1. Die Woch

Unsere Vereine: Ein halbes Jahrhundert Fußballspielkreis Mosel

Unsere Vereine : Ein halbes Jahrhundert Fußballspielkreis Mosel

Heute vor 50 Jahren, am 30. Mai 1970, ist der Fußball nach der Gebietsreform im Spielkreis Mosel neu organisiert worden. Martin Reichart aus Bernkastel-Kues wurde zum Kreisvorsitzenden des neuen Fußballkreises gewählt.

2020 – der Fußball ist tot. Die Corona-Pandemie hat bis Mitte Mai jede Aktivität auf Null heruntergefahren. 100 Jahre zurück – 1920: Die Folgen des Ersten Weltkriegs waren kaum überwunden, da wollten die Menschen neben dem großen Aufbau wieder Gemeinschaft erleben. Und das funktionierte. Der Fußball stand sehr schnell im Mittelpunkt. Deutschland trat am 27. Juni 1920 wieder zu einem Länderspiel an – in Zürich gegen die Schweiz.

Die Organisation für das geordnete Fußballspielen in unserer Region stieß erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 die Gründung des Fußballverbands Rheinland an. Bereits 1945 wurde der Fußballkreis Zell gegründet. Ludwig Follmann war sein erster Kreis­obmann. Ein Jahr später folgten Wittlich mit Josef Könen und Bernkastel mit Philipp Weinand.

Die große politische Gebietsreform 1970 brachte dann für die Fußballer den Spielkreis Mosel. Zu diesem wurden die drei „Altkreise“ zusammengelegt, die Grenzen zum Teil neu gezogen. 52 Mannschaften hatten 1946/47 den Spielbetrieb in den drei Kreisen aufgenommen. In der Spielzeit 1960/61 waren es bereits 277. Nun, bei der neuen Kreiseinteilung, wurden 204 Senioren- und 212 Jugendmannschaften zum Spielkreis Mosel vereinigt. Am 30. Mai 1970 wählten die Vereinsvertreter in Kröv Martin Reichart aus Bernkastel-Kues, der bis dahin den „Altkreis“ Bernkastel geführt hatte, zum Kreisvorsitzenden des neuen Fußballkreises.

Die bisherigen Köpfe – Reichart als Kreisvorsitzender, Hans Sieger (Wittlich) als Sachbearbeiter und Werner Mielast (Zell) als Spruchkammervorsitzender – wollten gemeinsam mit ihren Staffelleitern, Schiedsrichteransetzern und Spruchkammerbeisitzern den neuen Spielkreis organisieren. Er setzte sich nach der Gebietsreform aus den Vereinen des neuen Landkreises Bernkastel-Wittlich und Teilen des neuen Kreises Cochem-Zell zusammen. Es galt, 204 Senioren-, 212 Jugendmannschaften und 190 Schiedsrichter in dem neuen großen Kreis zusammenzuführen und den Spielbetrieb zu gestalten. Hans Sieger aus Laufeld, Winfried Ruf, Alfons Braun (beide Longkamp) und der Maringer Hermann Heil folgten in den folgenden Jahren im Kreisvorsitz. Heil, der heute noch Ehrenvorsitzender ist, war bis 2006 der „Kopf“ eines Teams, mit dem er als erste große Herausforderung 1995 das silberne Jubiläum des Fußballkreises feierte. Vor allem der Aufbau des Mädchenfußballs hatte es ihm angetan. Es gibt den ersten „Tag des Mädchenfußballs“ im Fußballverband (FV) Rheinland im Mai 1999 in seinem „Wohnzimmer“, das der SV Maring nach ihm benannt hat: Auf der Hermann-Heil-Sportanlage in Maring-Noviand treffen sich Teilnehmerinnen aus allen Kreisen des Fußballverbands Rheinland. Für den gesamten Verband gibt es 2002 in Wittlich-Wengerohr zum Sepp-Herberger-Tag den Rheinland-Meistertitel der C-Juniorinnen und Mädchen­auswahl­spiele der Kreise. Außerdem fällt das immer mehr forcierte Jugendtraining in Heils Amtszeit – zuerst durch die Kreistrainer und danach im DFB-Stützpunkt in Wittlich. Der erste und bisher einzige ordentliche Verbandstag des FV Rheinland im Spielkreis Mosel findet 2004 in Piesport statt.

Am 14. Juli 2006 übernimmt Walter Kirsten das Ruder im Spielkreis. Höhepunkte seiner Amtszeit sind die Schulfußball-Offensive und der Mädchenfußball. Alle Grundschulen im gesamten Spielkreis werden mit Fußbällen und Trikots versorgt. In Wittlich, Morbach und Thalfang werden neue Minispielfelder gebaut. Der Spielkreis organisiert die erste „Mädchen-Fußball-Weltmeisterschaft im Landkreis Bernkastel-Wittlich“ im Vorfeld der WM im Jahr 2011. Partner ist der Kreis Bernkastel-Wittlich mit der Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Kretz in Dörbach. Mit dem Wettbewerb „Team 2011“ im Vorfeld der Frauen-Weltmeisterschaft wird die Zusammenarbeit der Schulen mit den Vereinen forciert. „Fußball macht Schule“ heißt die Aktion, mit der in fast allen Ganztagsschulen Fußball-Arbeitsgemeinschaften angeboten werden.

Die Erfolge der Mosel-Fußballer

Das Gesicht des Spielkreises Mosel prägte über Jahre der FSV Salmrohr. Der Verein machte den Moselfußball in ganz Deutschland als „Macht vom Dorf“ bekannt. Dem FSV gelang in den 1970er Jahren erstmals der Aufstieg in die höchste Amateur­klasse des Landes. 13-mal qualifizierte er sich für die erste Pokalrunde. Mit dem Duell gegen Zweitligist Hol­stein Kiel 2019 waren die Salmrohrer bereits zum 20. Mal auf dieser Ebene im Einsatz. Die Kontrahenten hatten klangvolle Namen wie Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Borussia Dortmund oder VfL Wolfsburg. Mit seinen etwa 1300 Einwohnern ist Salmrohr als Ortsteil von Salmtal noch heute der kleinste Fußballstandort, der je Profiluft schnupperte. 1986 gelang dem FSV sensationell der Aufstieg in die 2. Bundesliga. 1990 wurde der Verein Deutscher Amateurmeister. Ab 1994/95 waren die Salmrohrer Gründungsmitglied der neuen Regionalliga West-Südwest, der dritthöchsten deutschen Spielklasse, an der sie ganze sechs Spielzeiten in Folge (bis 1999/2000) teilnahmen.

Dem SV Wittlich – 1912 gegründet – gelang über die Vizemeisterschaft in der Verbandsliga in der Saison 1990/91 ein Jahr später mit dem 80. Geburtstag des Vereins die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die Oberliga Südwest.

Beim SV Klausen begann nach dem Aufstieg in die A-Klasse in der Saison 1988/89 eine überall bewunderte Erfolgsgeschichte bis zur Amateur-Oberliga Südwest.

Der Turn- und Sportverein (TuS) Kröv stieg nach der Meisterschaft in der Bezirksklasse 1952 in die Amateurliga auf. Nach Ab- und Aufstieg aus der Landesliga war im Jahr 1979 der Weg in die Verbandsliga geschafft. Nach einem Jahr kam der Abstieg, aber 1985 der Wiederaufstieg. Vier Jahre darauf stieg der TuS in die Landesliga und danach in die Bezirksliga ab.

Der SV Morbach tritt seit dem Spieljahr 2003/04 in der 1. Rheinlandliga an. Über die Region hinaus waren die Morbacher Trainer bekannt – Olympiasieger Bernd Cullmann, der 1954er Weltmeister Horst Eckel und drei Jahre lang Arno Michels, der heutige Co-Trainer von Paris Saint-Germain.

Die Nachbarvereine SV Haag und DJK Horath schlossen sich im Jahr 1989 zur SG Haag/Horath zusammen. Nach der Saison 1991/92 in der Landesliga Süd stieg die SG in die Verbandsliga Rheinland auf. Die Saison 1994/95 war mit der Vizemeisterschaft die erfolg­reichste Spielzeit.

Drei Fragen an den Kreisvorsitzenden Walter Kirsten, zuvor lange aktiver Schiedsrichter sowie deren Obmann

Wie sieht Ihr Blick zurück aus?

Walter Kirsten: Die Entwicklung im Amateur-Fußball ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Das große Freizeitangebot in unserer Gesellschaft hat auch den Fußballsport verändert. Viele Sportvereine können einen eigenen Spielbetrieb nicht mehr aufrechterhalten. Durch Spielgemeinschaften gehen die Manschaftszahlen zurück. Mit insgesamt 205 Senioren-, Frauen-, Mädchen und Junioren-Mannschaften mit rund 20 000 Mitgliedern in unseren Vereinen sind wir innerhalb des FVR gut aufgestellt.

Was sind Ihre aktuellen Sorgen?

Kirsten: Eine Kommission beschäftigt sich seit dem letzten Verbandstag mit der Entwicklung und will neue Vorschläge machen. Die Reduzierung der neun Kreise, Aufteilung neuer Kreisgrenzen und Umstrukturierung der Verbandsorganisation sind Ideen, die diskutiert werden. Ein Konzept wird bis zum nächsten Verbandstag im Jahre 2020 vorliegen. Unser Ziel ist es, den Spielkreis nach 50 Jahren auch für die Zukunft mit seinen Strukturen zu erhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Kirsten: Ich wünsche mir bei den sich abzeichnenden großen Veränderungen in unserer Gesellschaft, dass die große Fußballfamilie zusammenhält. Denn nur gemeinsam wird es unseren Vorständen, den Spielerinnen und Spielern sowie den Fans gelingen, die aktuelle Krise mit all ihren Folgen zu überwinden.

Kontakt: Telefon 06507/6451, Fax 06507/702840, E-Mail: ­walterkirsten@web.de

www.fv-rheinland.de/mosel/

 Fünf Männer der ersten Stunde des Spielkreises Mosel im Jahr 1970: Hans Sieger, Johannes Hees, der Vorsitzende Martin Reichart, Alfons Ertz und Alfons Braun (von links).
Fünf Männer der ersten Stunde des Spielkreises Mosel im Jahr 1970: Hans Sieger, Johannes Hees, der Vorsitzende Martin Reichart, Alfons Ertz und Alfons Braun (von links). Foto: Fußballspielkreis Mosel
 Beim Ehrenamtstag 2017 in Wittlich zeichnet der Fußballspielkreis Mosel seine engagierten freiwilligen Helfer aus.
Beim Ehrenamtstag 2017 in Wittlich zeichnet der Fußballspielkreis Mosel seine engagierten freiwilligen Helfer aus. Foto: Holger Teusch

Klaus Schmitz