Lernkonzept entworfen und freuten sich auf die neue Saison. Leider sind auch solche Termine derzeit nicht regelkonform zu organisieren.

Im Zeitraum, in dem auch alle anderen öffentlichen Sportstätten gesperrt waren, wurden die Strecken vollständig gesperrt. Und in jüngster Zeit waren die Anlagen zunächst nur für Vereinsmitglieder freigegeben – wegen der allgemeinen Verpflichtung, große Gruppen zu vermeiden. Eine schwere Entscheidung, war es doch immer auch mit ein wenig Stolz und Sinn für das Gemeinwohl, dass die Strecken jedermann offen standen – notwendiges Können und Schutzausrüstung vorausgesetzt.

Aber der in der Corona-Krise verstärkte Drang der Menschen nach draußen ließ sich auch im Weisshauswald beobachten. Durch geschlossene Bikeparks noch befeuert, wurde es auf den Strecken immer voller. Zu voll, um es für die Mitglieder weiter zu vertreten.

„Leider hat auch unser absolutes Herzensprojekt, der Neubau unserer Dirtjump-Anlage auf dem Petrisberg, durch Corona erhebliche Verzögerungen erlitten“, bedauert Alexander Otto. Treffen sich meist zehn bis 15 Leute, um bei solchen Projekten zu helfen, wurde hier nur in Zweier-Teams gearbeitet. Die ehrenamtlichen Helfer haben dennoch Unglaubliches geleistet, so dass bald mit wirklich spektakulären Bildern von dieser Anlage zu rechnen ist.

Jan Roderich, Marco Kronenburg und Johannes Zimmermann beim Vereinsfest 2019 am Haus des Waldes in Trier. Foto: MTB-Trier
Daniel Ludwig wurde 2018 Deutscher Meister in der Kategorie Open Men des IXS Downhill Cups. Foto: MTB-Trier
Eine Gruppe Teilnehmer der Jugendabteilung „TKKG“ nach dem Anstieg am Start der Mountain­bike­strecken im Trierer Weisshauswald. Foto: MTB-Trier
Dirk Thiemann und Helene Otto auf dem „Pumptrack“ am Petrisberg. Foto: MTB-Trier
Nachwuchstalent Tyler Hank bei Sprungübungen im Weiss­haus­wald. Foto: MTB-Trier
Roland Kern und Florian Molitor (vorne) bei der Abfahrt im Weisshauswald. Foto: MTB-Trier/Dirk Thiemann
Beim Testen der neuen „Dirtjump“-Anlage schnuppert Lars Kramer Höhen­luft. Foto: MTB-Trier

Sobald Veranstaltungen in größeren Gruppen erlaubt sein werden und der Verein diese auch für machbar hält, startet Fahr­vergnügen e.V. wieder mit TKKG durch – und die Strecken werden wieder in vollem Umfang ge­öffnet.